Apple feuert iOS-Chef Scott Forstall

Bemerkenswerte Personal-Rochade bei Apple: Wie der iPhone-Hersteller nach Handelsschluss mitteilte, verlassen zwei Manager höchsten Führungsebene den wertvollsten Konzern der Welt. iOS-Chef Scott Forstall stolperte über das Maps-Debakel, für das er nicht Verantwortung übernehmen wollte, John Browett musste nach nur 8 Monaten wegen seiner wenigen glücklichen Führung der AppleStores den Techpionier wieder verlassen. Die Aufgaben übernehmen die Apple-Veteranen Jony Ive, Eddy Cue und Craig Federighi.

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Bemerkenswerte Personal-Rochade bei Apple: Wie der iPhone-Hersteller nach Handelsschluss mitteilte, verlassen gleich zwei Manager der höchsten Führungsebene den wertvollsten Konzern der Welt. iOS-Chef Scott Forstall stolperte über das Maps-Debakel, für das er nicht Verantwortung übernehmen wollte, während John Browett nach nur neun Monaten wegen seiner wenigen glücklichen Führung der Apple Stores den Techpionier wieder verlassen muss. Die Aufgaben übernehmen die Apple-Veteranen Jony Ive, Eddy Cue und Craig Federighi.

Was für ein Timing. Just als der Hurricane "Sandy" auf die Küste in New York zuraste, wurden Apple-Aktionäre von einer anderen Schockwelle getroffen. Gleich zwei Top-Manager verlassen den wertvollsten Konzern der Welt: iOS-Chef Scott Forstall und der Leiter der Apple Stores, John Brewitt müssen gehen.

Dass der Rückzug in beiden Fällen nicht freiwillig verlief, deutet sowohl die offizielle Presseerklärung als auch die interne Mail, die CEO Tim Cook an Apple-Mitarbeiter verschickte, an. "Der Abgang war nicht Forstalls Entscheidung", berichtet auch das Wall Street Journal.

"CEO in Wartestellung" ruiniert aufstrebende Karriere

Dabei überrascht das Ende des 43-jährigen Hoffnungsträgers nicht. "Wie beschädigt ist Scott Forstall?" fragte sich MEEDIA bereits am 1. Oktober. Forstall stieß 1996 als Mitarbeiter von Steve Jobs’ Computerschmiede NeXT, die von Apple übernommen wurde, zum Techpionier und konnte seitdem auf eine beachtliche Karriere zurückblicken, die den 43-Jährigen zum Chef des mobilen Betriebssystems iOS für iPhone und iPad machte.

Bereits als "CEO in Wartestellung" (Adam Lashinsky in "Apple Inside") wurde Forstall, der das Vertrauen von Steve Jobs genoss, gehandelt – doch dann kamen die Patzer. Erst der persönliche Sprachassistent Siri, der bis heute nie den Erwartungen entsprechen konnte, dann der Gipfel aller Apple-Enttäuschungen – der desaströse Launch des Kartendienstes Maps.

Forstall wird Mapocalypse zum Verhängnis

Dabei glänzte Forstall noch bei der Präsentation auf der Entwicklermesse WWDC im Juni: Ein Debakel, wie es sich jetzt ereignete, schien nach dem selbstbewussten Auftritt Forstalls nicht im Entferntesten absehbar. "Bei der Präsentation (im Juni) hat uns Forstall noch erzählt, Maps wären der schönste und beste aller Kartendienste", kritisierte der Venture Capitalist Jean-Louis Grassee. "Das Maps-Desaster ist eine ganz schlechte Nachricht" für Forstall, legte sich auch der Business Insider vor Monatsfrist fest.

Zumal er Apple-CEO Tim Cook zu einer in dieser Form bei Apple nie noch dagewesenen Demutsgeste in Form einer öffentlichen Entschuldigung mit anschließender Empfehlung der Konkurrenzdienste zwang. Forstall wiederum, so berichtet die New York Times habe die Kritik an Maps als "übertrieben" dargestellt und es verweigert, den Offenen Brief zur Entschuldigung zu unterzeichen, wie das Wall Street Journal berichtet. Forstalls Ende schien damit besiegelt.

Browett stolpert über Arbeitszeit-Reduzierung

Der 43-Jährige, der für seine guten Präsentationen bekannt ist, wurde in der vergangenen Woche bei der Apple-Keynote zum iPad mini bereits nicht mehr auf der Bühne gesichtet. Zum Verhängnis geworden sein dürfte dem Software-Architekten seine schroffe Art, durch die er mit anderen Top-Managern wie Design-Guru Jony Ive und Bob Mansfield immer wieder aneckte. "Er hat nie in die Apple-Kultur gepasst", wird ein ungenannter Mitarbeiter bei WSJ zitiert.

Das gilt wohl noch mehr für den erst im Januar verpflichteten Retail-Manager John Browett, der für die Einzelhandelslegende Ron Johnson angeheuert wurde. Browett kam vom britischen Elektronikeinzelhändler Dixon’s und hatte gleich einen schlechten Einstand.

Im Sommer wurde bekannt, dass Apple bei seinen Store-Mitarbeitern die Arbeitszeiten zurückfahren wollte, was vor der größten Produkt-Offensive der Unternehmensgeschichte für kollektives Kopfschütteln sorgte. Apple nahm die Initiative zurück, Browett musste sich entschuldigen, konnte sich aber nicht mehr erholen. Nach nur neun Monaten war der Brite bei Apple Geschichte.

Personal-Rochade: Ivy, Cue, Federighi und Mansfield mit neuen Aufgaben

Apple-CEO Tim Cook hat damit Führungsstärke demonstriert. Die Demission von Browett, den Cook persönlich verpflichtet hatte, muss der Apple-CEO auf seine Kappe nehmen – das Ende von Forstall dürfte ihm als Machtdemonstration angerechnet werden. Wie das Wall Street Journal und die New York Times berichten, soll Forstall zuletzt Machtkämpfe angezettelt und intern kommuniziert haben, bei Apple gebe es aktuell keinen "Entscheider". Tim Cook ist dem nun entschieden entgegengetreten.

Mehr Verantwortung wird unterdessen auf die Schultern bewährter Kräfte gelegt: Jony Ive, der seit mehr als einer Dekade das Hardware-Design verantwortet, kümmert sich nun künftig um den Human Interface-Bereich im ganzen Unternehmen. Internet-Chef Eddy Cue soll die kriselnden Dienste Siri und Maps wieder auf Vordermann bringen. Craig Federighi, der die MacOS X-Unit verantwortet, wird künftig auch die mobile Betriebssystem iOS unter seiner Ägide haben.

Apple-Veteran Bob Mansfield, der als langjähriger Hardware-Chef bereits in den Ruhestand gehen wollte, leitet zumindest für die nächsten zwei Jahre den neugeschaffenen Bereich ‚Technologien’. Für den scheidenden Einzelhandelschef Browett muss noch ein Nachfolger gefunden werden. Wie die Wall Street auf das beachtliche Stühlerücken beim wertvollsten Konzern der Welt reagiert, bleibt erst noch abzuwarten. Wegen des Tropensturms Sandy fiel sowohl der nachbörsliche als auch der morgige Handel buchstäblich ins Wasser.

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