Jalag stellt Monatszeitschrift Prinz ein

Publishing Aus für die Monatszeitschrift Prinz: Wie der Jahreszeiten Verlag am Dienstag mitteilte, wird der traditionsreiche Szeneführer in der gewohnten Erscheinungsweise mit der Dezemberausgabe eingestellt. Lediglich die monothematische Reihe Prinz Top Guide soll fortgesetzt werden. Stattdessen will der Verlag ein "tagesaktuelles Online-Magazin" forcieren. Wie damit eine Redaktion refinanziert werden soll, ist indes unklar. Ein Großteil der Mitarbeiter dürfte daran ohnehin nicht mehr mitwirken.

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In seiner Presseerklärung macht der Jalag zwar keine Angabe, wie viele Jobs der "Umstellung" zum Opfer fallen. Prinz-Verlagsleiter Michael Silvio Kusche wird allerdings mit einem für Experten in dieser Hinsicht aufschlussreichen Statement zitiert: "Das geänderte Mediennutzungsverhalten der Zielgruppe erfordert entsprechende kreative digitale Angebote, daher ist diese Umstellung des Prinz-Geschäftsmodells wirtschaftlich notwendig und vernünftig und deshalb geboten. Wir werden nun in einen intensiven Austausch mit den Betriebsräten eintreten und alles tun, um für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam sozial ausgewogene Lösungen zu finden."
Jalag-Geschäftsführer Peter Rensmann, seit einiger Zeit auch für den Prinz zuständig, rechtfertigt den Schritt: "Der Medienwandel verändert den Markt der City-Listings-Magazine fundamental. Darauf reagieren wir: An die Stelle des Monatsmagazins tritt eine nochmals attraktiv erweiterte Onlineausgabe. Das ist eine Prinz-spezifische Marktveränderung. Die Gattung Print hat eine stabile langfristige Perspektive und behält diese auch für uns. So wird auch unsere überaus erfolgreiche Prinz Top Guide als Printversion fortgesetzt und konzeptionell erweitert."
Verlagserbe Sebastian Ganske, als Geschäftsführer von 4Seasons Digital.Net für die Digitalaktivitäten des Hauses verantwortlich, kündigt an: "Das Angebot von Prinz.de wird sowohl qualitativ als auch quantitativ weiter wachsen. Wir werden erheblich mehr Termine als bisher veröffentlichen können und bieten damit dann kanaladäquat zukünftig auch eine eindrucksvoll bessere Abdeckung von deutlich mehr Städten."
Verleger Thomas Ganske zollte der Redaktion anlässlich einer kurzfristig anberaumten Mitarbeiterversammlung Respekt: "Persönlich und auch im Namen der Geschäftsführung möchte ich Chefredakteur Jörg Schumacher und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Redaktion und allen anderen Verlagsbereichen meinen Dank aussprechen. Herr Schumacher und die Redaktion haben neue konzeptionelle Wege beschritten und sind gemeinsam mit dem Verlag auch immer wieder mutig Wagnisse eingegangen. Unsere wirtschaftlichen Erwartungen wurden leider nicht erfüllt, aber es war richtig und wichtig, die finanziellen und ideellen Investitionen zu tätigen und Erfahrungen zu sammeln, denn beides ist auch Basis der jetzigen Neuausrichtung von Prinz." Offenbar hatte der Verleger in der Vergangenheit die Fortführung des gedruckten Magazins mehrfach gegen gegenteilige Empfehlungen von Branchenfachleuten durchgesetzt.
Doch alle Rettungsversuche scheiterten. Seit dem wohl kühnsten Relaunch Mitte 2011 spitzt sich die Lage dramatisch zu: So fanden sich in den drei bisherigen Quartalen 2012 nicht einmal mehr 20.000 Prinz-Interessenten am Kiosk, zusammen mit weniger als 30.000 Abonnenten hängt die harte Prinz-Auflage inzwischen bei unter 50.000 fest. Der Gesamtverkauf von weniger als 150.000 Exemplaren im zweiten und dritten Quartal sind ebenfalls die schwächsten Prinz-Werte seit dem Gründungsjahr 1989.

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