Dapd: Auch französische Agentur vor Pleite?

Publishing Bei der Agenturgruppe dapd zeichnen sich kurz vor dem Auslaufen des Insolvenzgeldes der Bundesagentur für Arbeit harte Kürzungen ab: Nach Spiegel-Informationen soll der erst vor kurzem teuer aufgebaute Sportdienst "weitgehend" geschlossen werden. In Frankreich, wo die dapd-Gründer Peter Löw und Martin Vorderwülbecke ebenfalls eine starke Agentur aufbauen wollten, steht der große Knall noch bevor: Die Agentur SIPA steht vermutlich vor tiefgreifenden Veränderungen.

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Der französische Medienjournalist Michel Puech ("Le journal de la photographie") berichtet auf seiner Website über eine angekündigte Mitarbeiterversammlung bei der französischen Nachrichtenagentur SIPA am Montag. SIPA gehört zur dapd-Holding, die kürzlich in HQTA umgetauft worden war. Dort sind die nicht-zahlungsunfähigen Firmen der Agenturgruppe gebündelt. Löw und Vorderwülbecke hatten zunächst die defizitäre Bildagentur SIPA Press gekauft und dazu den französischen Dienst der Agentur AP. Die französische Agentur sollte langfristig zu einem Rivalen für AFP aufgebaut werden, allerdings nicht in dem in Deutschland eingeschlagenen extrem personalkostenintensiven Tempo.

SIPA steht nun aber vor tiefgreifenden Veränderungen. Das Spektrum der Spekulationen reicht von einem Verkauf über einen Stellenabbau bis hin zur Anmeldung der Zahlungsunfähigkeit. Letzteren Weg musste zuvor die dapd Nachrichtenagentur in Deutschland beschreiten. Dafür könnte sprechen, dass bei einer Führungsrunde am vergangenen Freitag die deutschen Chefs der SIPA Press, Ulf Schmidt-Funke und Katharina Doerk, von ihren Ämtern zurücktraten. Sie sind gleichzeitig Chefs der profitablen Tochteragentur ddp images. Von den Rücktritten berichtet wiederum Michel Puech. Déjà vu: Auch in Deutschland traten die Geschäftsführer Martin Vorderwülbecke und Cord Dreyer unmittelbar vor Anmeldung der Insolvenz zurück.

Käme es auch in Frankreich zur Pleite, dürfte klar sein, dass die früheren Agentur-Großinvestoren Löw und Vorderwülbecke endgültig den Rückzug aus der Medienbranche antreten. Unter lautstarken Schmährufen, denn wie in Deutschland sollen auch französische Mitarbeiter den Tag verfluchen, an dem sie sich auf die beiden Manager eingelassen haben. SIPA-Chef Olivier Megean soll bereits vor zehn Tagen in München gewesen sein, um Gespräche mit den Eigentümern zu führen, schreibt Puech. Auch in Frankreich hofft die Belegschaft nun auf einen Investor. Denkbar sei ebenfalls ein Management-Buyout.

Der Journalist Puech kolportiert in seinem Bericht zudem ein Gerücht, dass auch in Deutschland verbreitet wird, aber bisher nicht belegbar ist. Demnach hätten sich Löw und Vorderwülbecke über ihr geplatztes Agenturgeschäft zerstritten. Wie MEEDIA bereits vor einigen Wochen berichtete, steht es auch bei anderen Investments ihrer gemeinsamen Firma BluO (u.a. Adler Modemärkte) nicht zum Besten. Mehrheitsgesellschafter der dapd-Holding ist Peter Löw, sein Kompagnon Martin Vorderwülbecke vertrat die Agenturgruppe dafür stärker nach außen. Ob und wie viele Anteile Vorderwülbecke noch hält, ist unklar.

Durch die Schließung des deutschen Sportdienstes sollen nun 2,5 Millionen Euro Kosten im Jahr gespart werden, schreiben die Spiegel-Kollegen. 30 Mitarbeiter sollen betroffen sein. Ursprünglich hatte der ehemalige dapd-Chef Cord Dreyer angekündigt, bis zu 60 Mitarbeiter einstellen zu wollen. Die Trennung vom Sportdienst ist ein erstes, aber auch nicht überraschendes Signal, wie die neue dapd-Führung um den Insolvenzfachmann Wolf von der Fecht die Zukunft für die Agentur plant. Die Sportberichterstattung war ursprünglich gar nicht geplant gewesen, wurde dann aber auf Wunsch der Eigentümer aufgebaut.

Am Freitag hatte sich in Berlin nach MEEDIA-Informationen der Gläubigerausschuss der dapd getroffen. Ergebnisse waren aber bisher den Mitarbeitern nicht mitgeteilt worden. Sport-Mitarbeiter hat die Meldung am Sonntag unvorbereitet getroffen, heißt es in der Berliner Zentrale. Um so unglücklicher, dass die voraussichtliche Einstellung des Sportdienstes nun vom Spiegel verbreitet wurde. Dem vorübergehenden Geschäftsführer Fecht und seinem Team bleiben nun weniger als drei Wochen, um ein tragfähiges Überlebenskonzept für die deutsche Agentur vorzustellen.

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