Döpfners Absage an die Print-Zukunft

Publishing Springer will sich noch stärker auf die Digitalisierung konzentrieren. So geht Vorstandschef Mathias Döpfner davon aus, dass das Medienhaus vor dem Jahr 2020, also schneller als bisher geplant, die Hälfte seiner Umsätze im Digital-Bereich erwirtschaften wird. Ein Baustein dabei ist die Einführung einer Paywall für Welt Online, die bereits zum Ende des Jahres startklar sein soll. Für das traditionelle Print-Geschäft bedeutet dies einen Investitionsstopp in neue Produkte.

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Im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters legt der CEO allerdings Wert darauf, dass das Wachstum aus dem Ausbau neuer Geschäftsfelder heraus resultiert und nicht „weil das Printgeschäft so schnell verfällt." Tatsächlich glaubt der 49-Jährige, dass „die goldenen Zeiten des Zeitungsgeschäfts“ vorbei seien. „Aber die silbernen können auch noch ganz schön sein."

Aktuell liegt der Umsatzanteil der E-Einnahmen bei gut einem Drittel. Wichtigste Säulen sind hierbei der Online-Marketing-Anbieter wie Zanox und das Web-Rubrikengeschäft. Zu letztem gehören Angebote wie die Immobilien-Website Immonet oder die Jobbörse Stepstone. In diesem Segment planen die Berliner mit Hilfe weiterer Zukäufe die Umsätze kräftig steigern zu können.

Zudem hofft der Springer-Chef, dass die Einnahmen aus dem Bereich Paid-Content schon bald ein wichtigerer Faktor werden. Denn immer mehr Verlage würden auf Bezahlschranken umschwenken. Döpfner glaubt, dass es einen "wachsenden Konsens gibt, die Idee, dauerhaft Freibier auszuschenken, ad acta zu legen. Zudem sehe ich eine zunehmende Akzeptanz bei den Endverbrauchern, für Inhalte zu bezahlen, insofern diese Mehrwert bieten und der Bezahlvorgang einfach ist."

Bei den Mobil-Apps sind bereits alle Angebote der Berliner kostenpflichtig. Die Online-Ausgabe der Print-Marken soll sukzessive folgen. "Wir wollen mit dem Online-Auftritt der Welt bis zum Ende des Jahres startklar sein für die Umwandlung in ein Bezahlmodell", zitiert die Agentur Döpfner. Als Vorbild bezeichnet er dabei die New York Times, bei der die ersten Artikel kostenlos sind und erst Vielleser zur Kasse gebeten werden. Ob diese Strategie aufgeht, kann der 49-Jährige jedoch nicht „garantieren“. Er sei allerdings zuversichtlicher als vor zwei Jahren.

Neben der Konkurrenz der klassischen Medienhäuser sieht sich Springer auch immer stärker im Wettbewerb mit US-Technologie-Riesen wie Apple oder Google. "Diese Supergiganten sind unsere Geschäftspartner und existenzielle Herausforderung zugleich. Dagegen sind wir doch eher eine kleine Start-Up-Bude aus Kreuzberg", zitiert Reuters Döpfner. Um besser mit diesen neuen Partner bzw. Rivalen umgehen zu können und noch besser auf die Herausforderungen des Medienwandels reagieren zu können, entsendete der Konzern gerade seine Top-Kräfte Kai Diekmann (Bild-Chef) und Peter Würtenberger (Chief Marketing Officer) ins Silicon Valley.

Die Erfahrungen und Kontakte, die dort geknüpft werden, sollen dem Konzern dann wieder helfen tatsächlich früher als 2020 die Hälfte des Umsatzes aus dem Digitalgeschäft heraus erzielen zu können.

Alles deutete darauf hin, dass Springer unter der Führung des ehemaligen Chefredakteur der gedruckten Welt, Mathias Döpfner, sein Engagement bei den Zeitschriften und Zeitungen Schrittweise zurückfahren wird. Tatsächlich folgt der Vorstandschef dabei dem Grundsatz: "Wir verteidigen nicht die gedruckte Zeitung, wir verteidigen den Journalismus."

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