Freimuth, ein Leichtathlet im Lovestorm

Publishing Der Leichtathlet Rico Freimuth hat keine Lust mehr auf Facebook. Schuld daran sind vor allem die Frauen dieser Welt. Nachdem der Zehnkämpfer bei den olympischen Spielen in London den sechsten Platz erzielte, wurde er nämlich mit Date-Anfragen überschüttet. 150 Frauen wollten ihn näher kennen lernen, einige sofort heiraten. Die hartnäckigsten Fans schickten sogar leicht- bis unbekleidete Fotos von sich. Schuld war ein leichtsinniger Fehler des Sportlers – und ein Problem, das viele plötzliche Stars haben.

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Über 1.700 Freunde hat Zehnkämpfer Rico Freimuth auf Facebook. Vor seiner Olympia-Teilnahme waren es rund 300. Doch seitdem hat sich im sozialen Netzwerk einiges geändert für den 24-Jährigen. "Ich habe den Überblick verloren. Es macht kaum noch Spaß", sagt er im Hinblick auf Facebook gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung.
Was war passiert? Als Freimuth im August über die TV-Bildschirme sprintete, mit Unbekümmertheit und einem guten Ergebnis auffiel, wollten nicht wenige Zuschauer mehr über den Sportler wissen. Viele suchten den direkten Kontakt. Der lässt sich heutzutage über soziale Netzwerke leicht finden. Zwar hatte der Leichtathlet rechtzeitig vor den Spielen noch eine Fanseite eingerichtet, so dass zumindest potentiell Privates von Offiziellen zu trennen gewesen wäre. Als bei Freimuth die große Aufmerksamkeit kam, blieb der junge Athlet jedoch nicht konsequent. Weil er sich über den Zuspruch und das Interesse freute, habe er viele Freundschaftsanfragen wahllos einfach bestätigt, verrät Freimuth der Mitteldeutschen Zeitung.

Was in der Folge passierte hatte der Mann aus Halle nicht erwartet: "Es kamen irre Heiratsanträge, manche schöne Unbekannte schrieb einfach: ,Ich liebe Dich‘, etwa 150 Mädchen und Frauen wollten mit mir ausgehen. Manche schickten Nacktbilder", beschreibt Freimuth was geschah und bezeichnet es als "unglaublich".
Lovestorm statt Shitstorm – die sozialen Netzwerke können beide Seiten der Gefühlswelt in Massen auf Personen herabregnen lassen. Freimuth ist bei weitern nicht der einzige, der via Facebook von Fans bedrängt wird. Aufgrund ihrer umstrittenen Reaktion in Erinnerung ist der Fall der Hochspringerin Ariane Friedrich, die ebenfalls angab wiederholt von Fans über das Internet belästigt worden zu sein. Die Dunkelziffer an Belästigten dürfte noch deutlich höher liegen.
Schwer haben es besonders die Prominenten, die schnell oder gar unerwartet bekannt werden und nicht, wie Freimuth, eine Fansite vorbereitet haben, die zumindest einiges abfängt. Nur wenige Prominente sprechen offen über aufdringliche Fans. Gerade junge Sportler sind für Stalker und massenhafte Verehrer anfällig, und daran ist Facebook nicht ganz unschuldig.
Das Unternehmen zwingt streng genommen jeden Nutzer dazu, unter seinem Klarnamen im Netzwerk zu agieren. Da Sportler selten unter Pseudonymen bekannt werden, lassen sie sich leicht im Netzwerk finden, zumindest wenn die entsprechenden Personen sich an die Facebook-AGB halten. Dagegen können nur streng eingestellte Privatsphäre-Einstellungen und ein rigoroses Abblocken von Kontaktversuchen unbekannter helfen – oder aber der eigentlich untersagte Griff zu einem Pseudonym.

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