Tussi-Riot und Wanderhuren-Recap-Contest

Publishing Das Wörtchen “Twitter-Tussi”, das wir in den Debatten-Ring warfen, zog im Internet Kreise. Die Domain Twittertussi.de wurde gesichert, Twitter-Tussi-Artikel gesammelt, Sexismus und Polemik getwittert, äh gewittert. Die FAZ hat mittlerweile bemerkt, dass sie bei der vergleichenden Berichterstattung über Ibrahimovics Fabel-Tor aus Versehen ein Videospiel angeguckt hat. Dafür haben die Frankfurter die lustigste “Wanderhuren”-Recap aus dem Hut gezaubert. Und Hubert Burda hat sein Bunte-Buch in München vorgestellt.

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Dass den klugen FAZ-Köpfen aus Frankfurt auch mal was verrutschen kann, dokumentierte das Bildblog. Wahrscheinlich hat jeder Mensch auf der Welt das Fabeltor von Zlatan Ibrahimovic im Spiel Schweden gegen England vom Mittwoch mittlerweile mindestens 100 mal in Zeitlupe gesehen. Es ist ja auch so toll. Und die FAZ berichtete in diesem Zusammenhang in ihrem vielfach preisgekrönten Sportteil auch ganz passend vom “Fuß Gottes”. Aber was schrieb Sportredakteur Uwe Marx da im hinteren Teil des Artikels: “…dass es mal einen Spieler gab, der nicht nur aus fünfundzwanzig, sondern gleich aus vierzig Metern per Fallrückzieher traf. Es war auch ein Schwede, Rade Prica, der mal bei Hansa Rostock gespielt hat. Er hatte im Spiel für Rosenborg BK gegen den FC Basel tatsächlich mal die Unverfrorenheit, es aus noch größerer Entfernung als Ibrahimovic zu versuchen – und zu treffen.” Das Bildblog wies nach, dass es ein solches Spiel offenbar nie gab. Was es dagegen gibt, ist ein YouTube-Schnippsel mit einem Ausschnitt eines ebensolchen Spieles mit einem ebensolchen Tor aus dem Videospiel “Pro Evolution Soccer 2011”. Nachdem der peinliche Fehltritt der FAZ im Internet ordentlich breitgetreten wurde, haben die FAZ’ler den Text sogar transparent korrigiert. Wie sagte FAZ-Herausgeber Werner d’Inka doch noch diese Woche zum Them Pleite der Frankfurter Rundschau: "Und wenn die letzte anständige Zeitung verschwunden ist, bleibt nur noch das Geschwätz."

Wir machen weiter mit der FAZ, aber diesmal total positiv: Na, haben Sie es gemerkt? Am Dienstag lief bei Sat.1 der dritte Teil der “Wanderhure”. Es ging um deren “Vermächtnis”. Interessanter als der ausufernde Schwafel-Streifen ist, dass die Wanderhuren-Recap mittlerweile zu einer eigenen Sub-Disziplin im deutschen Feuilleton avanciert ist. Das liegt sehr wahrscheinlich an dem Wort “Wanderhure”, das einerseits allerlei Assoziationsketten in Gang setzt und zu vielen Wortspielereien einlädt. “Hure, willst du ewig wandern”, “Genug gewandert, genug gehurt” usw. Die ambitionierteste und lustigste “Wanderhuren”-Nacherzählung lieferte Johanna Adorján in der FAZ unter der schönen Überschrift “Hui Buh, ich bin die Adlerfrau”. Glücklicherweise für die FAZ’ler gibt es keine Wanderhuren-In-Game-Videos bei YouTube.

Und warum, werden Sie nun fragen, hat ihr Lieblings-Fachmediendienst für “Insider-Gesabbel” und “Hyper-Hyper-Schnappatmung” (Hint: Gemeint ist MEEDIA) keinen gepflegten Wanderhuren-Text durchs-Klickdorf getrieben? Ganz einfach: Wir waren viel zu beschäftigt mit der redaktionellen Nachbearbeitung der kürzlich hier veröffentlichten Gesellschafts-Analyse “Neues Trend-Berufsbild: die Twitter-Tussi”. taz.de baute zum Thema Twitter-Tussi eine lustige Bilder-Galerie, Titus Gast fand den Text, weil er ein Mann ist, unter der Überschrift “Ja ich bin Twitter-Tussi, na und?” immerhin “einigermaßen komisch” und hat sich auch gleich die Domain twittertussi.de gesichert. Verdammt! Dennis Horn klagt bei wdr.de dagegen an, “Sexismus und Polemik” zu mischen und Christina Wächter hat noch viel mehr Tussi-Repliken für Jetzt.de aggregiert – auch kein leichter Job. Und wegen diesem ganzen Tussi-Riot kam dann hier in der Linkbude keiner dazu, eine Zwerchfell erschütternde Wanderhuren-Glosse zu fabrizieren. Na toll.
Reichlich zu tun hatte in den vergangenen Tagen auch Hubert Burda. Beim VDZ-Kongress Ende vergangene Woche in Berlin strahlte er als Verleger-Präsident qua Funktion Optimismus aus und stellte im kleinen Kreis zudem sein neues Buch "Die Bunte-Story" vor. Am Montag hatte der 72-Jährige aus gleichem Anlass Führungskräfte seines Medienhauses ins Münchner Lokal "Schumann’s" geladen. Dort verriet Burda, dass er das Buch vor allem für den journalistischen Nachwuchs im eigenen Haus geschrieben habe – damit die jungen Leute bei all den neuen Burda-Profitcentern im Internet nicht vergessen, was ein Verlag ist. Wer die 130 Seiten der "Bunte-Story" liest, lernt, dass der Patriarch des Hauses ein privilegiertes, aber nicht immer leichtes Leben hatte – und dass seine zehn Jahre als (sehr erfolgreicher) Chefredakteur der bunten Illustrierten für Hubert Burda die schönsten seines Lebens waren. Übrigens verrät der mächtige Verleger auch, dass ihm in dieser Zeit der große Will Tremper half, seine Schreibblockade und die "Angst vor dem weißen Blatt" zu nehmen. Darüber welche Unsummen es den vermögenden Verlagserben gekostet haben mag, Boulevardgenies wie Tremper, Wagner und andere aus Metropolen ins badische Offenburg zu locken, erfährt der interessierte Branchenleser leider nichts. Merke: Auch wer offenherzig bekennt, gibt nicht alles preis.
Schönes Wochenende!

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