Triezt Apple Angestellte wie einst Schlecker?

Publishing Massive Kritik an den Arbeitsbedingungen in den deutschen Apple-Stores: Der Spiegel berichtet ausführlich über Missstände, die an ähnliche Recherchen über Aldi, Lidl oder Schlecker erinnern. So sollen die Angestellten überwacht, übermäßig getriezt und schlecht bezahlt werden. Pikant ist dabei, dass sich Apple stets größte Mühe gibt, sich als andere, bessere Firma darzustellen. Die Angestellten beginnen offenbar, sich zu wehren. Nach München gründete sich jetzt auch in Frankfurt ein Betriebsrat.

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Die Vorwürfe des Spiegels lassen sich knapp zusammenfassen: Die Mitarbeiter sollen ständig Überstunden machen müssen, stehen unter einem besonderen Leistungsdruck und sollen einem sehr hohen Lärmpegel ausgesetzt sein. Die Folge seien unter anderem Tinnitus-Erkrankungen.
Auch die Bezahlung der Mitarbeiter wird kritisiert. So sollen die deutschen Kollegen kein Tarifgehalt bekommen. Urlaubs- und Weihnachtsgeld gibt es nicht. Zudem sollen die Arbeitsverträge keine Beteiligung der Mitarbeiter an denen von ihnen erbrachten Einnahmen beinhalten. Intern wird die Performance eines Verkäufers offenbar an seinen Umsatz und vor allem seiner Fähigkeit gemessen, den Kunden kostspielige Zusatzgarantien und Schulungen zu verkaufen.
Viele Mitarbeiter scheinen ein Motivationsproblem zu haben. Denn immerhin sorgen sie mit ihrem Engagement für Rekordgewinne, sehen ihre Leistung dabei aber nicht genug gewürdigt. Das geht allerdings nicht nur den deutschen Kollegen so. Bereits im Sommer rechnete die New York Times vor, dass Apple seinen Shop-Beschäftigten im Durchschnitt 25.000 US-Dollar im Jahr zahlt, dafür aber Jahreseinnahmen von 473.000 US-Dollar pro Person verbuchen könne.
Trotzdem macht – zumindest den US-Mitarbeitern – die Arbeit auch Spaß. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage des Magazins 9to5Mac unter den amerikanischen Verkäufen. Weiter geben sie an, dass sie zu wenig verdienen und dass die Verkäuferschulungen erstklassig seien. Spaß macht die anstrengende Arbeit vor allem wegen der tollen Kollegen und den meist freundlichen Kunden. In Sachen Freundlichkeit spricht der Spiegel allerdings auch von einer "Diktatur der guten Laune".
Eine Besserung der vermeintlich problematischen Arbeitsbedingungen versprechen sich viele deutsche Angestellte nun von den ersten Betriebsräten, die gerade hierzulande entstehen. In der Münchner Filiale gibt es bereits seit dem Frühjahr eine Arbeitnehmervertretung. Ein weitere soll im Dezember in Frankfurt folgen. Insgesamt gibt es zur Zeit zehn Filialen in Deutschland. Eine Elfte wird bald in Berlin eröffnet. Unklar ist zur Zeit, ob und wann ein Gesamtbetriebsrat für alle Stores in Deutschland folgt.
Bitter stößt es den Verkäufern laut Spiegel allerdings auch auf, dass es für sie nicht immer ganz einfach ist, selbst an die Apfel-Produkte heranzukommen. Denn das Unternehmen gebe keine standardisierten Mitarbeiterrabatte. So soll es für Neugeräte einen Nachlass von 12 bis 27 Prozent geben. Ausgenommen sind die iPhones. Diese muss sich jeder Apple-Beschäftigte zum vollen Preis selbst kaufen.

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