Neues Trend-Berufsbild: die Twitter-Tussi

Fernsehen Junge Damen, die ihr halbwegs gescheit ausschaut und “was mit Medien” machen wollt, aufgepasst! Es gibt ein nagelneues Berufsbild in der schönen, weiten Welt der neuen Medien, das wie geschaffen für Euch ist: die Twitter-Tussi. Die Aufgabe der Twitter-Tussi besteht darin, bei aktuellen Großereignissen (US-Wahl, Wirbelsturm, “Wetten dass..?”) “Reaktionen aus dem Netz” vorzulesen. Protagonistinnen des neuen Top-Trend-Berufs sind Jeannine Michaelsen (ZDF), Caroline Danz (Bild.de) und Antje Lorenz (N24).

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Jeannine Michaelsen vom ZDF ist laut Tagesspiegel “die bekannteste Twitter-Vorleserin Deutschlands”. Zuletzt durfte sie ihren Charme bei der ZDF-Marathon-Übertragung der US-Präsidentschaftswahlen spielen lassen. Jeannine Michaelsen moderiert mit ”login” bei ZDFinfo sogar eine Sendung, deren kompletter USP aus Internet-Vorleserei besteht. Respekt! Ihr Ruhm in der Medienwelt gründet aber auf ihrem Einsatz am ZDF-Fußballstrand bei der Europameisterschaft. Dort jubelte sie Oliver Kahn den falschen Harald Schmidt bei Twitter unter. Dass Kanister-Kopf Kahn das Twittern kurz danach wieder bleiben ließ, kann man ihr freilich nicht anlasten. Frau Michaelsen hat laut Wikipedia ein Diplom als Bühnendarstellerin, moderierte zwischendurch das Web-TV-Format “Ehrensenf” und “Joko und Klaas gegen den Rest der Welt”.

Caroline Danz ist eine weitere Trendsetterin in Sachen Internet-Vorlesen. Einem breiten Publikum wurde sie durch die Sendung “Gottschalk live” bekannt, in der sie Thomas Gottschalk und den ARD-Vorabendzuschauern Facebook und Twitter näherbringen sollte und, ähnlich wie Frau Michaelsen bei Olli Kahn, scheiterte. Nachdem “Gottschalk Live” wieder weg war, tauchte Frau Danz plötzlich bei Bild.de in Web-TV-Formaten auf. So durfte sie bei dem Mega-Ereignis der Markus-Lanz-Premiere bei “Wetten dass..?” Reaktionen aus dem Netz bei Bild.de zum Vortrag bringen. Und bei der surrealen Bild.de-Show zur US-Wahl las sie Claus Strunz den Sieges-Tweet von Barack Obama vor. Eine Medien-Karriere wie aus dem Bilderbuch.

Antje Lorentz bei N24 ist so etwas wie Grande Dame der Twitter-Tussis. Mit dem Tablet in der Hand führt sie durchs WW-Wunderland. Kein Thema, kein abgeschmackter Web-Witz sind ihr dabei fremd. Egal ob sie  Fakten zu Hurrikan Sandy sammelt, atemlos-aufgeregt Mitt-Romney-Witze aus Twitter aufklaubt (“Im Netz stürzt man sich auf diese kleinen bösen Sachen”), schwindelerregende Social-Media-Statistiken referiert oder Chuck-Norris-Witze vorträgt (“Überall taucht der auf, ich weiß nicht warum aber es ist so”) – Frau Lorentz macht immer bella figura.

Sonja Schünemann ist die Antje Lorenz vom ZDF Morgenmagazin. Und weil man beim ZDF ordentlich Kohle hat (Gebührengelder!) darf sie an einem riesigen Touchscreen hantieren, wie weiland Tom Cruise in “Minority Report” und den ZDF-Guckern die “Netzschau” nahebringen. Zusammen mit “Twitter-Göttin” Jeannine Michaelsen durfte sie auch bei der US-Wahl ran. Der "lieben Netzgemeinde" ist Sonja Schünemann vor allem darum in Erinnerung, weil sie das Wort "Fupp" für ein aufpoppendes Touchscreen-Element in den Diskurs einbrachte und es damit bei Twitter in die Trending Topics schaffte. “Moment mal!”, werden Sie nun vielleicht erbost rufen. Das ist doch diskriminierend. Da gibt es einen neuen, tollen Multimedia-Job und den dürfen nur Frauen machen? Nicht ganz. Für die Männerquote bei den Twitter-Tussis sorgt n-tv, wo Moritz Wedel als “Netzreporter” die männliche Twitter-Tussi geben darf. Herzlichen Glückwunsch!

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, hier noch schnell die Top-5-Sätze, die sie als Twitter-Tussi draufhaben müssen:

“Das Netz reagiert natürlich mit Hohn und Spott.”
“Das wurde jetzt in einer Minute xx mal retweetet.” (Für xx eine beliebige Zahl über 100.000 einsetzen.)
“Da gibt es auch eine Reihe von Livecams.” “Da müssten wir jetzt eigentlich ein Bild sehen.”
“Twitter ist da natürlich wahnsinnig schnell.”

Ach ja, eins noch: Harald Schmidt ist NICHT bei Twitter. Und jetzt viel Spaß mit der neuen Traumkarriere!

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