ZDF an CSU: „Wir senden, was wir senden“

Fernsehen Es hagelt Kritik von allen Seiten: Am Sonntag soll Horst Seehofers Sprecher Hans Michael Strepp versucht haben, einen "heute"-Bericht über den SPD-Parteitag in Bayern zu verhindern. Das ZDF sendete den Beitrag trotzdem. "Der Versuch der CSU-Pressestelle, beim ZDF einen Informationsboykott des politischen Gegners zu erwirken" ist laut DJV nicht mit dem Gebot der Staatsferne vereinbar. "Pressefreiheit gilt auch in Bayern", meint SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann.

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Seehofer erklärte am Rande der von ihm eröffneten Münchner Medientage, dass sein Sprecher ihn über den Anruf informiert hätte, allerdings bestreite, Einfluss auf die Berichterstattung des Sender genommen zu haben. "Es wäre auch inakzeptabel", erklärte Seehofer gegenüber der dpa. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann meint, Seehofer müsse "klarstellen, dass die Pressefreiheit auch in Bayern gilt".
Derweil begrüßt der DJV, dass sich der Sender in seiner redaktionellen Unabhängigkeit nicht beirren ließ. "Es ist nicht zulässig, wenn Vertreter der Politik die Medien für ihre Zwecke zu instrumentalisieren versuchen", erklärt Bundesvorsitzender Michael Konken und forderte die Journalistinnen und Journalisten aller Medien auf, vor allem in Wahlkampfzeiten besonders wachsam gegenüber allen Versuchen der Einflussnahme zu sein. 
Für das ZDF ist die Angelegenheit noch längst nicht vom Tisch. Strepp müsse die Frage beantworten, warum und mit welcher Intention er direkt in der "heute"-Redaktion angerufen habe, meint ZDF-Chefredakteur Peter Frey, der mit der Reaktion der Kollegen sehr zufrieden ist. "Wir senden, was wir senden, egal wer anruft." Die "heute"-Redaktion habe mit der Aktion ihre Unabhängigkeit bewiesen.
Die SPD will nun den Anruf von Strepp beim nächsten Treffen des Programmausschusses Chefredaktion des ZDF-Fernsehrates thematisieren. Laut Spiegel Online habe Fraktionsgeschäfstführer Christian Lange bereits einen Antrag an den ZDF-Intendanten Thomas Bellut geschickt. Dort sei die Rede von einem Skandal, der den Grundsatz einer unabhängigen Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit Füßen trete.
Seehofer versicherte, Strepp habe die Medien nicht beeinflussen wollen. Allerdings erwartet Bayerns Ministerpräsident eine Erklärung von seinem Sprecher.

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