Bertelsmann-Fax: mm-Chef schließt ‚Leck‘ aus

Publishing Das "verräterische" Fax von Bertelsmann-Kommunikationschefin Karin Schlautmann an die oberste Konzernspitze (MEEDIA berichtete) wirft weiter Fragen auf. In dem Schreiben wurde bereits vor dem Erscheinungsdatum die jüngste Bertelsmann-Enthüllungsgeschichte des manager magazins detailliert dargelegt. Die Story führte zu Verwerfungen im Konzern und dem Abgang von Vorstand und G+J-Chef Bernd Buchholz. Chefredakteur Arno Balzer erklärt nun, dass er ein internes "Leck" ausschließt.

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Die Geschichte rund um das Fax von Kommunikationschefin Karin Schlautmann an Haupt-Eignerin Liz Mohn, Vorstandschef Thomas Rabe, Aufsichtsratschef Gunter Thielen und dessen Nachfolger Christoph Mohn hat hohe Brisanz. In dem Fax, das laut FR am 22. August 2012 die Bertelsmann-Top-Riege erreichte, legt Schlautmann die wesentlichen Inhalte der manager-magazin-Story “Jahr und Amen” en Detail offen. Es werden die Aufmachung und Optik des Artikels samt der Headline “Der neue Herr im Hause” beschrieben – gemeint ist der neue Bertelsmann-CEO Thomas Rabe. Tatsächlich hatte die mm-Redaktion ein fiktives stern-Cover mit eben dieser Titelzeile zur Illustration der Geschichte verwendet. Im Fax wird zudem ausführlich darauf verwiesen, dass in dem Artikel G+J-Chef Buchholz schlecht wegkommt, dass aus internen Unterlagen zitiert wird, er habe “seine Hausaufgaben nicht gemacht”.
Weiter wird im Fax erläutert, dass mit “breiter Berichterstattung” nach Erscheinen des Artikels zu rechnen sei, und es wird ein Wording vorgeschlagen, wie auf Journalisten-Anfragen zu reagieren sei. Wohlgemerkt alles zu einem Zeitpunkt, als das Magazin noch gar nicht erschienen ist und der Betroffene, G+J-Chef Buchholz, von dem Artikel und seinen Inhalten ganz offensichtlich nichts wusste. Woher aber hatten die Bertelsmann-Leute und Kommunikationschefin Schlautmann vorab Zugang zu dem brisanten Artikel des manager magazins?
Eine Möglichkeit wäre, dass dem Konzern der Artikel vom manager magazin zugänglich gemacht worden ist. Doch dies wird von mm-Chefredakteur Arno Balzer entschieden verneint: “Ich kann ausschließen, dass der besagte Artikel von der manager-magazin-Redaktion an Bertelsmann weitergereicht wurde.” Balzer verweist jedoch darauf, dass das manager magazin bei der Bertelsmann-Tochtergesellschaft Mohndruck in Gütersloh produziert wird und sagt auch: “Ich kann nicht ausschließen, dass der Artikel von dort seinen Weg in die Bertelsmann-Zentrale gefunden hat.”
Auch das wäre eine – zumindest heoretische – Möglichkeit, die allerdings im eklatanten Widerspruch zu dem Vertrags- und Vertrauensverhältnis stehen würde, das üblicherweise zwischen Drucker und redaktionellem Zulieferer besteht. Wenn die undichte Stelle weder Druckerei noch der mm-Redaktion zuzuordnen wäre – welche andere Möglichkeit gäbe es dann? Der Bertelsmann-Konzern hat sich noch nicht in der Sache geäußert, auch eine MEEDIA-Anfrage blieb bislang unbeantwortet.
In dem FR-Artikel wurde von Autor Thomas Schuler erneut darüber spekuliert, dass die Infos des manager-magazin-Artikels von Bertelsmann-Seite stammen könnten, um zum damaligen Zeitpunkt den Wert von Gruner + Jahr zu drücken und seinerzeit laufenden Verhandlungen mit der Jahr-Holding über eine Komplett-Übernahme von G+J durch Bertelsmann zu beschleunigen. Auch dies wird von Balzer dementiert: “Das ist kompletter Nonsens. Die Vermutung liegt – anders als Schuler schreibt – nicht mal nahe. Man könnte durch kurzes, wenn vielleicht auch tieferes Nachdenken zu diesem Ergebnis kommen.” Im übrigen freue er sich, dass die Bertelsmann-Geschichte im manager magazin so viele Fans habe. Wenigstens einer, der sich freut.

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