NYT-Blogger sagte US-Wahlergebnis voraus

Publishing Es war kein epischer, aber ein deutlicher Sieg für Amtsinhaber Barack Obama. Glaubte man den Schlagzeilen vieler Traditionsmedien dies- und jenseits des Atlantiks, sah es lange Zeit nach einem "Herzschlagfinale in Amerika" aus. "Herzschlagfinale"? Tatsächlich war die US-Wahl längst gelaufen, bevor sie ausgezählt wurde, hatte sich der US-Blogger Nate Silver im Vorfeld festgelegt. Das Statistik-Hirn der New York Times, das Meinungsforscher wie aus dem 20. Jahrhundert aussehen lässt, wird von US-Medien frenetisch gefeiert – erneut.

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Alle vier Jahre wieder jagt ein Großereignis das andere: Fußball-WM und EM, Olympia, und ja: Wahlen dies- und jenseits des Atlantiks. Besonders US-Wahlen haben es in sich: Da ist der Newsroom plötzlich nach Mitternacht rappelvoll, Eile und schnelle Schlagzeilen sind das Gebot der Stunde. Und so lesen sich die zusammengezimmerten Newshäppchen dann auch oft – wie aus der Phrasendreschmaschine gepresst.

Wer von der Wahl Obama gegen Romney nichts mitbekommen hat, dafür aber einen Blick auf Social Media-Kanäle schweifen ließ, konnte sich direkt ins Jahr 2000 zurück versetzt fühlen, als sich Al Gore und George W. Bush den Cliffhanger des Jahrhunderts lieferten.

Deutsche Medien twittern US-Wahl zum "Herzschlagfinale" hoch
Ein "Herzschlagfinale in Amerika" will das Twitter-Team von Focus Online gestern verfolgt haben. Muss eine andere Wahl gewesen sein. Bild Online munkelte kurz vor vier über einen "Zittersieg Obamas". Klingt nach Drama, wenn auch nach einem künstlichen. Und: "Es war ein knappes Rennen, eine dramatische Nacht", war im Twitter-Account von Spiegel Online zu lesen. Nein, liebe Kollegen, war es eher nicht.  

All das klingt nach ‚2000 reloaded‘. Die Wahrheit jedoch ist: Es war eine der langweiligsten und vorhersehbarsten Wahlausgänge der jüngeren US-Geschichte, und wer Nate Silver gelesen hätte, wusste das auch bereits vor der ersten Hochrechnung.

50 von 50 Bundesstaaten richtig vorhergesagt
Nate Silver?! So heißt der eigentliche Gewinner der amerikanischen Präsidentschaftswahl, der von US-Medien und Tech-Blogs nahezu frenetisch gefeiert wird. Wer ist der neue Popstar der Social Media-Szene? Dee 34-jährige Statistiker wertet nach Algorithmen die Wahlstimmung im Land aus und führt seit 2007 den extrem populären Blog FiveThirtyEight.com, an dem sich die New York Times 2010 die Rechte sicherte.

Mit gutem Grund: Silver sagte 2008 49 von 50 Bundesstaaten richtig voraus und wurde vom Time Magazine im Jahr darauf zu den 100 wichtigsten Menschen des Planeten gewählt. Es sieht aus, als habe sich Silver gestern noch mal selbst übertroffen und nun mit 50 von 50 richtigen Prognosen den absoluten Volltreffer gelandet. Das Ergebnis aus Florida steht noch nicht fest, aber Barack Obama dürfte der Sieg nicht mehr zu nehmen sein – und damit Silver der totale Triumph.

Henry Blodget feiert Super-Nerd: "NATE SILVER GEWINNT"
Die Liebe zu den Zahlen entdeckte der Statistik-Guru, dessen Bestseller "The Signal and the Noise" gestern auf Platz zwei der Verkaufsrangliste bei Amazon schoss, beim Baseball. Aus den Performance-Daten der Vergangenheit leitet Silver Prognosen für die Zukunft ab – und verblüfft dabei immer wieder Experten.

Erst recht mit seinem sensationellen Blog FiveThirtyEight.com (in Anlehnung an die Anzahl der US-Wahlmänner), das vergangene Ergebnisse, Umfragewerte und die demografische Entwicklung miteinander verknüpft. Die Ära der TV-Experten, die nach Bauchgefühl den Wahlausgang vorhersagen wollten, sei nicht genauer "als ein Münzwurf", nimmt Silver die Mainstream-Medien auseinander. Das US-Blog Mashable adelte ihn daraufhin gestern zum "Super-Nerd".

Die Wahlnacht hätte man sich nach seinen Prognosen gänzlich  schenken können: Obamas Siegchancen liegen bei 90 Prozent, hat sich Silver im Vorfeld festgelegt – und damit vollkommen recht behalten. "NATE SILVER GEWINNT" feierte Henry Blodget den Statistik-Guro via Twitter in der Wahlnacht dann noch mehr als den neuen und alten US-Präsidenten.

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