Tim Cooks Apple 2.0-Ära beginnt

Die Tage nach dem großen Stühlerücken bei Apple: Die Analysten haben mittlerweile ihre ersten Einschätzungen zur größten Personalrochade seit Steve Jobs’ Rückkehr 1997 abgegeben. Tenor: Tim Cook hat Führungsstärke bewiesen und den Beginn einer neuen Ära schlagartig eingeleitet. Ein lästiger Rivale wurde entsorgt und Apples neuer Kronprinz gleichzeitig gekürt. Design-Guru Jony Ive wird Apples Geschicke mehr denn je bestimmen.

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Die Tage nach dem großen Stühlerücken bei Apple: Die Analysten haben mittlerweile ihre ersten Einschätzungen zur größten Personalrochade seit Steve Jobs’ Rückkehr 1997 abgegeben. Tenor: Tim Cook hat Führungsstärke bewiesen und den Beginn einer neuen Ära schlagartig eingeleitet. Ein lästiger Rivale wurde entsorgt und Apples neuer Kronprinz gleichzeitig gekürt. Design-Guru Jony Ive wird Apples Geschicke mehr denn je bestimmen. .

Plötzlich war die Zukunft da. Über ein Jahr beäugte das Silicon Valley und die Wall Street jede noch so kleine Äußerung von Steve Jobs‘ Nachfolger Tim Cook mikroskopisch genau. Eine erste Quartalsverfehlung hier, die Ausschüttung einer Dividende da, die Einführung eines Aktienrückkaufprogramms und eine offene Kommunikationspolitik waren zu beobachten. So weit, so gut.

Zum ersten Todestag des visionären Gründers hatte das Apple der Post-Steve-Jobs-Ära noch verblüffend viel Ähnlichkeit mit jenem Konzern, der für 14 Jahre unter der Tech-Ikone für Furore gesorgt hatte. Tim Cook schien der überkorrekte Verwalter des Erbes von Steve Jobs zu sein – jemand, der kein Problem damit hatte, sich öffentlich für Fehler zu entschuldigen und auf der Bühne doch sehr versuchte, wie sein Mentor zu klingen.  

Cook schärft mit Rauswürfen sein Profil als Macher

Jetzt jedoch hat Tim Cooks Profil in nicht für möglich gehaltener Form an Schärfe gewonnen. Tim Cook kann nur nicht in brillianter  Form die Zügel des operativen Geschäfts in der Hand halten – er kann auch gnadenlos rasieren. Erfahren mussten das einer von Apples größten Hoffungsträgern und eine Neuverpflichtung, die auf Cooks Kappe geht.

Mit den Rauswürfen von Scott Forstall und John Browett hat Cook unterstrichen, dass er wie sein Vorgänger Steve Jobs bei der Zukunftsgestaltung von Apple eine Null-Toleranz-Politik verfolgt. John Browett hatte sich intern wenig Freunde gemacht und die Apple-Kultur nicht verstanden – "auf Wiedersehen" nach nur sechs Monaten. 

Scott Forstall, ein Apple-Urgestein und einer der engsten Vertrauten von Steve Jobs, hatte Apple mit dem Maps-Desaster nicht nur öffentlich blamiert, sondern intern offenbar auch einen künftigen Machtkampf vorbereitet. Entsprechend griff Cook auch hier knallhart durch.

Cook und Ive: Duo bestimmt Apples Zukunft

Während der Verlust des geistigen Vaters von Apples mobilem Betriebssystem iOS kaum als positives Ereignis gefeiert werden kann, leitetet er gleichfalls eine Zeitenwende bei Apple ein, von der der wertvollste Konzern der Welt künftig stark profitieren kann.

Forstall schien am Ende nicht nur Cook ein Dorn im Auge zu sein, sondern lieferte sich über Jahre eine notorische Fehde mit Design-Chef Jonathan Ive, den Steve Jobs als "unersetzlich" erklärte. Am Ende, das muss Cook gespürt haben, war es auch eine Frage, ob Forstall oder Ive dem Unternehmen langfristig erhalten bleiben würden.

Diese Entscheidung ist nun gefallen. Gleichfalls wurde damit über Nacht der Beginn einer neuen Ära eingeleitet, die sich in der Radikalität vor wenigen Monaten noch nicht abzeichnete. "Die gestrige Mitteilung macht deutlich, dass Ive dem Unternehmen in der näheren Zukunft erhalten bleiben dürfte", erklärte Piper Jaffray-Staranalyst Gene Munster. "Zusammen mit Tim Cook, dessen Vertrag noch neun Jahre läuft, sieht es so aus, als ob die beiden wichtigsten Manager sich langfristig an Apple gebunden hätten."

Steve Jobs hatte große Hoffnungen in Ive gesetzt

"Willkommen in der Jony Ive-Ära", feiert dann auch das Wall Street Journal-Blog "All Things D" den Anbruch einer neuen Ära. "Ich glaube, man kann gar nicht genug betonen, was für eine große Bedeutung der Management-Wechsel hat", erklärte auch Apple-Blogger John Gruber (Daring Fireball). Ive, der nun für den neu geschaffenen Bereich Human Interface verantwortlich zeichnet, leitet künftig die Bereiche Produkt-, Hardware- und Software-Design.

In anderen Worten: Wie etwas bei Apple aussieht, wird künftig einzig und allein vom in England zum Ritter geschlagenen Design-Guru bestimmt. Ive löst damit ein Jahr nach dem Tod von Steve Jobs das Versprechen ein, dass der Apple-Gründe in den letzten Monaten seines Lebens in ihn gesetzt und in der Biografie formuliert hatte.

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