CSU-Pressesprecherin rief nach Söder-Kritik beim BR an

Fernsehen Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, gab es 2011 einen weiteren Versuch aus CSU-Kreisen, die TV-Berichterstattung zu beeinflussen. Demzufolge rief Ulrike Strauß, die Pressesprecherin von CSU-Minister Markus Söder beim Bayerische Rundfunk (BR) an und beschwerte sich über einen kritischen Beitrag über den Minister. Der Beitrag verschwand daraufhin aus dem Programm.

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In der Sache geht es um einen TV-Beitrag aus der "Rundschau" vom 17. März in dem Statements des damaligen Umweltministers über das AKW Isar 1 vor und nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima gegenübergestellt wurden und der mit den Worten "ein erstaunlicher Minister" abschloss.
Nach der Ausstrahlung des Beitrags rief laut Süddeutscher Zeitung Pressesprecherin Strauß beim BR an. Zunächst wendete sie sich an die Redaktion der Sendung, wo sie den Chef vom Dienst, Bernd Löffler, erreichte. Der sagte der SZ die Anruferin sei "sauer" gewesen und habe gefragt, ob der Beitrag noch einmal gesendet würde.
Als Löffler antwortete, dass er dies nicht sagen könne, habe Strauß bei dessen Chef, Peter Marder, auf der Privatnummer angerufen. Marder habe geantwortet, er würde mit der Redaktion reden. Es habe keine Forderung gegeben, den Beitrag nicht weiter zu senden. Die SZ zitiert ihn zudem mit den Worten:  "Im Übrigen habe ich mir verbeten, dass sie mich zu Hause anruft."
In jeden Fall kam der Beitrag in den späteren Ausgaben der "Rundschau" am gleichen Tag nicht mehr vor. Stattdessen lief ein anderer Beitrag zum Thema. Auf SZ-Anfrage gab der Bayerische Rundfunk an, daür seien allein journalistische Gründe verantwortlich gewesen. Man habe die aktuelle Landtagsdebatte mit Söder zum Thema in den Fokus rücken wollen und auch die Opposition habe darin Kritik geübt.
Ulrike Strauß äußerte sich zunächst nicht selbst zum Thema. Über ihren Kollegen Thomas Neumann ließ sie jedoch verlauten, sie habe den Beitrag gesehen und "aus journalistisch-fachlichen Gründen festgestellt, dass dieser Beitrag nicht sachgerecht ist". Daraufhin habe sie "das Recht wahrgenommen", beim BR anzurufen und dies "anzumerken". Ihr Kollege Neumann sagt weiter: "Und das muss möglich sein."
Nachtrag:
Gegenüber der Welt am Sonntag bezog Strauß später auch selbst Stellung. Sie habe "eigenständig entschieden" den Sender anzurufen. "Ich hatte keinen Auftrag und habe niemanden informiert." Zudem habe Sie niemandem gedroht, sagte die Sprecherin. 

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