Warum Verlage Google (auch) danken sollten

Publishing Google steht mal wieder im Zentrum der Debatte. Der Spiegel macht erneut eine kritische Google-Story und parallel macht die News die Runde, dass in Brasilien 154 Zeitungen aus Protest aus Google News ausgestiegen sind. Aber ist Google wirklich so ein Problem für Verlage und Medienhäuser? Nüchtern betrachtet profitieren Verlage und Medien von Google in erheblichem Ausmaß. MEEDIA nennt fünf Gründe, warum Verlage Google eigentlich auch dankbar sein sollten.

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1. Google ist (relativ) neutral

Zugegeben: Die Neutralität von Google ist mindestens umstritten. Google ist selbstverständlich ein Konzern, der den eigenen Gewinn maximieren will und eigene Interessen verfolgt. Die oftmals von deutschen Medienhäusern geäußerte Kritik, Google sei nicht neutral und transparent läuft aber ins Leere. Google hält die Funktionsweise seines Algorithmus aus gutem Grund geheim. Schon jetzt beschäftigen deutsche Medienhäuser viele SEO-Experten (SEO bedeutet Search Engine Optimization, also Suchmaschinenoptimierung), die mit allen möglichen Tricks versuchen Google dazu zu bringen, die Angebote der Medienhäuser prominenter anzuzeigen – ganz egal ob es sich dabei um relevante handelt oder nicht: hier zählt nur der nackte Traffic. Würde Google seine Such-Mechanismen offenlegen, wäre Manipulationen durch Firmen und Medien Tür und Tor geöffnet. Dann würden die Suchergebnisse mit Sicherheit grob verfälscht und Google würde sein Geschäftsmodell, das auf zuverlässigen Suchergebnissen basiert, aufgeben. Im aktuellen Spiegel wird der ProSiebenSat.1-Vorstandschef Thomas Ebeling mit den Worten zitiert: “Fast niemand weiß, warum ein Ergebnis unter den ersten zehn Treffern erscheint.” Ja klar. Und das ist gut so!

2. Google bietet gute Services

Kleinere oder mittlere Unternehmen können auf Google als technischen Dienstleister zurückgreifen. Google bietet Firmen an, den Mailverkehr zu übernehmen, Kalender zur führen oder stellt Tools für Telefon und Videokonferenzen zur Verfügung. Diese Dienstleistungen sind ab einer Teamgröße von über zehn Personen kostenpflichtig, Google tritt damit also in Konkurrenz zu ganz normalen IT-Firmen, die ebenfalls solche Dienstleistungen anbieten. Auch internationale Medienunternehmen nutzen diese kostenpflichtigen Google-Dienstleistungen und werden von Google als zufriedene Referenzkunden geführt, u.a. die Guardian-Gruppe, die Huffington Post und die Trinity Media Group (Daily Mirror). Googles Videodienst YouTube wird zudem von vielen Medienhäusern als praktische, kostenlose Video-Plattform genutzt, um eigene Bewegtbild-Inhalte online zu bringen und in Websites einzubauen. Eine nicht zu unterschätzende Gratis-Dienstleistung, für die Google keinen Cent berechnet.

3. Google erstellt keine Inhalte

Ein wichtiges Detail, das in der Debatte um Google gerne übersehen wird: Google hält sich aus dem Inhalte-Geschäft raus. Der Internet-Konzern erstellt – anders als etwa Yahoo und AOL, keine eigenen Inhalte. Google vermeidet dadurch explizit die direkte Konkurrenz mit Medienunternehmen. Das ist insofern schlau, als Medienunternehmen ja weltweit zu den Kunden von Google zählen. Aus Sichtweise von Google ist die mediale Welt sauber getrennt: Auf der einen Seite stehen Medienhäuser, die Inhalte erstellen und vermarkten. Auf der anderen Seite steht Google, das als Suchmaschine hilft, diese Inhalte im Web zu finden. Für diese Vermittlungsarbeit kassiert Google in Form von Suchtrefferanzeigen eine Art Provision – für die aber die Anzeigenkunden zahlen und nicht die Websites, die hinter den Suchtreffern stehen. Würde Google selbst Inhalte produzieren und diese in den Suchergebnissen bevorzugen, dann hätte die Medienindustrie tatsächlich Grund, sich über mangelnde Neutralität und unfaires Verhalten von Google zu beklagen. Das ist aber nicht der Fall.

4. Google kümmert sich um Kultur

Google macht sich in seinem Google Books Projekt die Mühe und scannt Millionen von Büchern und macht diese digital nutzbar. Auf diese Weise werden zum Beispiel Literatur-Klassiker online für Leser weltweit unkompliziert zur Verfügung gestellt. Beim Google Books Projekt hat der Internet-Konzerns freilich vor allem zu Beginn viel berechtigte Kritik auf sich gezogen, weil auch Bücher, die noch mit Copyright versehen waren, ohne Einwilligung gescannt wurden. Dieses Verhalten von Google – erst einmal großflächig Rechtsbrüche begehen und hinterher eine gerichtliche Einigung anstreben – ist eine der hässlichen Seiten des Konzerns. Allerdings sind die hiesigen Medienunternehmen hiervon nicht betroffen. Von den Rechtsstreitigkeiten rund um Google Books abgesehen, kann man nicht bestreiten, dass das Projekt einen großen kulturellen Beitrag leisten kann. Ein anderes kulturell wertvolles Projekt ist Google Sea View. Hier hat Google gefährdete Unterwasser-Riff-Landschaften fotografieren lassen. Die Aufnahmen wurden bei Google Maps integriert. Für den Konzern hat das keinen direkten monetären Nutzen.

5. Google schafft Traffic

Der Hauptgrund, warum Verlage und andere Medienunternehmen Google dankbar sein sollten, ist immer noch der, dass Google für Traffic sorgt. Laut einer Aussage von Google-Sprecher Kay Oberbeck werden pro Minute rund 100.000 Klicks von Google auf Internet-Seiten von Verlagen weitergeleitet. Verlage strengen sich mit aberwitzigen redaktionellen Verrenkungen an, möglichst häufig und großflächig bei Google News gelistet zu sein, weil auch dies enorme Traffic-Zuwächse bringt. Google verzichtet sogar auf eine Vermarktung der Google-News-Seiten mit Anzeigen. Google stellt Lesern und Verlagen mit Google News einen kostenlosen Service zur Verfügung. Würden Verlage solch ein Angebot betreiben, würden sie vermutlich Geld dafür verlangen, wenn jemand dort gelistet sein möchte.

Google hat tatsächlich in einigen Branchen für massive Verwerfungen gesorgt. Durch einen Dienst wie Google Maps sind beispielsweise die Hersteller von Karten- und Navigationssoftware in massiver Bedrängnis. Microsoft wird von Google durch den Browser Chrome, die kostenlose Online-Bürosoftware und jüngst sogar ein eigenes Betriebssystem frontal angegriffen. Und wie reagiert Microsoft? Das Unternehmen bemüht sich, die eigenen Produkte zu verbessern und den Google-Produkten Paroli zu bieten. Die Probleme von Verlagen aber, haben gänzlich andere Gründe als Google. Nämlich: Im Vergleich zu Print-Anzeigen generiert klassische Online-Werbung verglichen mit der Reichweite sehr geringe Erlöse. Es handelt sich hierbei um ein strukturelles Problem des Medienwandels, das nicht einseitig Google angelastet werden kann. 
Der Kernproblem, dass viele Verlage mit Google haben, ist, dass Google im Internet Geld verdient und viele Verlage nicht. Dabei wären gerade die Verlage ohne Google vermutlich deutlich schlechter dran.

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