Web-Profile: Instagram wird facebookisiert

Kurswechsel bei der extrem beliebten Foto-App Instagram, die im April für rund eine Milliarde Dollar übernommen wurde: Facebook bringt seine Startup-Tochter nun auf den Desktop. Und das mit Web-Profilen, die extrem an Facebooks eigene Timeline erinnern: Ein großes Aufmacherbild bestehend aus einer Fotocollage, Basisangaben zum Mitglied und dann weitere Bilder – so sieht das Nutzerprofil aus, das schon in den nächsten Tagen im Web unter instagram.com/username zu finden sein wird. Die Presse reagiert ambivalent.

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Kurswechsel bei der extrem beliebten Foto-App Instagram, die im April für rund eine Milliarde Dollar übernommen wurde: Facebook bringt seine Startup-Tochter nun auch auf den Desktop. Und das mit Web-Profilen, die extrem an Facebooks eigene Timeline erinnern: Ein großes Aufmacherbild bestehend aus einer Fotocollage, Basisangaben zum Mitglied und dann weitere Bilder – so sieht das Nutzerprofil aus, das schon in den nächsten Tagen im Web unter instagram.com/username zu finden sein wird. Die Tech-Presse reagiert ambivalent.

Instagram verliert seine Unschuld. Rund ein halbes Jahr nach der Übernahme durch Facebook, die durch den Kursverfall des Social Networks deutlich unter die Milliardengrenze gefallen ist, erreicht die bislang beliebte Mobile-only-Photo-App das klassische Internet.

Im Unternehmensblog kündigte die Facebook-Tochter den Schritt so an: "Ihr habt nach Instagram im Web gefragt, und wir haben Euch erhört. In den nächsten Tagen rollen wir die Instagram-Profile im Internet aus." Zu finden sein werden die registrierten 100 Millionen Nutzer künftig unter instagram.com/username.

"Willkommen in der neuen Instagram-Ära präsentiert von Facebook"

Das Nutzer-Profil erinnert auf den ersten Blick schlagartig an Facebooks Timeline: Ein überdimensionaler Header im Querformat zieht den Löwenanteil der Aufmerksamkeit sofort auf sich. Darunter, ganz wie beim weltgrößten Social Network: Ein kleines Profilfoto in Passbildgröße auf der linken Seite, daneben Kurz-Infos und Kästen zu den bisher veröffentlichten Bildern und Followern.

Es folgen Bilder in chronologischer Reihenfolge, die bei einem Klick wiederum die Interaktion mit den Followern – also Kommentare und Likes – neben dem großformatigen Foto abbilden. "Willkommen in der neuen Instagram-Ära, die Ihnen von Facebook präsentiert wird", sieht auch das Tech-Blog All Things Digital sofort die Motivation hinter dem Relaunch.

Unternehmensgründer Kevin Systrom gibt den unterschwelligen Druck der neuen Mutter freimütig zu: "Facebook hat deutlich gemacht, wie wichtig es ist, ein Online-Profil zu haben, und wie man effektiver miteinander kommunizieren kann, wenn man einen Überblick über die digitale Identität eines Nutzers besitzt", erklärte Systrom gegenüber dem Blog-Ableger des Wall Street Journals.
 
Tech-Szene gespalten: "Der Anfang von Instagrams Ende"

Ein anderer Vordenker des Silicon Valley ist unterdessen sehr angetan vom Schritt in die Web 1.0-Ära: "Es erstaunt mich, dass dieser dynamische Überblick des eigenen Lebens vielleicht noch überzeugender ist als Facebooks Timeline, weil es so einfach ist. Jeder versteht Bilder", ist TechCrunch-Autor und Risikokapitalgeber MC Siegler begeistert.

Damit dürften allerdings auch gleich wieder Datenschützer alarmiert werden: War Instagram bisher lediglich eine App für die mobile iPhone- und später auch Android-Community, die sich auf dem Smartphone auf Freundeslisten durchklickte, sind plötzlich alle Bilder für alle Internet-Nutzer auf dem Desktop sichtbar geworden – es sei denn, man hat sein Profil als "privat" gemeldet und separate Nutzungsrechte vergeben. Die Datenschutzproblematik kommt einem schlagartig von Facebook bekannt vor.

Ein anderes Facebook-Problem sieht unterdessen der Vermögensverwalter Eric Jackson: "Das ist der Anfang vom Ende", watscht Jackson den Schritt Richtung Mainstream ab. Gleichfalls bewertet der Fondsmanager, der die Tech-Szene für das Forbes Magazine beobachtet, die Ankündigung eines Foto-Dienstes von Twitter als kritisch. Die eigentliche Frage dürfte jedoch sein, wie der die Öffnung zum klassischen Internet von den 100 Millionen Nutzern angenommen wird – als logische Weiternetwicklung oder als Schritt in den Mainstream.

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