Lanz-a-lot: Markus und die Medien

Fernsehen Lanzauf, lanzab kommentiert die deutsche Medienlanzschaft seit Wochen die Bewegungen um "Wetten, dass..?". Im Zentrum des Interesses: Moderator Markus Lanz, 43. Kritiker und Fans polarisieren die Auseinandersetzung. Zeitungen, Online-Medien, wichtige und überflüssige Mediendienste nutzen für sich den Raum, den Thomas Gottschalks Nachfolger zu füllen begann. MEEDIA möchte dezent mit einigen nüchternen Aspekten die Lanzspielplatte anreichern. Auch uns interessiert er, der Markus. Aber sowas von.

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Medienmenschen trennen Wichtiges von Unwichtigem manchmal in eigenwilliger Art und Weise. Nur wenige Leser und Zuschauer können Ernst, Bedeutung und Hartnäckigkeit der Argumentationen zu unterschiedlichen Themen wirklich nachvollziehen. In der Wahrnehmung des Neustarts von "Wetten, dass..?" mit Moderator Markus Lanz und den Medien-Reaktionen darauf ging es uns ähnlich.  Stoff für eine ernste Kritik? Jubel? Einen Abgesang? Eine Glosse? Nichts davon. Und alles. Ein wenig.
Mehrteiler Markus
Ach, es ist aber auch verrückt: Erst geht der Thommy bei "Wetten, dass..?". Dann findet man keinen Nachfolger, weil die Medienlanzschaft die außerordentliche Chance der Moderation des Formates als – aber sowas von! – schwierige Herausforderung aufbläst und niemand sich traut. Und während Kandidaten und übliche Verdächtige medial prophetisch durchgenudelt werden wie Mettwürste beim Metzger, wartet Stratege Lanz auf den geeigneten Moment und sagt zu. Götter und Herrscher des TV-Marktes wie "Pate" Stefan Raab gratulieren Markus zu seinem Mut, als habe er mit Angela Europa gerettet, im Blaumann mit Meister Altmaier Kernkraftwerke abgeschraubt, oder mit Kate Moss im Baströckchen den Hunger in der dritten Welt besiegt.
Und alle, die damals gedacht haben mögen, sie seien irgendwie in einem falschen Film, erfahren nun: Es ist ein Mehrteiler.
Lanz legte los, und zwei Sendungen genügen: Kritiker, Befürworter und Trittbrettfahrer tauschen Eindrücke aus, kämpfen, erregen sich oder mimen bedachte Differenzierung. Das übergreifende Motto:
"Bewahren Sie Spaltung!"
Dafür, dagegen, dazwischen?
Aus Unterstützer-Lagern raunen Eingeweihte, das ZDF habe mit seiner "Lanz-a-lot-Strategie" auf das richtige Pferd gesetzt. Der graumelierte Ex-Funker des italienischen Heeres sei mehr, als nur eine billige Max-Giermann-Kopie: In seiner Kochsendung "Lanz locht" böte Markus auch jenen TV-Junkies Unterhaltung, die bis heute vergeblich darauf warten, dass Wettbewerberin ARD endlich damit beginne, in der Tagesschau zu kochen. Markus selbst könne eben nicht nur Sackhüpfen, sondern habe in seiner Talk-Show mit dem innovativen Titel "Markus Lanz" seit Jahren bewiesen, dass er durchaus verbal auch andere Säcke hüpfen lassen könne.
Die Kritik am Format und seinem schmucken Kapitän könne man nicht verstehen: Dreieinhalb Stunden Premium-Unterhaltung bei "Wetten, dass..?" böten Wellness für jene Zuschauer, die nach dem Stress endlos langer Wochenendeinkäufe beruhigt vor dem Empfangsgerät einnicken wollten. Zielgruppen, die abendliches Ayurveda für sich ebenso ausschlössen, wie spontanes Töpfern in der Toskana, vorweihnachtliches Adventsbasteln mit angeschlagenen Seniorinnen oder den beschaulichen Paintball-Wettstreit mit Jung-Nazis, hätten bereits jetzt das Format "lanz tief drinnen angenommen".
Lanz selbst habe eben nicht nur "die Haare schön", sondern führe adrett als schmucker Moderator durch Stunden, die erst durch seine Hilfe den Namen Feierabend wirklich verdient hätten. Und Henker Hanks sei ohnehin nicht ernst zu nehmen. Da gäbe man einem betagten US-Mimen Sekt und Promo-Bühne für seinen neuen Kreisklassen-Streifen – und dann das. Undankbar, die Amis.
Kritiker hingegen rüsten auf: Lanzer in medialen Schützengräben halten Markus-Fans entgegen, "Wetten, dass…?" sei lanzweilig wie lanzige Butter. Maximal. Der Italiener selbst wirke wie ein Lanzschwurch. Man müsse brechen, und zwar keine Lanze. Auch, wenn man – nach langen Gottschalk-Nachfolge-Diskussionen – durchaus die Erleichterung des trägen Senderschiffes verstehen könne: "Veronika, der Lanz ist da" – Parolen und ein paar Konzeptschrauben alleine genügten nicht.
Stellungnahmen von Befürwortern und Verantwortlichen gäben wenig Anlanz zur Hoffnung, sondern trügen aus Kritikersicht jene Färbung, mit der weiland Box-Trainer Manfred Wolke in der Ecke des Lanz-Klons Henry Maske seinen Schützling auf die Prügel Graciano "Rocky" Rocchigiani´s vorbereiten wollte: "Henry! Lanz ruhig. Et läuft!"
Markus würde, so hinter vorgehaltener Hand einige Kritiker, wachsendem Druck keinesfalls standhalten können: Selbst Pharmaziewunder Lanz Armstrong schaffte die Berge der Tour nicht lanz ohne Unterstützung.
Nach zwei "Wetten, dass..?"-Sendungen bi-lanziert die Medienwelt aus Sicht zweier Extreme. Immerhin: Endlich ein Medienthema der letzten Wochen, dass die überflüssige Belästigung belanzloser US-Wahlen vergessen lanzen konnte – auch, wenn der Markus manchem Beobachter visuell ein wenig an den jungen Mitt Romney erinnert haben mochte.
Niemals geht man so lanz
MEEDIA wäre nicht Marktführer der Mediendienste, ignorierten wir die elementare Bedeutung des Themas. Nach wie vor bilden aus unserer Sicht große Samstagabend-Shows die Herzlanzgefäße von TV-Unterhaltung. Ob also "Wetten, dass..?" seine Zukunft auf gerontologischen Stationen eines Lanzarett´s findet, ob der graumelierte Strahlemann mit dem gebeugtem Lächeln eher als mediale Bettlanze oder TV-Bundeslanzler seine Zukunft gestalten kann, mag auch davon abhängen, welche Weiterentwicklungen des Formates weiterhin möglich werden.
Ob Lanzpomeranze Markus als Lanzwirt seine Fernsehfurchen auf einem betagten Lanz-Bulldog oder keck auf einem modernen Lanzrover zieht, ob seine Saat dem Sender also dauerhaft reiche Ernte bescheren kann, scheint derzeit noch offen. Den einen oder anderen Vorschlag steuern wir gerne bei:

Markus braucht für Lanz und Gloria der deutschen Medienlanzschaft keinen Wechsel des Genres. So raten wir von Rollen im Relaunch des Schinkens "Lanz und Elend der Kurtisanen" ab. In der Gestaltung der beschaulichen Couch-Wetten sehen wir durchaus Potential:
Thomas Gottschalks "Wetten, dass..?" – Sondersendung auf Mallorca, so finden wir, sollte künftig auf Lanzarote stattfinden. Durchaus könnten weiterhin kühne Sackhüpf-Wetten ihren festen Platz im Konzept erstreiten:
Markus etwa könnte zur Musik der Kastelruther Spatzen am Tretbass Eierlaufen für den Weltfrieden. Und eine Frisurenwette von Udo Walz, der die Frisuren von Barbara Schöneberger und Roooobert Geiss mit Wellaton, dem Stahlhelm aus der Dose, einnebelt, könnte von Roy Blechs musikalischem Reißer "Lanz in weiß, mit einem Rosenstrauß" ebenso untermalt werden, wie von Gerhard Wendlanz Senioren-Rap "Lanze mit mir in den Morgen".
Selbst der seit 83 Jahren betagte James Lanz könnte bei Bedarf musikalisch unterstützen, wenn Markus im Duett mit Linda de Mol "Lanz in Weiß" sänge und Bohlens braver Bläser Michael Hirte im Hintergrund rhythmisch seine Harp beblies:
Kein Firlelanz. Keine Lanzeweile mehr. Little-Lanz im Lerchenberg-Bolanza.
Vielleicht müsste man crossmedial die W-Lanz-Knoten progressiver nutzen, um über vorgealterte Lanzärzte hinaus durch Multilanzing das Internetz – und mit ihm junge Zielgruppen – nachhaltiger zu gewinnen. Vielleicht müsste Markus selbst hinter lauem Zahnarzt-Lächeln seine morbiden Facetten beleben, um Punker, Rocker oder Dissoziale aus Fußgängerzonen, Drogenspelunken, von Motorrädern oder Parkbänken auf Muttis Fernsehcouch zu beamen. Freak "Morbus Markus" als Rocker könnte durchaus junge Zuschauer erreichen. Lanz-Original Max Giermann etwa ist 2009 bei "World of Comedy" zusammen mit Sido aufgetreten. 
Diese Idee böte auch kreativen Raum für die Visagisten der Lanz-Maske: Betonten seine Lanzstreicher bislanz konventionelle Gestaltungselemente, könnte nun die Hülle von Markus um jenen morbiden Charme des Zerfalls bereichert werden, den Lanz in aktuellen Formaten bislang geduckt weglächeln musste.
Das ZDF mag verstanden haben: Das neue "Wetten, dass..?" wird kein Sprint. Es ist ein Lanzlauf: So kann es dauern, bis Zuschauer – mit wahrem, feuchtem Lanz in den Augen – ihren Samstagabend mit Mainzelmännchen Markus teilen. Sollten selbst Lanz-IV-Empfänger vom Wettbewerber RTL II zum GEZ-Gebührenschiff wechseln, genügen symptomatische Lanzbranntwein – Anwendungen dem Format nicht.
Lanzunter-Atlanzis-Prophezeiungen scheinen uns zu früh, und Kondolanzbesuche auf dem Lerchenberg müssen zunächst noch warten.
Zwischen Martinslanz- und Weihnachtslanz: Da geht noch was mit Markus.
Lanz sicher.

Mehr über die Autoren:
Christopher Lesko: www.leadership-academy.de
Archi Bechlenberg: www.herrenzimmer.de

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