Sky und Telekom: René und Brian kuscheln

Fernsehen Die Elefantenrunde zum Auftakt der Münchner Medientage musste diesmal mit vier Diskutanten weniger auskommen. Die Runde zu reduzieren war eine gute Idee. Das von Miriam Meckel souverän moderierte Podium war fokussierter und debattenfreudiger als in den vergangenen Jahren. Dazu trug auch Telekom-Chef René Obermann als gut aufgelegter Neu-Elefant bei. Ergebnis des Gipfels: vielleicht ein runder Tisch. Und eine sich anbahnende Love-Story zwischen Sky und der Telekom.

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Ziemlich zu Beginn machte René Obermann Sky-Deutschland Chef Brian Sullivan ganz unverblümt schöne Augen. Die Telekom würde gerne mit Sky kooperieren sagte er. Bei Sullivan stießen die Avancen auf offenen Ohren: „Wir sind offen für Gespräche mit unseren Freunden bei der Telekom“, flötete er zurück er. Die beiden konnten sich dann gerade noch so zurückhalten, auf offener Bühne mit der Ausarbeitung der Vertragsdetails zu beginnen.

Hintergrund ist, dass Sky der Telekom die Internet-Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga weggeschnappt hat. Obermann hätte aber für Angebote wie T-Entertain gerne attraktive Inhalte. Sky hat viele Inhalte und könnte wohl noch ein bisschen Reichweite ganz gut gebrauchen. Da haben sich wohl zwei Firmen gefunden, die gut zusammenpassen könnten. So wie sich Obermann und Sullivan auf dem Podium tief in die Augen schauten, haben sie hinter der Bühne bestimmt sogleich die Köpfe zusammengesteckt, um die Pressemitteilung auszuformulieren.

Auch ansonsten war die Verpflichtung von René Obermann ein Gewinn für die Runde. Er brachte eine gute Prise Humor und einiges an Sachverstand aufs Podium, was ja per se kein Fehler ist. Zu Beginn verlor sich die Debatte noch ein wenig im Kleinklein (Gottschalk, Harald Schmidt, Burdas Freundin, what the …?) aber nach einiger Zeit kamen die Elefanten mit der Zielsicherheit einer Cruise Missile auf ihr Lieblingsthema zu sprechen: Regulierung!

Um die liebe Not der deutschen Medienwirtschaft mit der vermaledeiten Regulierung kreiste ja schon die reichlich fruchtlose Debatte vom vergangenen Jahr. Doch diesmal war Prof. Meckel angetreten, um streng mit der Brille fuchtelnd konkrete Ergebnisse zu liefern. Und das Ergebnis ist: ein runder Tisch! Juhu! Dem im Publikum permanent schmunzelnden und applaudierenden bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer wurde von der Bühne herunter das Versprechen abgerungen, einen runden Regulierungstisch ins Leben zu rufen, an dem dann auch die Herren von Google Platz nehmen dürfen, bzw. müssen.

Denn das Verhältnis der hiesigen Medienmacher zum Internet-Platzhirschen aus den USA ist nach wir vor gereizt. ProSiebenSat.1-Vorstand Conrad Albert ging Google-Vertreter Stefan Tweraser mehrfach hart an: „Ihr Schafspelz wird dünner und wir sehen, was dahintersteckt!“ Nämlich, laut Albert: ein Fernsehsender! Er meint Youtube. Herr Tweraser verneinte natürlich mehrfach, dass die Du-Röhre ein Sender sei. So ganz konnte man sich in diesem Punkt freilich nicht einigen.

Tobias Schmid, medienpolitischer Leiter von RTL Deutschland hat das Fach Regulierungskunde in der Schule wahrscheinlich mit einer Eins mit Sternchen abgeschlossen, was es manchmal ein bisschen schwierig machte, seinen Ex-Post-Gedankensprüngen zu folgen. Nur soviel: „Es wäre toll wenn Kartellamt, Landesmedienanstalten und Bundesnetzagentur zumindest mal die Telefonnummern austauschen würden.“ Das haben wir kapiert! Um es zusammenzufassen: Den hiesigen Medienmenschen gibt es zu wenig Regulierung für Google und Co. und zu viel Regulierung für sich selbst. Es ist halt auch schwierig, mit den ganzen Staatsverträgen, Landesmedienanstalten und überhaupt diesem Föderalismus-Gedöns. Da müssen ganz schön dicke Bretter gebohrt werden. Demnächst auch an einem runden, bayerischen Tisch. Dort wird dann auch gewiss definitiv geklärt werden, ob Google jetzt ein Fernsehsender, Medienanbieter oder eine Infrastrukturplattform ist. Irgendeine Regulierungsbehörde wird sich dann schon finden. Ganz bestimmt.

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