Rabe: „Ein großer Tag für die Verlagswelt“

Publishing Für den unter gewaltigem Erwartungsdruck stehenden Bertelsmann-Chef Thomas Rabe ist Nachricht ein Befreiungsschlag, und zudem ein perfekt getimter. Mitten in die Empörung der Verlagswelt über den "Preisüberfall" von Apple hinein verkündete der Medienkonzern die Fusion zweier Branchenriesen zum Buchgiganten Penguin Random House. Keine Kampf-, aber eine klare Ansage in Richtung Amazon und Apple: Size matters. Kein Wunder, dass Rabe von einer "historischen Weichenstellung" spricht.

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Am Montagnachmittag, einige Stunden nach der zeitgleich in Gütersloh für Random House und in London von Pearson für Penguin verlautbarten News, hatte der 47-Jährige zum Conference Call geladen. "Ein großer Tag für Bertelsmann", begann der seit Jahresbeginn amtierende CEO beinahe salbungsvoll seinen Vortrag, "ein großer Tag für die Verlagswelt überhaupt."
Dabei ist der Zusammenschluss in doppelter Hinsicht eine Wette auf die Zukunft. Denn es geht zum einen – anders als bei vielen scheinbar ähnlichen Deals – nicht um schiere Marktmacht oder das Bestreben, einen lästigen Wettbewerber zum Alliierten zu machen. Durch die Verbundeffekte soll vielmehr das Geld gespart werden, wo es sinnvoll ist (Verwaltung, Einkauf, Distribution), um es dort zu investieren, wo die Reise auf dem Buchmarkt letztlich hingeht: zum elektronischen Buch und der digitalen Transformation der Inhalte. Good bye, Gutenberg.
Zum anderen braucht eine solche Megafusion Zeit. Nicht vor Ende 2013 dürften die zahlreichen Kartellverfahren abgeschlossen sein. Erst dann kann Bertelsmann den Gesamtumsatz von Penguin Random House (geschätzt rund 2,5 Milliarden) in seiner Bilanz konsolidieren. Und auch wenn das Unternehmen am Montag keine Zweifel aufkommen ließ, dass man fest mit der Zustimmung rechne, so musste Rabe im Conference Call doch eine vielleicht nicht ganz unwichtige Einschränkung vornehmen: Zwar sei die "kartellrechtliche Genehmigung intern intensiv geprüft" worden, aber einen "Kontakt zu den zuständigen Behörden", so Rabe, habe es bisher nicht gegeben.
Vielleicht sind die Expertisen der Experten ja auch ein Grund dafür, dass bei deutschen Random House-Tochter alles beim Alten bleibt – sie ist von der Fusion ausgenommen. Um etwaige Bedenken bezüglich der Zukunftsperspektive auszuräumen, lieferte der CEO ein Bekenntnis zum Münchner Unternehmen gleich mit. Dessen Aussichten seien "ausgezeichnet", man werde auch dort weiter investieren und die Entwicklung vorantreiben.
Das Augenmerk von Rabe wie auch von Pearson, wo 47 Prozent der Anteile des Gesamtunternehmens verbleiben, gilt aber dem globalen Markt. Neben der Rolle als Innovationstreiber ist dem neuen Buchgiganten vor allem die Rolle zugedacht, den Weltmarkt geschickt aufzuteilen und die Stärken von Random House (US-Markt) mit denen von Penguin (stark auch in China und Indien) zu kombinieren. Das Verlegerprinzip soll dabei gewahrt bleiben, auch, um die Vielfalt zu erhalten.
Die gemeinsamen Gegner sind die noch jungen US-Konzerne Amazon und Apple, die mit der Zeit immer mehr in die Rolle von Verlagen schlüpfen könnten. Von denen will man unabhängiger werden, denen gegenüber will man selbstbewusster auftreten. Darauf angesprochen, äußert sich Rabe diplomatisch. "Amazon ist ein guter und großer Kunde beider Unternehmen", sagt er, "und das bleibt auch so." Dennoch ist der Deal Message genug. "Es geht nicht um Synergien", schreibt die Financial Times Deutschland, "sondern um Verhandlungsmacht." Und das Handelsblatt bilanziert: "Für Bertelsmann ist diese Transaktion endgültig der Aufstieg in den Bücherolymp."
In diesem Olymp hat Bertelsmann mit dem Anteil von 53 Prozent, einer 5:4-Mehrheit im Aufsichtsrat und dem bisherigen Random House-Chef Markus Dohle als neuem Gesamt-CEO künftig das Sagen. Eine komfortable Position, die sich Europas größter Medienkonzern teuer erkauft haben dürfte. Zwar gibt es dazu keine konkreten Zahlen, aber erst am Wochenende war bekannt geworden, dass Rupert Murdochs News Corp. angeblich eine Milliarde englische Pfund (umgerechnet rund 1,24 Milliarden Euro) für Penguin geboten habe – ein Anzeichen dafür, dass die Briten bis zuletzt "gezockt" haben könnten. Rabe kommentierte eine darauf zielende Frage nur knapp ("Da müssen Sie bei Pearson nachfragen") und ergänzte selbstbewusst: "Wir haben bindende Verträge, und die kann man meines Wissens nur einmal machen."
Ein kurzes Video-Interview von CEO Thomas Rabe zum Thema hat Bertelsmann hier veröffentlicht.

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