Wie Facebook Medien-App-Anbieter gängelt

Publishing In letzter Zeit die Wörter "automatic", "instant“ oder „auto-share“ in einer Pressemitteilung über eine Facebook-App gelesen? Wenn ja hat das entsprechende Unternehmen massiv gegen die neuen PR Guidelines von Facebook verstoßen. Das soziale Netzwerk hat Entwicklern nämlich nun vorgegeben, welche Begriffe auf keinen Fall verwendet werden dürfen, und was groß und was klein zu schreiben sei. Um ganz sicher zu gehen, möchte Facebook aber vorher ohnehin jede Pressemitteilung gegenlesen.

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Dass Facebook nicht will, dass man das soziale Netzwerk als Partner angibt oder seine Pressemitteilung so formuliert, als ob Facebook aktiv beteiligt sei, ist soweit noch verständlich. Mit den "Developer PR Guidelines", die Facebook in seinem Newsroom veröffentlicht hat, ist das soziale Netzwerk aber weit über das Ziel hinausgeschossen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Dienst alle Pressemitteilungen und auch Blogposts zu neuen Apps vorher gegenlesen und freigeben möchte.
Per E-Mail soll man den eigenen Entwurf an das Facebook-PR-Team senden und warten. Bevor es keine schriftliche Bestätigung von Facebook gibt sei eine Veröffentlichung unzulässig. Die Bestätigung gebe es innerhalb von fünf Werktagen.
Angesichts einiger verwirrender Vorgaben mag das schon fast notwendig sein. Doch es stößt verständlicher Weise nicht gerade auf Gegenliebe bei den Entwicklern von Facebook-Applikationen… entschuldigung, von Facebook-Apps natürlich. Applikation soll man laut den "Facebook Developer PR Guidelines" nämlich auf keinen Fall schreiben. Tabu sind auch die Ausdrücke "Open Graph" oder – ganz gefährlich – "user". Stattdessen möge man doch bitte "people" oder "Facebook members" schreiben.
Und dabei sei bitte darauf zu achten, Facebook groß zu schreiben. Nein, Stopp: Es geht auch klein. Aber "Page" (auf keinen Fall übrigens "Fan Page") muss groß, "timeline" jedoch klein, ebenso wie "social plugins", wohingegen "Like" immer groß geschrieben werden sollte, jedoch niemals in Anführungsstrichen, also Like nicht "Like" und auch nicht like und demnach schon gar nicht "like".
Im Gegenzug schlägt Facebook den Entwicklern von Applikationen… von Apps natürlich… einige Wendungen vor, die man nutzen sollte. "Social" ist da hoch im Kurs, "share" ebenso und "tell your story". Und "control" – auch wenn nicht vorgegeben wird, wer wen kontrolliert. Wobei: so ein bisschen schon. In den Formulierungsvorschlägen findet sich der Satz:
"When people choose to add [App] to their timeline, they have full control over what information they share with their friends" 
Zu deutsch: "Wenn Leute sich entscheiden, die [App] zu ihrer timeline hinzuzufügen, haben sie volle Kontrolle darüber, welche Informationen sie mit ihren Freunden teilen."
Wer kopiert so was nicht gerne in seine Pressemitteilung? Andererseits: So ganz auf aus den Guidelines kopieren steht man bei Facebook wohl nicht, denn die Datei wirft in dem Fall netter Weise eine Haufen Sonderzeichen anstelle von Leerzeichen aus. Aber "frictionless sharing" ist ja auch ein Tabuwort. Also in sich wieder schlüssig das Ganze. Also dann: Daumen hoch und ein fettes "like". Also Like.

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