„Sandy“: Instagrams journalistischer Moment

Publishing Soziale Medien spielen bei Großereignissen eine bedeutende Rolle in der Verbreitung von Bildern und Informationen. Das war auch bei Hurrikan "Sandy" nicht anders. Neu war allerdings die Rollenverteilung der Web-Dienste: Neben den etablierten Social Networks und Services wie Twitter, Facebook und Storify hatte ein anderer Dienst seine erste große Sternstunde: Instagram. Zehn Aufnahmen pro Sekunde teilten Nutzer auf der Fotoplattform mit anderen, um sich ein Bild vom Sturm zu machen.

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Es sind beeindruckende Zahlen: Am Morgen, nachdem der Wirbelsturm die US-Ostküste erreicht hatte, findet man im Fotodienst Instagram mehr als 453.000 Fotos, die mit dem Hashtag #sandy versehen sind. Hinzu kommen über 288.000 Bilder mit dem Keyword #hurricanesandy.
Dabei war Instagram bislang nicht als Kanal für harte Nachrichten aufgefallen. Twitter ist spätestens seit der Notlandung eines Passagierjets auf dem Hudson River und den Protesten im Iran weltweit als Nachrichtenkanal etabliert. Auch Facebook ist allein schon aufgrund seiner hohen Verbreitung in Krisen und bei besonderen Nachrichtenlagen relevant.
Zuletzt zeigten das die Ereignisse rund um den Arabischen Frühling. Storify wird sogar von größeren Nachrichtenseiten in solchen Fällen genutzt, um aktuelle Mitteilungen zu kuratieren. Mit dem Service lassen sich Nachrichtenbeiträge, Videos, und Statusmeldungen verschiedener Dienste zentral zusammenfassen und mit weiteren Informationen versehen. Instagram hingegen wurde bislang eher mit bearbeiteten Fotos von Sonnenuntergängen in Verbindung gebracht. Sandy könnte dies geändert haben.
Instagram will seriös werden
Auf pandodaily.com schreibt die Autorin und Journalistin Sarah Lacy: "Hurrikan Sandy könnte Instagrams großer bürgerjournalistischer Moment sein. Der Zeitpunkt, zu dem die scheinbar frivole App etwas von der Seriösität der Marke Arabischer Frühling bekommt." Eine Richtung, die der Dienst offenbar bewusst einschlagen will. Gründer und CEO Kevin Systrom wird im Artikel zitiert mit der Aussage, Instagram zu einem Dienst machen zu wollen, auf dem auch ernste Themen behandelt werden.
Dazu soll vor allem die Kommunikation verbessert werden. In diesem Zusammenhang passt es auch, dass Instagram ein wenig stolz im Firmenblog schreibt, dass etwa 10 Bilder die Sekunde zu dem Hurrikane gepostet wurden. Und gegenüber Mashable ließ Systrom verlauten: "Ich glaube, dies demonstriert, wie Instagram sehr schnell zu einem nützlichen Werkzeug wird, um auf die Welt zu schauen, während sie voranschreitet – besonders bei großen Weltereignissen wie diesem."
Doch auch die in Sachen Krisen bereits etablierten Social Networks wurden in der Nacht vom Wirbelsturm heimgesucht. Wie Mashable berichtet, haben die zehn während des Sturms am häufigsten auf Facebook verwendeten Begriffe fast alle direkt oder indirekt mit Sandy zu tun. Am häufigsten gepostet wurden laut Vadim Lavrusik, Facebooks Journalismus-Programm Manager, die Ausdrücke "Sandy", "hurricane" und "Hurricane Sandy". Auch "stay safe" ist weit oben in der Liste, gefolgt von weiteren Wörter, die dem Themenfeld Wetter zuzuordnen sind.
Twitter sieht sich in Verantwortung
Auch für Twitter ist der Sturm ein bedeutsames Thema. Der Kurznachrichtendienst hat deshalb an das Rote Kreuz und weitere Krisenschützer kostenlose Promoted Accounts vergeben, "um zu helfen, die Menschen im Angesicht von Sandy auf den neusten Stand zu halten", wie Twitter im Firmenblog schreibt. Hier bietet es auch weiteren offiziellen Behörden des Katastrophenschutzes an, in dieses Programm aufgenommen zu werden. Zudem veröffentlichte der Dienst eine Liste von wichtigen Accounts, denen es lohnen würde zu folgen, wenn man zu den Betroffenen des Unwetters gehört.
Doch längst nicht alles, was über die sozialen Netzwerke geschickt wurde ist auch echt. Unter dem Titel "7 Fake Hurricane Sandy Photos You’re Sharing on Social Media" veröffentlichte Mashable einige Beispiele von häufig verbreiteten Bildern zur Katastrophe, die zum Teil aus früheren Jahren stammen, ihren Ursprung in Filmen haben, oder gänzlich gefälscht sind.
Das alles zeigt: Sowohl einfache Nutzer als auch Journalisten bekommen durch die Dienste neue Möglichkeiten, Informationen aus erster Hand zu bekommen. Dafür lässt sich aber nicht ein Ereignis als Blaupause für das nächste nehmen, da bei den Nutzern neue Dienste an Bedeutung gewinnen können. Wichtig sind zudem nach wie vor Stellen, die Informationen überprüfen und einordnen. Einige US-Medien haben dies bereits sehr erfolgreich getan.

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