„Zeit für Ullrich, reinen Tisch zu machen“

Publishing Die Entscheidung des Welt-Radsportverbands UCI, Lance Armstrong alle sieben Tour de France-Titel wegen Dopings abzuerkennen, stößt auf ein einhellig positives Medienecho. Die Entscheidung des UCI sei “ohne Ausweg” gewesen, befindet beispielsweise Spiegel Online. Die Beweislast, die die US-Anti-Doping-Agentur Usada vorgelegt habe, war schlichtweg erdrückend. Viele Medien meinen aber auch: Die Doping-Aufklärung im Radsport ist noch lange nicht endgültig geleistet.

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Christian Paul kommentiert bei Spiegel Online: “Sie hatten gar keine Wahl. Als UCI-Präsident Pat McQuaid am Montagmittag im Hotel Starling in Genf verkündete, dass sich Lance Armstrong, der gefallene Radstar, nun nicht mehr Tour-de-France-Sieger nennen darf, hielt sich die Überraschung in Grenzen.” Armstrong sei am Ende, “für den Weltverband hingegen kann die Entscheidung nur der Anfang sein.” Kritisiert wird auch die Rolle des Welt Radsportverbands UCI selbst. Dieser habe zur Aufklärung des Falls Armstrong nichts beigetragen: “Im Gegenteil. Der Usada-Bericht suggeriert, die UCI habe von Armstrongs Praktiken gewusst – und sie zu verdecken versucht.”

Auch der Sportreporter und Blogger Jens Weinreich merkt zur der UCI-Pressekonferenz kritisch an, UCI-Präsident Pat McQuaid habe “Kreide gefressen”. Der UCI akzeptiere im Grunde nur die “überwältigenden Unterlagen”, die die Usada vorgelegt hat. Bei Tagesspiegel.de schreibt Robert Ide vom “Gipfel aller Dopingskandale”. Auch er ist sich sicher: “Für den Radsport fangen die schweren Zeiten erst an.” Über Lance Armstrong heißt es im Tagesspiegel.de-Kommentar: “Nun haben sie ihn von seinem auf Lügen errichteten Sockel gestoßen, nun ist der Unantastbare doch ein einsamer Mann, der im Geschichtsbuch als König des Dopings geführt wird.”

Der Radsport der Neuzeit werde diesem Skandal nicht so schnell davonfahren können, heißt es weiter. Kritisiert wird auch, dass die Sponsoren lange Zeit „nichts sehen wollten“. Viele Verantwortliche des dopingverseuchten, vergangenen Radsport-Jahrzehnts seien zudem noch in Verantwortung und müssten weiter verfolgt werden. Darum meint Tagesspiegel.de: “Der Radsport kann eigentlich nur von vorne beginnen, wenn er erst nach hinten schaut und dann nach vorn.”

“Jetzt hilft nur radikales aufräumen”, meint auch Axel Kintzinger bei FTD.de. Der UCI wird auch hier scharf kritisiert: “Deren Präsidenten Hein Verbruggen und Nachfolger Pat McQuaid, der aktuelle Verbandschef, haben über Jahre alles getan, um Armstrong zu Diensten zu sein. Wenn McQuaid jetzt davon spricht, dass ‘so etwas nie wieder passieren’ dürfe und dass der Radsport einen Neuanfang brauche, dann ist das eine späte Erkenntnis. Eine zu späte.” Auch hier wird die Rolle der Sponsoren angeprangert: “Ihre späte Flucht in der vergangenen Woche, also schon einige Zeit nach Veröffentlichung des beklemmenden Reports der US-amerikanischen Anti-Dopingagentur Usada, entbindet sie nicht von Mitverantwortung.” Am Ende des FTD.de-Kommentars wird darauf verwiesen, dass der deutsche Ex-Radprofi Jan Ullrich zu seinen Dopingvorwürfen noch immer schweigt: “Um reinen Tisch zu machen, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt für ihn. Wahrscheinlich auch der letzte.”

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