Der Twitter-Amoklauf des Donald Trump

Publishing Da ist jemandem die Wiederwahl von Barack Obama zum US-Bundespräsidenten gar nicht gut bekommen: Was Donald Trump in den vergangenen Stunden via Facebook und vor allem Twitter in die Welt hinaus geschickt hat, lässt einiges an Verbitterung vermuten. Der US-Multimilliardär wittert Betrug und ruft zum Marsch auf Washington auf. Zwischendurch bekommt auch China noch den Zorn des Superreichen zu spüren: Die Asiaten hätten den Klimawandel erfunden.

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"Warum spielt Obama Basketball? Das ist, warum unser Land in ernsthaften Problemen ist", schrieb Trump zu Beginn der Wahltags über seinen Twitter-Account. Diese Botschaft mag zwar bereits bei einigen für Kopfschütteln gesorgt haben, dürfte im US-Wahlkampf aber noch eher unauffällig daher kommen. Doch umso älter der gestrige Tage in den Staaten wurde, umso mehr lief sich auch der Milliardär warm.
Trump ist bereits dafür bekannt, der Verschwörungstheorie anzuhängen, Obama sei nicht in den USA geboren. Er bot sogar an, 5 Millionen Dollar zu spenden, wenn der US-Präsident weitere Dokumente veröffentlichen würde. Darauf verwies Trump Gestern freilich ein weiteres Mal. Fast 900 Leute markierten den entsprechenden Tweet als Favorit, über 4300 Accounts retweeteten die Botschaft. Trump hat auf Twitter über 1,8 Millionen Follower.
In mitten der Wahltags dann die wohl obskurste Mitteilung: "Das Konzept der Klimaerwärmung wurde von und für die Chinesen entworfen, um die US-Wirtschaft nicht wettbewerbsfähig zu machen." Kurz danach schob er nach, dass das Klima in den 50ern instabiler gewesen sei, als in den letzten fünf Jahre. Apropos Klima in den letzten fünf Jahren: Dass Teile des vom Sturm Sandy verwüsteten Gebiets noch ohne Strom und ohne Benzin seien, ist für Trump ebenso ein Beweis, dass Obama unfähig sei, zumal er nicht vor Ort helfe, sondern Wahlkampf mache. Das Romney seine Wahlkampagne ebenfalls fortgesetzt hat: geschenkt. 
Bevor sich der US-Milliardär jedoch mit weiteren Enthüllungen zu China und dem Weltklima intensiv beschäftigen konnte, führte es ihn auf die Spur eines handfesten Wahlbetrugs: Wahlmaschinen hätten Stimmen für Romney in welche für Obama geändert. Wenn Wähler von Obama-Unterstützern eingeschüchtern würden, sollten diese das ebenfalls unverzüglich melden, mahnt der Tycoon. Als dann die meisten Ergebnisse feststanden legt Trump noch einmal richtig los: "Wir dürfen das nicht passieren lassen. Wir sollten auf Washington marschieren und diese Travestie stoppen!", heißt es in einen Tweet.
In einer weiteren Botschaft auf seinem mit einem Panoramabild eines Golfplatzes als Hintergrund verzierten Twitter-Profils heißt es: "Diese Wahl ist eine totale Schande und Travestie. Wir sind keine Demokratie". Hierfür hat er über zweieinhalb Tausend Favs bekommen hat. Zusammen mit seinem anderen "Travestie-Tweet" gab es fast 20.000 Retweets. Wenig später schreibt Trump noch, das Land sei nun in "beispiellosen Schwierigkeiten", das Ergebnis eine "Schande für die Demokratie".
Und wie soll es nun weiter gehen? Der zunächst letzte Beitrag lautet: "Das Repräsentantenhaus sollte Obama nichts geben, es seiden er nimmt Obamacare zurück". Gemeint ist die Gesundheitsreform des Präsidenten. Und das, obwohl Trump mehrfach die Geteiltheit des Landes beklagt und zu Beginn des Tages daran erinnert hat, dass man unabhängig vom Wahlergebnis weiter arbeiten müsse, bis Amerika wieder stark sei. 
Der Multimilliardär hat sich offenbar sehr in Rage gebracht. Nicht auszumalen, wie er reagiert hätte, wenn er wie lange spekuliert selbst zur Wahl angetreten hätte und persönlich gegen Obama verloren hätte. "Lasst uns wie zur Hölle kämpfen um diese große und widerliche Ungerechtigkeit zu stoppen. Die Welt lacht über uns", meint Trump in einen weiteren seiner Tweets. Vermutlich lacht die Welt heute wohl eher allein über Trump.

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