Medien-Boykott bei Schweiger-Interview

Fernsehen Es ist kein Einzelfall, aber jetzt platzten der Hamburger Morgenpost und der dpa der Kragen. Am gestrigen Donnerstag stellt Til Schweiger in der Hansestadt sein neues „Tatort“-Konzept vor. Alle Medien, die im Zuge des Events mit dem Schauspieler ein Interview führen wollten, sollten vorab eine heftigen Forderungskatalog unterschreiben. Bis ins kleinste Detail regelte dieser, welche Textstellen, u.a. Bildunterschriften und Zwischen-Headlines, Schweiger vor Veröffentlichung autorisieren muss. Mopo und dpa verzichteten daraufhin auf ein Gespräch.

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Die Hamburger Morgenpost berichtet, dass ihr Reporter vor dem Treffen mit dem neuen „Tatort“-Kommissar eine „verbindliche Erklärung“ unterzeichnen sollte, sonst gebe es kein Interview. In ihr steht, dass Schweiger alle Zitate „einschließlich des jeweiligen Umfeldes bzw. des jeweiligen Kontextes zum Gegenlesen“ vorgelegt werden müssen. Dabei gehe es auch um Zitate in „der Überschrift des Artikels, in Bildunterschriften, Zwischenüberschriften, Ankündigungen (…)“.

Grundsätzlich hält die Redaktion der Hamburger Morgenpost die Autorisierung von Zitaten für akzeptabel und eine gängige Praxis. „Bei einem derart drastischen Eingriff in die Pressefreiheit verzichtete die Mopo aber lieber auf das Gespräch“, erklärt die Boulevard-Zeitung. „Auch die Deutsche Presseagentur sagte aus diesem Grund ihr Gespräch mit Schweiger ab“.

Damit flammt wieder eine Diskussion auf, die seit Monaten immer heftiger in den deutschen Redaktionen geführt wird. So weigerte sich das Medienmagazin DWDL gerade erst ein Interview mit “X-Factor”-Moderator Jochen Schropp zu veröffentlichen, weil in den Text zu stark eingegriffen wurde. Der Spiegel-Ressortleiter Thomas Tuma sprach sich dagegen für eine Zitat-Kontrolle aus.

Am Konsequentesten geht allerdings die New York Times mit dem Thema um. In einem Memo an ihre Mitarbeiter fordert die New York Times-Chefredakteurin Jill Abramson gerade, künftig Interviews abzulehnen, wenn eine nachträgliche Freigabe verlangt wird. "Trotz den besten Bemühungen unserer Reporter, befürchten wir, dass die Forderungen nach nachträglichen Zitat-Autorisierungen mittlerweile zu weit gehen", schreibt die 58-Jährige.

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