Neuer Talk: Spitzenpolitik boykottiert Raab

Fernsehen Noch ist unklar, welche Auswirkungen das Einladungs-Hickhack tatsächlich auf die Reputation des neuen Raab-Talks hat. Klar ist allerdings, dass die Gästeliste nach der Altmaier-Absage und Beck-Ausladung kräftig an Glanz verloren hat. Als Ersatz für den Bundesumweltminister, der verstimmt seine Zusage revidierte, springt nun Michael Fuchs, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU ein. Außerhalb vom Berliner Politikbetrieb werden nur die wenigsten Zuschauer den konservativen Politiker kennen.

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Als weitere Gäste begrüßt Raab wie bereits bekannt Thomas Oppermann (SPD, erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion), Wolfgang Kubicki (FDP, Fraktionsvorsitzender im Schleswig-Holsteinischen Landtag), Jan van Aken (Die Linke, stellvertretender Parteivorsitzender) und die Unternehmerin Verena Delius.

Nach der Berichterstattung der vergangenen Tage ist Raab nun bemüht, der Diskussion um seine Premieren-Gäste die Schärfe zu nehmen "Bei uns knüpft kein Gast sein Erscheinen an irgendwelche Forderungen, und die Besetzung ist natürlich eine rein redaktionelle Entscheidung", sagt der Moderator der taz.

Altmaier hatte sein Kommen abgesagt, weil er unter anderem der TV-Redaktion unprofessionelles Verhalten vorwarf und sich die Situation geändert hätte. "Ich habe ursprünglich zugesagt, weil die Energiewende das Thema der Sendung gewesen ist und ich grundsätzlich Chancen nutze, das zu vertreten", zitiert Spiegel Online den Umweltminister. Der CDU-Politiker soll sich gleich doppelt geärgert haben.

Zum einen widersprach er bereits am Mittwoch Berichten, nach denen der Grünen-Politiker Volker Beck auf seinen Wunsch hin wieder ausgeladen worden sei. Becks Büroleiter hatte gesagt, dass Raabs Produktionsfirma genau dies als Grund für die Ausladung angegeben hätte. Daraufhin twitterte der CDU-Politiker: "Die Behauptung ist schlicht falsch. Ich bin mit Volker Beck befreundet, war mit ihm in vielen Talkshows und werde das gerne auch wieder tun."

"Nach den unzutreffenden Darstellungen der letzten Tage, wonach Herr Altmaier angeblich auf der Ausladung eines der Teilnehmer bestanden hätte, sehen wir zu unserem Bedauern keine Basis mehr für eine Teilnahme an dieser Sendung am kommenden Sonntag", konkretisiert Altmaier-Sprechers Dominik Geißler gegenüber dem Handelsblatt.

Gegenüber der taz sagte Raab nun, dass er in seiner Talksendung "immer eine möglichst interessante Gesprächsrunde zusammenstellen" wolle. Da würden "wie in jeder Redaktion auch mal kurzfristig Konstellationen geändert oder über den Haufen geworfen".

Die Änderungen haben leider dazu geführt, dass die Attraktivität der Gäste erheblich gelitten hat. Dabei gehört das neue Talk-Format sicherlich zu den wohl spannendsten TV-Experimenten des TV-Jahres. Die Regeln für den neuen Polit-Talk sind denkbar einfach: Vier bis fünf Gäste diskutieren zu drei bis vier aktuellen Themen. Die Gäste werden überwiegend Politiker sein, aber auch Prominente und "Normalos" sollen ab und an eine Bühne bekommen. Nach jeder Runde stimmen die Zuschauer via Telefon oder SMS ab, welcher Politiker mit seinen Argumenten am meisten überzeugt hat. Das Fiese dabei: Nach der zweiten Runde scheidet der Teilnehmer aus, der die wenigsten Stimmen bekommen hat. Reißt ein Politiker die Fünf-Prozent-Hürde, wird es besonders gemein: Dann muss er sitzen bleiben, darf aber nicht mehr mitreden. Die TV-Macher halten Schweigen für die wohl härteste Strafe, die einem Politiker zuteil werden kann.

Wichtigster Baustein des Show-Konzeptes ist jedoch der Gewinn von 100.000 Euro. Holt einer der Talk-Teilnehmer am Ende der Sendung die absolute Mehrheit, erhält er das Preisgeld. Scheitern alle Diskutanten, fließt die Gewinnsumme in den Jackpot.

Bei der aktuellen Kandidaten-Konstellation haben die bekanntesten Akteure Oppermann und Kubicki wohl die besten Chancen, das Preisgeld zu gewinnen. Was dann passiert, hat Stefan Raab bereits in der ersten Ankündigung zu seiner neuen Talk-Show verraten. So sagte er dem Spiegel, dass derjenige, der "bei uns 100.000 Euro abräumt",im Berliner Betrieb doch "zwei Wochen lang King of Kotelett" sei.

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