IVW: Boulevardzeitungen verlieren extrem

Publishing Die Zeitungsauflagen gingen auch im dritten Quartal 2012 wieder deutlich nach unten. Bei den Regionalzeitungen gibt es ohne neu einberechnete ePaper und Sondereffekte keinen einzigen Gewinner, bei den Überregionalen legten per Abo und am Kiosk immerhin Handelsblatt und taz zu, bei den Wochenzeitungen Die Zeit. Besonders unter Druck stehen Boulevardblätter wie Bild, B.Z., Express und Abendzeitung - sie verlieren allesamt dramatisch an Zuspruch - um bis zu 8 Prozent.

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Beginnen wir unseren ausführlichen Blick auf die Zeitungs-Auflagen des dritten Quartals bei den überregionalen Titeln. Der Blick auf die Gesamt-Verkäufe zeigt hier den großen Verlierer und offenbar drei Verlierer. Beim Verlierer ist die Sache klar: Die Bild büßte im dritten Quartal erneut mehr als 150.000 Käufer gegenüber dem Vorjahr ein – das Minus beträgt 5,4%. Prozentual noch deutlicher verloren hat nur das Neue Deutschland, das mit nur noch 34.750 Lesern immer mehr zum kleinen Nischenblatt wird.

Bei den Gewinnern wird die Sache hingegen kompliziert. Das Handelsblatt legte im Gesamtverkauf um 0,1% zu, Konkurrent Financial Times Deutschland um 1,2% und die taz sogar um 2,2%. Betrachtet man allerdings nur die beiden wichtigen Auflagenkategorien Abos und Einzelverkauf, zeigt sich, dass nur Handelsblatt und taz als Sieger übrig bleiben. Das Handelsblatt liegt hier dank deutlichem Abo-Zuwachs sogar 2,1% im Plus, die taz immerhin noch 0,1%. Die FTD verlor in diesen Kategorien hingegen satte 8,9%. Das 1,2%-Plus im Gesamtverkauf kam nur dadurch zustande, dass das Blatt seine Bordexemplare um etwa 4.700 Stück erhöht hat. Bei der Bild wächst das Minus ohne sonstige Verkäufe sogar auf 8,0%.

Bei den Wochenzeitungen ist die Lage nicht ganz so kompliziert. Hier ähneln sich die Gewinne und Verluste im Gesamtverkauf denen bei Abos und Einzelverkauf. Die Zeit gewann im dritten Quartal ebenso wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 0,2% hinzu. Allerdings: Ohne Bordexemplare und sonstige Verkäufe wird aus dem kleinen F.A.S.-Plus ein kleines F.A.S.-Minus von 0,8%. Die Welt am Sonntag büßt in beiden Betrachtungen 3,3% ein, die Bild am Sonntag verliert insgesamt 7,7%, per Abo und Einzelverkauf sogar 8,2%.

So heftig es für das überregionale Boulevard-Duo Bild und Bild am Sonntag, so schwer haben es auch die großen regionalen Kaufzeitungen wie B.Z., Berliner Kurier, Express und Abendzeitung. Zwischen 6,5% und 8,6% der Vorjahres-Käufer büßte das Quartett ein. Etwas glimpflicher sind die Münchner tz (-3,5%) und die Hamburger Morgenpost (-4,4%) davon gekommen.

Unser ausführlicher Blick auf die Regionalzeitungs-Auflagen fördert auch diesmal wieder einige angebliche Gewinner zu Tage. In Wirklichkeit hat aber keine der Zeitungen tatsächlich Käufer gewonnen. Der Grund für die schwarzen Zahlen ist hingegen eine Änderung der IVW-Regularien. Seit dem zweiten Quartal 2012 werden nämlich die verkauften ePaper in die verkaufte Auflage hinein gerechnet, bis dahin wurden sie gesondert ausgewiesen.

So verzeichnet die Neue Westfälische etwa einen Gewinn von 4.306 verkauften Zeitungen, 10.749 Stück sind allerdings vorher nicht mit einberechnete ePaper – ohne diese elektronischen Verkäufe befände sie sich also im Minus. Bei der sh:z aus Schleswig-Holstein kommt zusätzlich zu den 12.764 verkauften ePaper ein weiterer Sondereffekt hinzu: ein paar übernommene Zeitungen fehlten vor einem Jahr noch in der sh:z-Auflage.

Endgültig wieder mit den Vorjahreszahlen vergleichbar sind die Print-Auflagen damm im zweiten Quartal 2013, bis dahin muss mit den Einschränkungen gelebt werden.

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