… und täglich grüßt der Kachelmann

Publishing Es ist ein unheimliches Déjà-vu: Wieder Blitzlichter, wieder Kameras, wieder Medien-Auftrieb. Wieder Jörg Kachelmann in einem Gerichtssaal, neben ihm sein bissiger Strafverteidiger Johann Schwenn mit verschränkten Armen. Die Ex-Geliebte verpixelt. Vor dem Saal gibt Spiegel-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen Auskunft. Das Zivilverfahren, in dem Kachelmann Schadensersatz fordert wirkt, als sei man in einer Zeitschleife gefangen. Inklusive böser “Post von Wagner” und wütender Kachelmann-Tweets.

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“Von mir zu erwarten, hier einen Link zu Wagners Haufen zu posten, ist gerade an Allerheiligen etwas viel verlangt, liebe Community. #yuck”, schreibt Jörg Kachelmann bei Twitter. Anlass für den Twitter-Ausfall des ehemaligen ARD-Wettermoderators ist die aktuelle “Post von Wagner” in der Bild-Zeitung vom heutigen Mittwoch. Bild-Kolumnist Franz-Josef Wagner schreibt da über Kachelmann: “Ihre Auftritte als Unschulds-Held (-Lamm) finde ich erbärmlich bis erbarmungslos. Sie zerren Ihre Ex-Geliebte vor Gericht, Sie wollen sie ganz unten sehen.”

Für Wagner hat das “keinen Stil, keine Würde.” Er schließt mit den Worten: “Deshalb sage ich Ihnen jetzt wirklich ins Gesicht: Sie sind ein miserabler Mann.” Es ist gerade so, als sei der Kachelmann-Prozess in Mannheim mit dem Freispruch des Ex-Wettermoderators nie zu Ende gegangen, als würde sich das Schauspiel nunmehr ad infinitum fortsetzen. Für alle Zeiten.

Wagner giftet in der Bild, Kachelmann schäumt auf Twitter. Vor dem Frankfurter Gericht wird ein Vertreter der Opfer-Schutzorganisation Weißer Ring befragt, der zu Protokoll gibt, dass Kachelmann seinen “Freispruch zweiter Klasse” nun ummünzen wolle und der nach wie vor vom “Opfer” spricht. Obwohl wir mittlerweile alle zu Genüge wissen, dass es einen “Freispruch zweiter Klasse” nicht gibt und dass nicht erwiesen ist, ob die Ex-Geliebte Opfer war oder nicht.

Gisela Friedrichsen vom Spiegel war auch wieder da und meinte: “Wenn man solche Erfahrungen mit der Justiz gemacht hat wie Herr Kachelmann, dass man dann irgendwann sein Recht wiederhaben möchte und das Ganze irgendwann loswerden will, ist absolut nachvollziehbar.” In dem Zivilprozess in Frankfurt geht es darum, dass Jörg Kachelmann von seiner Ex-Geliebten gut 13.000 Euro Schadensersatz für Gutachterkosten aus dem Strafprozess fordert. Während der Verhandlung wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen, weil “persönliche Verhältnisse der Parteien erörtert würden.” Gerade so, als gebe es in diesem Schauspiel der Bloßgestellten noch irgendetwas zu schützen, zu verbergen. Es ist doch schon längst alles offengelegt, ans Licht gezerrt, gedreht und gewendet worden. Zuletzt bizarrerweise vom Anwalt der Ex-Geliebten, der die Vernehmungsprotokolle und Gutachten seiner Mandantin mit intimsten Details an Pressevertreter schickte und damit dafür sorgte, dass auch wirklich Jeder auf dem aktuellen Sachstand der maximalen Entblößung ist.

Fehlten eigentlich nur Sabine Rückert von der Zeit und Alice Schwarzer. Aber die drehen bestimmt auch bald wieder ihre Runden – in der Kachelmann-Prozess-Zeitschleife.

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