Google-Spiegel: Türsteher und Ladenhüter

Google geht immer. So lautet die Devise der Internet-Geschichten, die der Spiegel jedes Jahr aufs Neue auf Cover hebt. Mal wurde der Internet-Riese als "der Konzern, der mehr über sie weiß als Sie selbst" gebrandmarkt, mal im Vierkampf um die Web-Herrschaft mit Apple, Amazon und Facebook gesehen. Jetzt knöpfen sich die Hamburger Google als "Türsteher" des Internets vor, der rücksichtslos bei Suchergebnissen nach eigenen Interessen handelt. Der Vorwurf: nicht falsch, aber auch nicht neu.

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Google geht immer. So lautet die Devise der Internet-Geschichten, die der Spiegel jedes Jahr aufs Neue auf Cover hebt. Mal wurde der Internet-Riese als "der Konzern, der mehr über sie weiß als Sie selbst" gebrandmarkt, mal im Vierkampf um die Web-Herrschaft mit Apple, Amazon und Facebook gesehen. Jetzt knöpfen sich die Hamburger Google als "Türsteher" des Internets vor, der rücksichtslos bei Suchergebnissen nach eigenen Interessen handelt. Der Vorwurf: nicht falsch, aber auch nicht neu.  

Es geht nicht gut los. Schon der erste Satz der neuen Spiegel-Titelstory "Die undurchsichtigen Methoden eines übermächtigen Konzerns" klingt so, als wäre bereits hundertfach verwendet worden. "Aus Google ist die mächtigste Suchmaschine der Welt geworden", ist da zu lesen im neuen Spiegel, erschienen am 22. Oktober 2012. Geworden? Bereits 2004, als Google furios an der Nasdaq debütierte, war Google die mächtigste Suchmaschine – und zwar mit Abstand.

Und mehr noch: "Irgendwie leben wir alle im "Google-Land", schreibt der Spiegel in den einleitenden Sätzen. Tatsächlich ist das seit Anfang der Nullerjahre so. Sofort werden Erinnerungen an die wenig gelungenen Internet-Titel der jüngeren Vergangenheit wach. Als "Der Konzern, der mehr über sie weiß als Sie selbst" wurde Google vor knapp drei Jahren schon mal als Datenkrake gebrandmarkt und vor einem Jahr in einen Vier-Kampf um die Vorherrschaft des Webs verstrickt.

Was bedeutet Googles Allmacht für Kunden und Konzerne?
Zwölf Monate nach der denkwürdig misslungenen Spiegel-Coverstory, die einen Abgesang auf Apple startete und Facebook als kommenden Web-Star feierte, ist Google größer und stärker als je zuvor. Vor wenigen Wochen wurden erstmals nach fünf Jahren wieder an der Wall Street neue Allzeithochs aufgestellt und zeitweise sogar Microsoft überholt  – darüber indes verliert der Spiegel kein Wort.  

Was Google eigentlich wert ist (vor kurzem war es immerhin eine Viertelbillion), scheint an der Ericusspitze kein Thema zu sein. Das Thema lautet vielmehr: Was macht die inzwischen erlangte Macht aus dem gerade mal 14 Jahre alten Internet-Unternehmen – und was bedeutet sie für Nutzer und Werbekunden?

"Was relevant ist und was die beste Antwort, entscheidet Google"
Die Antwort kann man sich nach alter Spiegel-Schule schnell selbst geben: nichts Gutes natürlich. "Die Welt ist, wie Google sie uns präsentiert", lautet der beste Satz und das eigentliche Fazit des 14-Seiters. Dass diese Form der Präsentation durchaus nicht nur Gutmenschentum verpflichtet ist, erschließt sich eigentlich schon aus den Gepflogenheiten einer börsengelisteten Aktiengesellschaft. Google ist zu Rekordgewinnen am Fließband verdammt, ansonsten stürzt die Aktie ab wie am vergangenen Donnerstag.

Wie überraschend kann es da sein, dass Suchergebnisse – auch – "den eigenen wirtschaftlichen Interessen" gehorchen? "Was relevant ist und was die beste Antwort, das entscheidet einzig und allein die Firma", echauffiert sich der Spiegel. War das etwa unter Steve Jobs bei Apple anders – oder ist es das heute unter Tim Cook?

Das Hamburger Nachrichtenmagazin gibt sich gleich zu Anfang selbst die Antwort: "Das von Google selbst verbreitete Bild einer neutralen und objektiven Suchinstanz ist dabei deshalb schon falsch, weil der Konzern seine Trefferlisten möglichst gewinnbringend vermarkten will, das ist der Kern seines Geschäftsmodells." Wäre das auch endlich geklärt.

John Malone: Eine Regulierung wird kommen

Bleiben in den folgenden vier Fünftel der Titelgeschichte die Fragen nach den Folgen: Großkonzerne wie ProSiebenSat.1 oder Expedia beschweren sich etwa, dass ihre Suchergebnisse plötzlich auf hintere Ränke abstürzen, als sie in einen Interessenkonflikt mit dem Internet-Giganten gerieten. Nutzer würden zudem schon mal bewusst irregeführt, weil ein Werbekunde bei der Suchausgabe Vorrecht genieße – wie die Deutsche Bahn bei Google Maps zugunsten von lokalen Konkurrenten wie der Bayerischen Regiobahn oder der HKX Express.

Für Google selbst könnten die Konsequenzen noch ausstehen. Denn nach Meinung der Hamburger verdichten sich die Anzeichen für eine Kartellklage seitens der US-Handelkommission FTC oder der EU. US-Medientycoon John Malone spricht im anschließenden Interview Klartext: Eine Regulierung werde kommen – "wenn nicht in den USA, dann in Europa", so der US- Medienunternehmer und Chairman von Liberty Global.

Was das für Google bedeuten würde, ist in der aktuellen Titelstorry leider nicht zu lesen. Dabei sind die Anleihen an die Vergangenheit nur allzu greifbar: Microsoft war nach der Eröffnung der Klagewelle nach der Jahrtausendwende nicht mehr derselbe Konzern wie vorher. Und auch eine übermächtig scheinende Suchmaschine hat den Erfolg beim Nutzer nicht automatisch für alle Zeiten gepachtet – die Konkurrenz ist im Web ja stets nur einen Klick entfernt.

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