Bad-Boy Florian Homm als Medien-Darling

Publishing Der legendär windige und vielfach gesuchte Fondsmanager Florian Homm ist wieder auf der Bildfläche aufgetaucht. Gleich vier Top-Medien haben den Mann aufgespürt und ihm eine Lebensbeichte in Interviewform entlockt. Ob das was damit zu tun hat, dass Homm auch gerade PR für sein Buch machen will? Und sonst: Bild.de verstört mit einer seltsamen Web-Show zu US-Wahl, die ARD schickt den “Weltspiegel”-Moderator um die halbe Welt und bei Burda spielt Print nur noch zweite Geige.

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Ganz schön geheimnisvoll und exklusiv, was unsere Lieblings-Leitmedien in dieser Woche da so investigativ ausgegraben haben. Da hat die FTD es doch tatsächlich geschafft, den lange gesuchten und legendär skrupellosen Fondsmanager Florian Homm aufzuspüren und zu einem Interview zu bewegen. War anscheinend nicht leicht. Zitat: “Zuerst weigert er sich noch, mit der FTD zu sprechen. Warum soll er das erste Interview nach fünf Jahren im Untergrund ausgerechnet mit denen führen, die den ganzen "Bullshit" losgetreten haben, weil sie als Erste über die Kopfgeldjagd auf ihn berichtet und damit sein Leben im Exil gefährdet haben? "No way!"” Aber dann “besinnt er sich” und will doch mit der FTD über seinen Wandel vom Saulus zum Paulus reden. Oder der Stern. Der hat es diese Woche tatsächlich geschafft, den lange gesuchten und legendär skrupellosen Fondsmanager Florian Homm auszuspüren und zu einer “Lebensbeichte” zu bewegen. Zitat: “Per SMS von einem Prepaidhandy mit unbekannter Nummer werden wir zu einem Hotel in einer europäischen Hauptstadt gelotst. Als wir am Treffpunkt aus dem Taxi steigen, geht es mit einem Vertrauensmann weiter – zu einem ganz anderen Hotel.” Man muss diese Sicherheitsvorkehrungen verstehen. Dieser Homm ist ja ein ganz rarer Interview-Geber. So einen bekommt nicht jeder mir nix dir nix zum Gespräch, weil der etwa ein Buch promoten wollte oder so. Und die Süddeutsche Zeitung erst. Die hat es tatsächlich geschafft, den lange gesuchten und legendär skrupellosen Fondsmanager Florian Homm auszuspüren und zu einem Interview zu bewegen. Die Zeitung hat “den echten Homm” ans Telefon bekommen. Chapeau! Spiegel Online hat seinerseits geschafft … sie ahnen es wohl schon. Zitat aus der Homm-Story bei SpOn: “Beim Interview sind die Sicherheitsvorkehrungen gewaltig. Nichts überlässt Homm dem Zufall. Als der Zwei-Meter-Mann den Raum betritt, kann er sicher sein, dass der Journalist keine Wanzen dabei hat – und dass er nicht weiß, wo Homm gerade herkommt oder wohin er gleich wieder verschwinden wird.” Unser Tipp: Er kommt von einem Interview und verschwindet zum nächsten Interviewtermin, um weiter die Werbetrommel für sein Buch zu rühren. Vielleicht hat Herr Homm sich ja Bettina Wulff als PR-Beraterin genommen – wer weiß …

Die US-Wahlen sind vorbei aber die Verstörung über die US-Wahl-Show bei Bild.de hält noch Tage später an. Ich weiß gar nicht, was den eigentümlichen Effekt dieser missglückten Web-TV-Endlossendung ausmachte? Die sterile Kulisse? Das kindische Geplänkel zwischen den beiden Journalisten Nikolaus Blome und Claus Strunz? Wahrscheinlich war es der ganz und gar unwitzige Auftritt eines armen Komparsen in selbst-zusammengetackertem Bibo-Kostüm, der sogar Bild-Chefredakteur Kai Diekmann im fernen Palo-Alto-Exil zu der einen oder anderen Twitter-Lästerei animierte.

Dann doch lieber “richtiges” Fernsehen, obwohl auch dort mancher Auswuchs zu besichtigen war. So war die US-Wahl für einige Vertreter des öffentlich-rechtlichen Qualitäts-TV willkommener Anlass in den Flieger zu springen und nach Amerika zu jetten. Claus Kleber vom ZDF war besonders eifrig in Washington unterwegs. Immerhin aber  interviewte Kleber ständig Leute und twitterte sogar ein bisschen. Michael Strempel, Moderator des ARD-”Weltspiegel” düste auch in die USA und lief in Washington ein bisschen in den Straßen rum. Er moderierte aber nur Beiträge an und interviewte schließlich die ARD-USA-Korrespondentin Tina Hassel. Moment mal – sollten nicht eigentlich die Korrespondenten dafür vor Ort sein, um Menschen aus dem jeweiligen Land selbst zu interviewen und nicht um herbeigeeilten Kollegen Interviews zu geben? Müssen wir wohl etwas falsch verstanden haben.

Daheim in Berlin tagten die Zeitschriften-Verleger und redeten viel vom üblichen “Google ist böse”- und “Qualität”-Einerlei. Verleger Hubert Burda stellte nebenbei noch sein Buch über seine Zeit als Chefredakteur der Bunten vor und verriet der Zeit im dazugehörigen Interview, dass sein Verlag in Deutschland nur noch 25 bis 30 Prozent des Umsatzes mit Print mache. Den Rest steuerten digitale Aktivitäten wie das Karriere-Netzwerk Xing oder die Bewertungsplattform HolidayCheck bei. Parallel erzählte sein Zeitschriften-Vorstand Philipp Welte der Horizont, dass 2012 knapp 50 Prozent der Gesamt-Erlöse digital erwirtschaftet werden würden. Deutschlandweit 70 bis 75 Prozent Digital-Anteil an den Erlösen, konzernweit 50 Prozent. Das ist in der Tat sehr beeindruckend. Schade, dass Burda als Privatunternehmen seine Bilanz nicht detailliert veröffentlicht. Gerne hätte man genauer gewusst, wie genau diese bemerkenswerten Zahlen zustande kommen.

Zu guterletzt noch das Video-Fundstück der Woche, diesmal beigesteuert von meinem Kollegen Andreas Grieß (@youdaz), das einerseits zeigt, dass die “Harald Schmidt Show” früher richtig gut war und das belegt, dass man bei der FAZ auch mal ganz schön crazy sein kann …
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Schönes Wochenende!

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