McAfee inszeniert seine Flucht multimedial

Publishing Jagdszenen im Paradies: John McAfee, Gründer des gleichnamigen Anti-Virenschutz-Programms, ist in Belize auf der Flucht vor Behörden und Drogengangs. Der inzwischen 67-Jährigen wird nach dem Mord am US-Bauunternehmer John Faull polizeilich gesucht. Es sind nicht die einzigen seltsamen Spekulationen um McAfee: Wired-Reporter Joshua Davis hat McAfee vor Monaten auf seinem Anwesen in Belize besucht und berichtet von bizarren Russisch-Roulette-Spielen. McAfee inszeniert seine Flucht unterdessen multimedial.

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Die Tech-Welt hat schon viele eigenwillige Gründer mit schrulligen Marotten und skurrilen Vorlieben gesehen – doch wohl noch nie so eine Posse wie sie Virenschutz-Pionier John McAfee seit Tagen veranstaltet.

Dass McAfees Leben scheint seit Jahren aus den Fugen geraten zu sein. Bereits 1994 verkaufte er seine Anteile an am Virenschutz-Unternehmen für geschätzte 100 Millionen Dollar, von denen im Zuge der weltweiten Finanzkrise 2008 allerdings nur noch 4 Millionen übrig geblieben sein sollen. Sein Leben hatte McAfee unterdessen längst nach Zentralamerika verlagert: Nach der Trennung von seiner Frau lebt McAfee seit 2009 in Belize.

Ärger im Paradies: Zwischen Robin Crusoe- und Playboy-Lebensstil in Belize

Das Leben dort glich offenbar einer Mischung aus einem Aussteiger-Märchen mit Robinson Crusoe-Anleihen, aber auch neuen Problemen, wie man sie aus einem Hollywood-Drogenthriller kennt. Wired-Reporter Joshua Davis, der McAfee in Belize über Monate begleitete, berichtet in einem am Freitag veröffentlchten E-Book von den Problemen des US-IT-Millionärs mit Drogenbanden, aber auch von einem äußert extrovertierten Lebensstil – McAfee soll mit minderjährigen Frauen auf seinem Anwesen zusammenleben und in Gegenwart von Davis Russisch-Roulette gespielt.

Mag all das noch all Verschrobenheit eines alternden Aussteigers durchgehen, hat McAfee seit einer Woche handfeste Probleme mit den Behörden seiner Wahlheimat: McAfee wird nach der Ermordung seines Nachbarn, dem US-Bauunternehmer Gregory Faull, polizeilich gesucht.

Bloggen auf Flucht: "Wie konnte ich zum Mordverdächtigen werden?"

Seitdem befindet sich McAfee auf der Flucht, die der 67-Jährige wie in einem Hollywood-Thriller inszeniert. Da ist zunächst McAfees Blog "The Hinterland", das der IT-Pionier seit Samstag minuziös mit detailreichen Einträgen befüllt. Kostprobe: "Mit viel Zeit, aber wenig Möglichkeiten, damit etwas anzufangen, reflektiere ich nun darüber, wie mein Leben diesen Verlauf nehmen konnte. Wie konnte ich zum Mordverdächtigen auf der Flucht werden?"

"Die Weltpresse war natürlich wenig hilfreich. Selbstgerecht wie sie ist, hat die Presse das gemacht, was sie am besten kann: Sensationen kreiieren." Daran dürfte McAfee indes einen nicht unwesentlichen Anteil haben: Mit Wired-Reporter Davis steht der frühere IT-Pionier ständig in Kontakt. Aber auch Mainstream-Medien werden mit schlagzeilenträchtigen O-Tönen Informationen angefüttert.

CNBC-Interview: "Bereit zu sterben"

Vorläufiger Höhepunkt: Ein TV-Interview mit CNBC, in dem McAfee von seiner Todesangst spricht und erklärt, er geht bei Verhaftung von seiner Ermordung aus. Um sich dann in dramatischer Form heroisch zu inszenieren: "Sind Sie bereit zu sterben, John?" wird McAfee von Anchor Brian Sullivan in eineem bizarren Augenblick amerikansicher TV-Geschichte gefragt: "Ich gehe davon aus, dass das passiert, wenn ich gefasst werde, also ist das sicher eine Möglichkeit."

Unter diesen Umstände versucht McAfee in Form seines Blogs seine Version der Vorgänge so transparent zu verbreiten wie möglich. Jüngster Eintrag, der sich bereits mit den Möglichkeiten einer baldigen Festnahme beschäftigt: "Wenn ich gefangen genommen werden, wird dieses Blog weitergeführt. Ich habe Material für mindestens ein Jahr geschrieben", das von seinem Administrator Chad zugänglich gemacht werden soll.

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