Döpfner: „Zahlende Leser sind wertvoller“

Publishing Bei der Telefon-Pressekonferenz zu den Bilanzzahlen für die ersten neun Monate 2012 bekräftigte Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, dass bei den journalistischen Websites des Konzerns schrittweise Bezahl-Inhalte eingeführt werden sollen. Welt.de startet Ende des Jahres mit einem so genannten Metered Model nach Vorbild der New York Times. Bild.de soll nächstes Jahr kostenpflichtig werden - aber mit einem anderen Modell.

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Welches, das wollte Döpfner bei der Telefon-PK noch nicht verraten. Er gab allerdings den Hinweis, dass Springer für die Bild-Gruppe ja die Bundesliga-Übertragungsrechte für die Saison 2013 im mobilen und stationären Internet erworben hat. Man darf also davon ausgehen, dass zumindest die Bundesliga-Videoclips in Bild-Apps und bei Bild.de Geld kosten werden. Wahrscheinlich wird es dabei nicht bleiben. Döpfner: „Gehen sie davon aus, dass bei all unseren Angeboten ein kleiner Teil weiterhin kostenlos zur Verfügung stehen wird, der Großteil wird schrittweise in Bezahl-Inhalte umgewandelt.“

Bild.de soll dabei allerdings kein Metered Model nach New-York-Times-Vorbild bekommen, wie das für Welt.de angekündigt wurde. Bei der Online-Welt soll das Modell, bei dem eine Reihe von Texten gratis zur Verfügung steht, noch in diesem Jahr starten. Bei Bild.de soll es mit einem anderen Pay-Modell im nächsten Jahr losgehen, ein genaues Startdatum gibt es nicht.

Für Döpfner macht die Hinwendung zu bezahlten Inhalten gleich doppelt Sinn. Einmal werden dadurch digitale Vertriebserlöse generiert, zum anderen seien digitale Bezahl-Inhalte auch für die Werbe-Wirtschaft interessanter. „Kostenlose Leser sind viel weniger wert als solche, die zahlen“, sagte der Springer-Vorstandschef. „Bezahl-Angebote produzieren loyale, dem Angebot verbundene Leser. Deshalb sind diese Leser in der Printwelt teils das 20fache eines Gratis-Lesers wert. Die gleiche Erkenntnis wird sich auch in der digitalen Welt durchsetzen“, so Döpfner weiter. Darum sei es auch für die werbetreibende Wirtschaft attraktiv, wenn Schritt für Schritt, digitale Medien auf Bezahl-Angebote umgestellt würden. Schon jetzt rechnet Springer fürs Gesamtjahr 2012 mit Paid-Content-Umsätzen in einstelliger Mio-Höhe bei Apps.

Laut der aktuell Bilanz hat Springer in den ersten neun Monaten des Jahres mit 55 Prozent über die Hälfte der Werbeerlöse des Konzerns digital erwirtschaftet. An einer Kooperation mit einem Content-Aggregator wie der HuffingtonPost sei Springer nicht interessiert, sagte Döpfner. Bei solchen Angeboten sehe er Probleme in Sachen Leistungsschutz. Die Axel Springer AG und ihr Chef sind starke Fürsprecher für das umstrittene Leistungsschutzrecht. Die HuffingtonPost hatte angekündigt, bald ein Deutschland-Angebot zu starten – im Regelfall arbeitet das Online-Medium dabei mit einem starken lokalen Partner zusammen. Springer wird das also wohl nicht sein.

Und Print? „Print wird uns noch lange viel Freude machen. Aber wir müssen und werden die Strukturen an das veränderte Nutzungsverhalten anpassen und noch schneller noch effizienter werden“, so Döpfner. In diesem Zusammenhang verwies er auf die jüngst verkündete Zusammenführung des Hamburger Abendblatts mit Welt und Berliner Morgenpost. Damit würden die Redaktionen „wetterfest“ gemacht. Der Springer-Chef scheint also mit dem einen oder anderen heraufziehenden Sturm zu rechnen.

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