Hurrikan: die „Sandy“-Leistungsschau im Web

Publishing Die USA wappnen sich für einen der schwersten Wirbelstürme der vergangenen Jahrzehnte. Rund 50 Millionen Menschen können laut Schätzungen von Hurrikan "Sandy" betroffen sein. Während sich Anwohner auf schlimme Unwetter und Stromausfälle vorbereiten, liefern gleich mehrere Online-Portale Rund-um-die-Uhr-Informationen und fahren ihre Paywalls herunter. Google informiert über Evakuierungsrouten, während New York Times und Wall Street Journal mit einem Mix aus Social Media und Data-Journalismus überzeugen.

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Experten zufolge ist “Sandy” gefährlicher als der Sturm “Irene”, der 2011 große Teile der US-Ostküste verwüstete und einen Schaden in Höhe von 15 Milliarden Dollar verursachte. Um die Bevölkerung informiert zu halten, bietet unter anderem das Wall Street Journal einen ständig aktualisierten Hurricane-Tracker, der Aufschluss über Lage und Geschwindigkeit des Sturms gibt. Auf einer Twitter-Sammelseite laufen zudem Live-Updates von Wetterdiensten, Meteorologen und dem National Hurricane Center ein. Die Paywall der Webseite wurde kurzerhand deaktiviert, um die Bevölkerung der US-Ostküste ohne Einschränkungen informieren zu können.

Dass sich Seitenbetreiber von einem Hype enorme Reichweiten versprechen, mag zunächst naheliegen. Doch die Hysterie angesichts der erwarteten Schäden scheint gerechtfertigt. In der Stadt New York bleiben Schulen geschlossen, der Nahverkehr wurde gestoppt. Bürgermeister Michael Bloomberg ordnete an, 375.000 Menschen in Sicherheit zu bringen. Anwohner decken sich mit Trinkwasser, Lebensmitteln und dem Nötigsten ein. Mehrere Bundesstaaten riefen sogar den Notstand aus.

Auch die New York Times hat ihre Paywall außer Kraft gesetzt und bietet seinen Lesern Live-Berichterstattung. Über eine interaktive Karte mit Satelliten- und Radaransicht können sich Anwohner ein Bild über den Sturm machen und mittels Postleitzahl eine Wetterprognose für ihr Wohngebiet abfragen. Dazu greift die Seite auf Daten des National Weather Service zu.

Über einen Live-Blog versorgt die Redaktion ihre Leser außerdem mit News-Schnippseln aus Social Networks. Twitter liefert mit den Hashtags #ctsandy, #sandyct ständig News, das Angebot wird durch Informationen von Behörden und Politikern auf Facebook ergänzt. Korrespondenten liefern Videoaufnahmen und teilen diese mit anderen Nutzern auf YouTube. Die Grenzen zwischen User-generated Content, Blog und Liveticker sind hier fließend, und doch zeichnet das Angebot ein weiteres Bild von den Auswirkungen des Unwetters, als es ein Wetterdienst könnte.

Ab Montagabend könnte "Sandy" den gesamten Osten der USA mit schweren Regenschauern, Stürmen und Schnee treffen. Behörden und Politiker rufen Anwohner dazu auf, das Unwetter ernstzunehmen und Schutz zu suchen. Google hat zu diesem Zweck eine interaktive Krisenkarte gelauncht, die Nutzer mit zusätzlichen Informationen versorgen soll. Neben der aktuellen Position des Sturms liefert der Dienst aktualisierte Schätzungen zum Radius des Unwetters, informiert über Schutzeinrichtungen und Evakuierungsrouten und sammelt Daten von Webcams ein. Für New York ist eine weitere Karte verfügbar, die über die aktuelle Verkehrslage und mögliche von einer Flut betroffenenen Gebiete in der Stadt informiert.

Sowohl die New York Times als auch das Wall Street Journal gaben via Twitter bekannt, die Dienste auch in den kommenden Tagen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Flaggschiffe des US-Journalismus werden ihrem Ruf als Leitmedien gerecht und zeigen eindrucksvoll, wie sich Datenjournalismus und Social Media sinnvoll zu einem journalistischen Produkt verbinden lassen. Angesichts der Masse an Informationen besinnen sich die Redakteure auf ihre Rolle als Gatekeeper, die Informationen auswerten, filtern und prüfen – ob diese Informationen nun von offizieller Stelle stammen oder aus den sozialen Medien.

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