Der Optimismus-Gipfel der Verleger

Publishing Medien-Miesmachen ist out, zumindest auf dem Publisher´s Summit der Zeitschriftenverleger. Der VDZ lud mit Economist-CEO Andrew Rashbass und Condé Nast International-Chef Nicholas Coleridge zwei Vertreter höchst erfolgreicher Marken nach Berlin ein. Beide stehen für starke Print-Titel, die aber die digitale Transformation aktiv vorantreiben. Digital-Paranoia steht in diesen Tagen nicht mehr auf der Agenda von Medienmanagern, zumindest nicht offiziell. Mit einer Ausnahme: Für Kritik an Google, Amazon und Apple war Verleger und VDZ-Präsident Hubert Burda zuständig.

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Economist-Chef Rashbass ist der ideale Kronzeuge für eine Medienmarke, die gedruckt sogar an Auflage zulegt und gleichzeitig so konsequent wie wenig andere seine Digital-Angebote ausbaut. Denn die Briten erwarten, dass in den nächsten fünf Jahren das Anzeigengeschäft der gedruckten Ausgabe deutlich verlieren, gleichzeitig aber Digital-Werbung neue Umsätze generieren wird. Der größte Treiber des künftigen Profits sei aber der Verkauf des Magazins – gedruckt und digital. Und in welcher Form der Economist verkauft wird, ist Rashbass ziemlich egal – der Verkaufspreis ist der gleiche. Der Vertrieb sei der Schlüssel zum Erfolg, und darum mag sich Rashbass auch nicht in die Schlange der Fundamentalkritiker von Google, Apple und Amazon einreihen.

Diesen drei US-Unternehmen hatte zuvor Verleger Hubert Burda vorgeworfen, sie rechneten gezielt ihre Steuerlasten herunter, was europäische Mitbewerber benachteilige. Die europäische Medienindustrie müsse dafür sorgen, dass US-Unternehmen in Europa steuerlich gleich behandelt werden. Economist-Chef Rashbass entgegnete, dass solche Praktiken sicherlich nicht zu begrüßen, aber auch nicht kriegsentscheidend seien: "Wir verlieren nicht wegen der Besteuerung gegen Google." Mit anderen Worten: Zukünftiger Wert wird in den Entwicklungslaboren von Unternehmen geschaffen, die bereit sind, neue Wege zu gehen. Nicht in den Rechtsabteilungen.

VDZ-Chef Stephan Scherzer sieht die Zeitschriftenbranche entsprechend in einem Start-up-Modus. Zur Eröffnung des Zeitschriftenkongresses sagte Scherzer, viele Titel würden derzeit gestartet, bei Nichterfolg aber auch wieder eingestellt. Botschaft: Es ist viel Bewegung im Markt. Der ehemalige Digital-Manager des US-Verlags IDG wies auch auf die rasante Entwicklung der digitalen Endegräte und des damit verbundenen Nutzungsverhaltens hin: Laut einer Reihe von Studien werde in etwa sieben Jahren der Großteil des Datenverkehrs, geschätzte 80 Prozent, über mobile Geräte laufen. Dem müssten Medienunternehmen Rechnung tragen.

Als zweiten internationalen Erfolgs-Kronzeugen hatte der VDZ Nicholas Coleridge von Condé Nast geladen. Dieser hielt eine anschauliche Motivationsrede auf die Stärke der Gattung Print, ohne die digitale Transformation zu negieren oder zu vernachlässigen. "Gewinnen bedeutet, sich neuen Situationen anpassen zu können", sagte der Manager. Die Zukunft sei digital, aber Print genieße weiter eine große Reichweite, die die Online-Reicheite teilweise noch um ein Vielfaches schlage. Aber um das Schlagen bzw. die Konkurrenz gehe es gar nicht, und diese Botschaft muss erstaunlicherweise in Deutschland noch stärker als bisher verbreitet werden: Erst in der Kombination von Print und Digital-Leistungswerten können sich auch in Zukunft Pluszeichen ergeben.

Von anglo-amerikanischen Medienmanagern können sich die deutschen Kollegen in puncto Geschmeidigkeit im Reden über künftige Geschäftsmodelle also noch etwas abschauen. Einzig Springer-CEO Mathias Döpfner durfte im Abschlusspanel des ersten Tages als Vertreter eines deutschen Verlages mitreden. Auch hier regierte wie zu erwarten der Optimismus als Stilmittel Nummer Eins. Fast unpassend, wenn auch vom Protokoll her korrekt, waren die Grußworte von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit. Der SPD-Politiker, derzeit nicht nur wegen des Flughafen-Desasters in einem Stimmungs-Tief, wollte offenbar von eigenen Herausforderungen ablenken, als er den Verlegern sagte: "Was sind kleine Probleme mit Entrauchungsanlagen im Vergleich zu den großen Problemen, die Sie zu bewältigen haben?" Ein paar Lacher fielen auch für ihn ab.

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