„Tag der Norddeutschen“: die NDR-Zeitkapsel

Fernsehen Samstag zeigt der NDR von 6 bis 24 Uhr den "Tag der Norddeutschen". Darin wird das Leben von 121 Personen an einem normalen Tag portraitiert. Am 11. Mai zeichneten etwa 100 Kamerateams für den NDR 700 Stunden Rohmaterial auf. Die Sichtung und der Schnitt brauchten Monate. Das Ergebnis beeindruckt. Entstanden ist ein eindrucksvolles Porträt des Nordens und der dort lebenden Menschen oder eine "faszinierende Zeitkapsel", wie Regisseurin Franziska Stünkel ihr Werk nennt.

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Sie begeistere vor allem die "Faszination von Vielseitigkeit und Gleichzeitigkeit", wie Stünkel berichtet. Und davon gibt es in 18 Stunden Programm am Samstag einiges zu sehen. Quer über das Gebiet des NDR verteilt, also Niedersachen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, sowie die Stadtstaaten Hamburg und Bremen wurden im Mai verschiedenste Menschen einen tag lang begleitet. Das Ziel: Zu zeigen, wie ein ganz normaler Tag im Norden aussieht, wie unterschiedlich die Tagesabläufe sein können und wie bestimmte Ereignisse dennoch das Leben aller im Norden beeinflussen. Jeder Zuschauer soll zudem die Möglichkeit erhalten, sein eigenes Leben in Bezug zu den Protagonisten des Tag der Norddeutschen zu setzen.
Unter den 121 Portraitierten sind auch bekannte Gesichter: Karl Dall und Carlo von Tiedeman werden ebenso begleitet, wie Giovanni die Lorenzo. Die Promis sind aber klar in der Unterzahl. Nur etwa ein Duzend der Charaktere gehören dazu. Für die restlichen Posten konnten sich bereits im Herbst 2011 die Zuschauer, Hörer und Leser von NDR und Radio Bremen bewerben. Mehr als tausend Leute wollten dabei sein. Im Internet konnten die Nutzer daher mitbestimmen, wer portraitiert werden soll. 
Das Projekt beschäftigt den NDR also bereits seit einiger Zeit. Inklusive Planung habe man zwei Jahre gearbeitet, berichten die Produzenten. Möglich geworden ist die bislang größte Produktion des NDR-Fernsehens auch durch die Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma TV Plus. Insgesamt sind etwa 400 Personen an der Umsetzung beteiligt gewesen. 700 Stunden Rohmaterial wurden im Mai aufgezeichnet. Sieben Editoren und Regisseurin Franziska Stünkel haben das Material letztlich mit vielen Sichtungen und mit der Unterstützung der Autoren, die am Drehtag vor Ort waren, auf 900 Minuten verdichtet. Drei Monate brauchte allein der Rohschnitt, ab August konnte mit dem Feinschnitt begonnen werden. 
Über die Kosten das Projekts will man auf Seiten des NDR nichts Genaues sagen, gibt aber zu dass diese "nicht unerheblich" gewesen seien. Die Verantwortlichen geben aber auch zu bedenken, dass viel des entstandenen Materials noch für andere Zwecke verwendbar sein wird. Um die Ausstrahlung des "Tag des Norddeutschen" möglich zu machen, wurde fast der gesamte Sendetag freigeräumt. Nur wenig des normalen Programms an einem NDR-Samstag wird ausgestrahlt, Dafür habe man intern ein wenig Überzeugungsarbeit leisten müssen, heißt es. Die Verantwortlichen hoffen nun auf reges Zuschauerinteresse. Genaue Ziele will man nicht ausgeben, jedoch sei man zuversichtlich, dass der Zuschauerschnitt am 10. November über dem liege, was der Sender für gewöhnlich an einem Samstag erreicht. 
Zu sehen sein werden für alle, die einschalten, sowohl Tod, im Rahmen einer Seebestattung, als auch Leben, in Form von zwei Geburten. Auch eine offene Herz-OP gehört zum Programm. Doch auch einfache und alltägliche Dinge wie der Schulweg finden Raum. "Mein Wunsch war es, dass wir diesen Tag mit den Augen der mitwirkenden Menschen sehen, so persönlich wir möglich. Deswegen haben wir entschieden, dass die Menschen im Film ausschließlich in ihren eignen Worten von sich erzählen, mit ihren Stimmen und in ihren Stimmungen", sagt Regisseurin Franziska Stünkel. So sei ein Porträt entstanden, das die Vielfalt des Nordens aufzeige. Stünkel nennt den Beitrag auch eine "faszinierende Zeitkapsel". 
Doch im Laufe des Tages wird nicht nur Material aus dem Frühjahr zu sehen sein. Hinnerk Baumgarten wird den gesamten Tag live in einem eigens eingerichteten Studio begleiten. In jeder Stunde wird er für fünf bis fünfzehn Minuten mit Menschen begrüßen, die am Drehtag begleitet wurden und mit ihnen über die Geschehnisse und das, was sich seitdem zugetragen hat, reden. Und so besteht der Tag der Norddeutschen eigentlich aus zwei Tagen: Dem porträtierten 11. Mai und dem Sendetag.

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