Wird der Fall Kachelmann neu aufgerollt?

Fernsehen Vordergründig geht es nur um eine Schadenersatz-Forderung in Höhe von 13.352,69 Euro, tatsächlich könnte es aber sein, dass ab dem morgigen Mittwoch in Frankfurt der Kachelmann-Prozess noch einmal aufgerollt wird. Der Meteorologe verklagt in der Main-Metropole seine ehemalige Geliebte Claudia D. auf Schadenersatz. Um den zu bekommen, müssten Kachelmanns Anwälte allerdings den Nachweis führen, dass der Ex-ARD-Moderator von seiner Ex-Partnerin bewusst falsch beschuldigt wurde.

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Beim Strafprozess in Mannheim stellten die Richter fest, dass man Kachelmann eine Schuld nicht nachweisen könne. Deshalb wurde er am 31. Mai 2011 freigesprochen. Aber: Die Strafkammer blieb in ihrer Urteilsbegründung vage. Dort hieß: "Der heutige Freispruch beruht nicht darauf, dass die Kammer von der Unschuld von Herrn Kachelmann und damit im Gegenzug von einer Falschbeschuldigung der Nebenklägerin überzeugt ist." Mit dieser Formulierung blieb der Sachverhalt unabhängig vom Freispruch im Dunkel. Kachelmanns Problem: Er konnte gegen diese Urteilsbegründung nicht vorgehen, denn mit dem Freispruch waren seine Rechtsmittel im Strafverfahren quasi erschöpft. Inzwischen ist das Urteil auch schon lange rechtskräftig, der Prozess damit endgültig abgeschlossen.
So bleibt ihm nur der Weg über die Zivilgerichte. Jetzt steht in Frankfurt Prozess an, bei einem solchen Verfahren liegt die Beweislast allerdings stets beim Kläger. Heißt: Kachelmann sieht wohl eine zweite Chance, seine Unschuld zu beweisen und Claudia D. der Falschbeschuldigung zu überführen.
Bislang ist unklar, ob tatsächlich wieder eine Monate dauernde Beweisaufnahme mit Zeugen- und Gutachter-Vernehmungen folgen wird. Die Nachrichtenagentur dpa spekuliert, dass die Frankfurter Richter versuchen werden, eine umfangreiche Beweisaufnahme zu vermeiden. Sie könnten sich auf die Feststellungen aus dem Strafurteil stützen, ohne die Schlussfolgerungen der Mannheimer Strafrichter zu übernehmen.
Erst einmal geht es in Frankfurt jedoch nur um 13.352,69 Euro. Hinter diesem Betrag verstecken sich Kosten für Gutachten, die der Schweizer beim ersten Prozess für seine Verteidigung erstellen ließ. Laut dpa argumentiert die Anwältin des Meteorologen in der 26 Seiten langen Klageschrift, dass dessen ehemalige Lebensgefährtin falsch ausgesagt und sich selbst Verletzungen zugefügt hätte, um Kachelmann ins Gefängnis zu bringen. Deshalb – so die logische Kette – hätte D. die Kosten der Verteidigung wie für die Gutachten zu ersetzen, denn diese seien "direkte Folge der von der Beklagten veranlassten, unrechtmäßigen Verhaftung und anschließenden Untersuchungshaft".
Erst Ende vergangener Woche errang der 54-Jährige vor dem Landgericht Mannheim einen Etappensieg. Es ging um um Einstweilige Verfügungen, die Claudia D. zunächst gegen ihn erwirkt hatte, um ihm zu verbieten, ihren vollen Namen zu nennen. Ergebnis: Kachelmann darf ihren Namen weiter in seinem Buch sowie bei öffentlichen Auftritten verbreiten und auch den Ausdruck "Falschbeschuldigerin" verwenden. Lediglich die Bezeichnung "Kriminelle" bleibt ihm in diesem Zusammenhang verboten.
Für Kachelmann und seine Anwälte war dies ein wichtiger Erfolg. Claudia D. war mit ihrem Klagebegehren nämlich auch gegen das Buch des Moderators ("Recht und Gerechtigkeit") vorgegangen, in dem dieser seine Erlebnisse während seiner Inhaftierung und des Prozesses wegen schwerer Vergewaltigung beschreibt.
Sollte Kachelman das jetzt anstehende Zivilverfahren in Frankfurt gewinnen, könnte es sein, dass er einen weiteren Prozess für andere Schäden wie die Verteidigungskosten und Verdienstausfälle anstrengt. Wäre dies der Fall, würden seine Forderungen wohl beträchtlich höher ausfallen. So oder so scheint festzustehen, dass die Causa Kachelmann zur unendlichen Justizgeschichte wird.

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