Das abrupte Ende des Wendler-Shitstorms

Publishing Der wohl bislang größte Shitstorm im deutschen Web ist vorbei: Der Macher der Facebook-Seite "100.000 Menschen, die Michael Wendler scheiße finden", hat die Page vom Netz genommen. Als Grund gab er gegenüber dem Blog Socialpunk.de an, dass er die Kommentare und Drohungen nicht mehr unter Kontrolle bekommen hätte. Währenddessen verweist das Management des selbsternannten "König des Popschlagers" auf ein Posting, dass vermutet, dass die Anti-Seite Fans zugekauft haben könnte.

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Demnach hätte der Macher von "100.000 Menschen, die Michael Wendler scheiße finden" bei Fandealer.net Fans zu je 1 Fancoin (0,02 Euro) eingekauft. Wie viele Freunde über den Fan-Händler veräußert wurden, ist allerdings unklar. Ebenso die Frage, ob tatsächlich die Initiatoren der Anti-Seite hinter der Aktion stecken. Der Fan-Dealer-Text ist zudem noch mit kruden Anschuldigungen gegen Axel Springer und RTL angereichert, was ihm allerdings wieder einiges seiner Glaubwürdigkeit nimmt.

Die abgeschaltete Anti-Seite: 100.000 Menschen, die Michael Wendler scheiße finden

Selbst wenn die Macher hinter der Protestseite auch falsche Anhänger eingekauft hätten, erreichte die Protestwelle überwiegend deshalb ihre immense Kraft, weil sie – aufgrund der massiven Medienberichterstattung – das beherrschte Boulevard-Medienthema am Donnerstag und Freitag war. Die Storys über die Wendler-Proteste gehörten jeweils zu den im Social-Web am häufigsten geteilten Artikeln des Tages.

Über das Wochenende verselbstständigte sich allerdings der Shitstorm auf der Anti- Seite. Der Schlagersänger soll dort teilweise gar kein Thema mehr gewesen sein. Stattdessen sei die Zahl beleidigender und zum Teil rassistischer Äußerungen sprunghaft gestiegen. Direkt nach dem Löschen der Kommentare sollen sie einfach wieder veröffentlicht worden sein.

Der Grund für die Hass-Welle, mit der der Schlager-Sänger zu kämpfen hatte, war die Ausstrahlung der TV-Sendung "Christopher Posch – Ich kämpfe für ihr Recht" am Mittwochabend. Darin hatte der 40-Jährige einen Rechtsstreit gegen zwei Verehrerinnen verloren, die auf Mallorca ein Fan-Café eröffnet hatten.

Kurz nach der RTL-Sendung ging die Anti-Seite online und erzeugte sofort eine massive virale Zugkraft. Innerhalb von 19 Stunden erreichte die Page ihr selbst gesetztes Ziel von 100.000 Fans. Auf ihrem Höhepunkt wuchs die Protestseite mit rund 300 neuen Fans pro Minute. Insgesamt sammelte die Protestseite 280.000 Unterstützer. Laut Facebook-Auswertung sprachen zeitweise über 700.000 Personen über die Page.

So schnell wie der Beschwerde-Sturm bei Facebook losbrach, so fix ist er nun auch wieder vorbei. Die Folge: Das Image von Michael Wendler hat einen gewissen Schaden genommen. Vor allem das Verhältnis zu seinen Fans wird wohl in den kommenden Monaten immer wieder kritisch hinterfragt werden. Andererseits konnte der Schlager-Star durch den Mega-Shitstorm seine Bekanntheit massiv steigern. Unklar ist, ob auch in Social-Media-Zeiten noch immer der alte PR-Grundsatz gilt, dass es egal sei, warum über einen berichtet wird: Die Hauptsache ist, dass die Menschen über einen sprechen.

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