Albrecht: “Freundin ist kein Generalist mehr”

Publishing Nikolaus Albrecht ist seit September als neuer Chefredakteur von Burdas Freundin an Bord. Mit der aktuellen Ausgabe legt er die erste Freundin vor, die seine Handschrift trägt. Mehr Mode und Beauty soll es geben und auch mehr Shopping. Der Internet-Auftritt wird ebenfalls renoviert und eine App soll es auch bald geben. MEEDIA erklärt der neue Freundin-Chefredakteur Nikolaus Albrecht, warum die Zeitschrift nun eine jüngere Zielgruppe ins Visier nimmt und ihren Generalisten-Anspruch aufgibt.

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Hubert Burda sagte bei der Präsentation der ersten "Freundin"-Ausgabe ihrer Vorgängerin Ulrike Zeitlinger, "Die Freundin muss von einer Frau gemacht werden." Jetzt steht mit Ihnen ein Mann an der Spitze. Was hat sich seither geändert?

Die Freundin wird nicht von einem Mann oder einer Frau gemacht, sondern von einem 50-köpfigen Team, in dem es sehr viele Frauen und eine paar Männer gibt. Und ja, ich bin mir sicher, dass der Chefredakteur ein Mann sein kann. Beim Nachdenken darüber, für wen man ein Heft machen möchte und wie dieses Heft aussehen soll, spielt das Geschlecht keine Rolle. Und im Tagesgeschäft muss man einfach, wie jeder gute Chefredakteur, bereit sein, den Spezialisten im Team zuzuhören.

Glauben Sie, es gibt eine typisch männliche und eine typisch weibliche Herangehensweise, eine Zeitschrift zu machen?

Ich glaube, es gibt nur eine richtige Herangehensweise ans Zeitschriften-Machen: neugierig sein, die Zielgruppe genau kennenlernen und das bestmögliche Blatt für ihre Interessen produzieren. Die ist unabhängig vom Geschlecht. Grundsätzlich bin ich skeptisch, wenn von „typisch weiblich” oder „typisch männlich“ gesprochen wird. Man landet da schnell bei Klischees, die wir eigentlich überwinden wollen.

Sie versprechen eine stärkere Fokussierung auf die Zielgruppe der der 25- bis 39-jährigen Frauen. War die alte Freundin demnach nicht fokussiert genug?

Doch, aber sie war auf eine breitere Altersgruppe fokussiert. Seit dem erfolgreichen Launch von Freundin Donna gibt es für den älteren Teil der Zielgruppe ein eigenes Magazin, was es uns möglich macht, sich auf den jüngeren Teil der Zielgruppe zu konzentrieren. Bislang war die Freundin also ein Generalist. Das soll sie künftig nicht mehr sein. Leserinnen erwarteten heutzutage, dass sie für jede wichtige Lebensphase ein eigenes Magazin angeboten bekommen. Zeitschriften, die sich stark auf eine dieser Lebensphasen fokussieren, werden am Kiosk gekauft.

Ein weiteres Asset der neuen Freundin soll die stärkere Betonung auf "Mode und Beauty" sein. Sind das nicht bei jeder klassischen Frauenzeitschrift ohnehin die wichtigsten Themen? Muss man das extra betonen?

Die Freundin hat ein breites Themenspektrum, das wird auch so bleiben. Wir haben aber festgestellt, dass das Interesse unserer Leserinnen an Mode und Beauty größer ist, als es der Umfang dieser Themen im Heft widergespiegelt hat. Deshalb werden wir mehr Mode- und Beautyseiten im Heft haben. Das ist eine Veränderung, die unser Leserinnen interessiert, darum denke ich, dass man sie durchaus betonen kann.

Was unterscheidet die neue Freundin sonst noch von der alten Freundin?

Weil Trends heute am schnellsten von Stars transportiert werden, präsentieren wir mehr als bisher Trends anhand von Stars, schreiben aber dazu, wie das schon immer bei freundin gemacht wurde, wie sie zum Alltag unserer Leserinnen passen. Weil Authentizität und Glaubwürdigkeit wichtiger sind denn je, zeigt sich die Redaktion mehr als bisher im Heft, werden Redakteure zum Absender von Seiten. Wir versuchen außerdem noch schneller auf Trends und Themen zu reagieren, gerade auf den aktuellen Einstiegsseiten. Bildsprache und Ton des Heftes sollen noch ein wenig freundlicher und frischer werden, das überarbeitete Layout ist aufgeräumt, elegant, aber trotzdem emotional. Und wir versuchen, noch mehr als bisher mit Heftstruktur und Themenumfängen zu spielen, was uns ermöglicht, noch mehr Themenschwerpunkte zu setzen.

Und was unterscheidet Freundin von anderen Frauenzeitschriften? Was macht Freundin ihrer Meinung nach einzigartig?

Freundin ist ganz nah am Leben der Leserinnen und inspiriert sie mit einer sehr optimistischen Haltung und mit fundiertem Service, ihr Leben schöner und leichter zu machen. Zusammen mit der Themenvielfalt macht das die Freundin schon ganz besonders.

Trauen Sie sich zu, den Auflagenrückgang bei Freundin umzukehren und wieder für eine steigende Auflage zu sorgen – oder geht es heutzutage nur noch darum, das Niveau bestenfalls zu halten, beziehungsweise den Auflagenrückgang zu verlangsamen?

Je mehr Leserinnen wir haben, desto glücklicher ist die Redaktion und auch der Chefredakteur. Freundin verkauft nach wie vor alle 14 Tage sehr viele Hefte, wenn wir dieses Niveau halten können, ist das gut, wenn wir die Auflage steigern können, unso besser.

Auch Freundin.de wird ja renoviert – wie sieht künftig das Zusammenspiel zwischen Print und Online aus?

Das Heft und die Website werden künftig noch enger verzahnt. Der E-Commerce wird weiter ausgebaut, das heißt, es gibt im Heft noch mehr Angebote, die online sofort gekauft werden können. Auf der Einstiegsseite übernehmen wir jeweils einen aktuellen Tweet eines Stars, eine Aussage, die den Freundin-Leserinnen aus der Seele spricht. Wir haben für die Zusammenarbeit in der Redaktion eine Schnittstelle eingerichtet, die den Austausch organisiert.

Künftig soll die Freundin-Redaktion mit den Leserinnen auch via Facebook und Twitter kommunizieren. Geschichten aus dem Heft sollen im Social Web weitergeführt werden. Wie kann man sich das konkret vorstellen – haben Sie da ein Beispiel?

Sogar ein ganz aktuelles: Wir haben für Freundin-Leserinnen ein Privatkonzert von „The BossHoss” verlost. Der Aufruf dazu erschien im Heft, Leserinnen konnten sich auf freundin.de bewerben, die Abstimmung über das Gewinnerteam erfolge via Facebook-Tool. Die Nachberichterstattung gibt es auf freundin.de und natürlich im Heft. Außerdem werden wir wir auf Facebook und Twitter Umfragen machen, deren Ergebnisse wir im Heft präsentieren.

Wie wichtig ist Social Media für eine gedruckte Zeitschrift überhaupt? Die Auflagenrakete der vergangenen Jahre – Landlust – kommt beispielsweise ganz ohne Social-Media und Digital-Erweiterungen aus.

Unsere Zielgruppe ist jünger und online-affiner als die der Landlust. Freundin-Leserinnen nutzen das Internet regelmäßig und ganz selbstverständlich. Sie bewegen sie auf Facebook und Twitter und betätigen sich gern interaktiv. Darum ist uns der Community-Gedanke wichtig, und wir wollen jede Chance nutzen, mit unseren Leserinnen auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Auch eine Freundin App fürs iPhone ist geplant. Was können wir da erwarten?

Jeden Tag etwas Neues aus der Freundin-Welt, z.B. den Shopping-Tipp der Woche aus der Redaktion, Lieblingsrezepte aus unserer Kochredaktion, den 5-Minuten-Psychotest, …

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