Bilanz: Google schockiert Anleger

Ungläubiges Staunen mitten im Handelsverlauf: Plötzlich veröffentlichte Google Quartalszahlen, obwohl dies nach Börsenregularien erst nach Handelsschluss vorgesehen war. Doch damit war der Schock noch nicht vorbei: Die Bilanz an sich war für Anleger komplett verstörend. In seit dem Börsenlisting 2004 nicht dagewesener Form enttäuschte der Internet-Pionier die Wall Street. Die Aktie brach erst 80 Dollar oder 11 Prozent an Wert ein – und wurde dann vom Handel ausgesetzt.

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Ungläubiges Staunen mitten im Handelsverlauf: Plötzlich veröffentlichte Google Quartalszahlen, obwohl dies nach Börsenregularien erst nach Handelsschluss vorgesehen war. Doch damit war der Schock noch nicht vorbei: Die Bilanz an sich war für Anleger komplett verstörend. In seit dem Börsenlisting 2004 nicht dagewesener Form enttäuschte der Internet-Pionier die Wall Street. Die Aktie brach erst 80 Dollar oder 11 Prozent an Wert ein – und wurde dann vom Handel ausgesetzt.

Komplettes Chaos bei Google: "In 20 Jahren an der Börse habe ich so was noch nicht gesehen" , kommentierte Business Insider-Gründer Henry Blodget das, was sich zur Mittagszeit an der Wall Street ereignet hatte.

Dieses Großereignis waren Quartalszahlen, die zu diesem Zeitpunkt nie hätten veröffentlicht werden dürfen. Nach Börsenregularien  erfolgt die Veröffentlichung der Quartalsberichte stets nach Handelsschluss.

PR-Debakel: "Larry Pages Zitat steht noch aus"

Nicht so gestern bei Google. Plötzlich war die Katze aus dem Sack: Verschickt durch die PR-Agentur RR Donnelly wurden Medienvertreter plötzlich mit einer unfertigen Fassung der Quartalszahlen konfrontiert. "Pending Larry Page Quote", war da an einer Stelle zu lesen – "Larry Pages Zitat steht noch aus" – wie PR-Agenturen eben so arbeiten.

Die Rohfassung enthielt indes das Wesentliche – die nackten Zahlen der Bilanz des Geschäftszeitraums Juli bis September. Und der fiel für Google-Standards ungewöhnlich schwach aus: Statt wie erwartet 10,65 Dollar je Aktie verdiente der wertvollste Internetkonzern der Welt gerade mal 9,03 Dollar je Anteilsschein – eine solch massive  Abweichung hatte es noch nie gegeben, seit Google 2004 an der Börse gelistet ist.  

Motorola verbucht Minus von 527 Millionen Dollar

Unterm Strich verdiente Google 2,74 Milliarden Dollar nach GAAP-Bilanzierungsstandard. Das war weniger als im Vorjahr, als noch 3,06 Milliarden Dollar eingefahren wurden. Die Erlöse zogen dagegen um satte 45 Prozent auf 14,1 Milliarden Dollar an (vor Abzug der Transaktionskosten). Wie geht das zusammen?

Die Antwort hat einen Namen: Motorola. Googles zugekaufte Handysparte hat dem Internetriesen gehörig die Bilanz verhagelt – und Verluste von 527 Millionen Dollar  eingefahren. Googles Geschäftsentwicklung selbst blieb nur knapp unter den Erwartungen zurück, wie Henry Blodget herausarbeitete.  

Google-Aktie auf eigenen Wunsch ausgesetzt

Anleger machten sich in einer ersten Schock-Reaktion nicht die Mühe, Googles Kerngeschäft von dem schwachen Zahlen der Handysparte zu trennen. Die Google-Aktie, die in den vergangenen Monaten noch so furios performt und dabei neue Allzeithochs markiert und sogar zeitweise Microsoft überholt hatte, taumelte blitzartig um 80 Dollar oder 11 Prozent bis auf 676 Dollar nach unten. Dann wurde der Handel auf Wunsch von Google sogar ausgesetzt.

Als die Google-Aktie schließlich wieder handelbar war, traten Schnäppchenjäger auf den Plan und hievten den Internet-Giganten wieder in die Richtung von 700 Dollar; nachbörslich fiel die Marke.  "Google hatte ein gutes Quartal", erklärte Larry Page schließlich laut autorisierter Mitteilung. Bleibt die höchst theoretische Frage, ob der Markt auf diese Selbsteinschätzung anders reagiert hätte. 

In der anschließenden Telefonkonferenz äußerte sich der frisch genesende Google-CEO, der über Monate wegen Stimmenproblemen der Öffentlichkeit fern geblieben war, "auffällig krank und müde", wie der Business Insider berichtete.

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