Promi-Flut: Verliert der Tatort seine Seele?

Fernsehen Ab 2013 werden Nora Tschirner und Christian Ulmen als Tatort-Ermittler zu sehen sein. Das jedoch nur einmal pro Jahr als Special. Mit dem HR-Krimi um Ulrich Tukur als Felix Murot, den beiden Hamburg-Tatorten zum einen mit Til Schweiger und zum anderen mit Wotan Wilke Möhring sowie dem neuen Erfurter Ermittlungsteam werden damit immer mehr der Sonntagabend-Krimis zu einjährigen Ereignissen. Verliert der Tatort seinen Charakter als Serie?

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Stimmt der Bericht der Bild werden Christian Ulmen und Nora Tschirner in den Weihnachtstagen erstmals vor der Kamera stehen, um einen Tatort zu drehen. Handlungsort wird Weimar sein und der Ausstrahlungstermin stehe ebenfalls schon fest: Der Krimi soll als Special im kommenden Jahr um die Festtage laufen und als aufwendig produziertes Ereignis bewusst gegen die großen Spielfilme der Konkurrenz bestehen können.
2012 gab es bereits zu Ostern ein Special: Erstmalig wurde ein zweiteiliger Tatort ausgestrahlt. Dabei wurde jedoch auf bekannte Tatort-Gesichter gesetzt: Die Ermittlerteams aus Köln (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär) und Leipzig (Simone Thomalla, Martin Wuttke) waren zu sehen. Die Quoten gaben den Machern Recht. Allgemein kann sich die Tatort-Reihe nicht über schlechte Zuschauerzahlen beklagen.
Doch aktuell bemüht man sich in den ARD-Anstalten dennoch um eine Verjüngung, versucht mit Stars sowie unkonventionellen Geschichten und Charakteren neue Zuschauer zu gewinnen. Vor allem Till Schweiger und nun Ulmen und Tschirner sorgen für ein großes Medienecho und wecken Interesse bei Menschen, die bisher nicht zum Tatort-Klientel gehörten.
Für die künftig in Weimar ermittelnden TV-Kommissare hat die ARD sich laut dem Bild-Bericht sogar eigens einen neuen Finanzierungsschlüssel ausgedacht: Da eigentlich schon alle MDR-Krimis vergeben waren, als die Produzenten "Wiedemann & Berg" ihr Konzept einbrachten, der Sender auf den Star-Tatort aber nicht verzichten wollte, springt die ARD-Tochter Degeto als Partner ein.
Trotz des Medien- und vermutlich auch Zuschauer-Interesses an den neuen Tatort-Teams bleibt die Frage, ob der TV-Klassiker durch die Stars nicht seine Seele verliert. Tschirner und Ulmen werden nur einmal im Jahr zu sehen sein. Ebenso verhält es sich mit dem zweiten Kino-Star der neu zur Serie stoßen wird, Til Schweiger. Das führt dazu dass es mit Fernsehpreis-Gewinner Wotan Wilke Möhring einen zweiten Hamburg-Tatort gibt, der den zweiten Sendeplatz ausfüllt, den der NDR für einen Krimi in der Hansestadt vorgesehen hat. Auch Möhring wird also nur einmal im Jahr ermitteln.
Bereits jetzt nur einmal jährlich zu sehen ist der Wiesbadener LKA-Ermittler Felix Murot, den Ulrich Tukur darstellt. Und auch das neue MDR-Gespann Friedrich Mücke, Benjamin Kramme, Alina Levshin wird dem Vernehmen nach nur einmal pro Jahr in Erfurt auf Verbrechersuche gehen. Seit der WDR in Dortmund ein weiteres Team etabliert hat, wird auch im Westen, wo sich Köln, Münster und die Stadt des deutschen Fußballmeisters um die Sendeplätze drängen das Wiedersehen mit bekanten TV-Gesichtern seltener.
Ein wichtiges Kriterium einer TV-Serie ist es aber, dass Charaktere wiederkehren und so eine gewisse Kontinuität aufkommt. Nur so kann sich der Zuschauer dauerhaft mit den dargestellten Personen identifizieren. Der Tatort war zwar schon immer eine Dachmarke unter der sich viele einzelne Serien verbargen. Aktuell entwickelt er sich aber zu einem Titel, unter dem sich einzelne Spielfilme verbergen.
Ob das gut oder schlecht ist, wird der Zuschauer bewerten müssen. Trotz Erfolgs unterliegt der Tatort in jedem Fall einem Wandel. Geht er weiter könnte das einzige wiederkehrende Element schon bald das Intro sein – aber auch das wollte Till Schweiger bekanntlich ja bereits ändern.

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