„Medienmanager sind keine Partyhopper“

Fernsehen Vom 24. bis 26. Oktober gehen Medientage München 2012 über die Bühne. Das Motto in diesem Jahr lautet: "Weichen stellen. Die neuen Gesetze der Medienwelt". Die Veranstalter wollen den medialen Groß-Kongress diesmal ein bisschen entstauben. Der Mediengipfel zum Auftakt wurde kompakter gemacht, es gibt weniger Politik-Vertreter auf dem Podium und auch sonst tut sich was bei den Medientagen. MEEDIA sprach mit Medientage-Geschäftsführer Johannes Kors über die Veränderungen.

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Warum brauchen wir überhaupt einen branchenübergreifenden Medienkongress wie die Medientage München?

Wir pflegen den breiten Ansatz, weil man somit einen Gesamtüberblick über die Entwicklung im Medienbereich bekommt. Denken Sie beispielsweise dran, dass die Konvergenz seit vielen Jahren ein Thema ist. Das heißt, die Mediengattungen wachsen ein ganzes Stück zusammen. Auf der anderen Seite gibt es spezifische Themen für die einzelnen Mediengattungen. Der Charme einer Veranstaltung wie den Medientagen München ist, dass man diese Entwicklungen übergreifend betrachten kann. Die Leute, die sich eher fürs Fernsehen interessieren, können beispielsweise auch mal schauen, was bei Print läuft.

Konvergenz ist seit Jahren ein wichtiges Thema. Ist es aber nicht auch ein Problem der Medientage, dass darum Jahr für Jahr oftmals die gleichen Fragen immer wieder aufs Neue durchdiskutiert werden?

Wenn man die Themen der Medientage über die Jahre verfolgt, dann kann man den Veränderungsprozess deutlich beobachten. Das läuft alles nicht revolutionär ab, sondern eher evolutionär. Dass sich dabei bestimmte Fragen auch wiederholen – zum Beispiel die Frage nach einer Werbereduzierung im öffentlichen Rundfunk – das hängt eng mit unserem pluralistischen Mediensystem und den politischen Entscheidungsstrukturen zusammen.

Sie haben die Überschriften der Medientage angesprochen. Die lauteten in den vergangenen Jahren u.a. „Mobile-Local-Social: Dreiklang der vernetzten Gesellschaft“, „Wert(e) der Medien in der digitalen Welt“ oder „MUT – Medien und Transformation“. Dieses Jahr lautet das Motto der Medientage „Weichen stellen. Die neuen Gesetze der Medienwelt“. Sind diese Überschriften nicht austauschbar?

Trotz der rasanten Veränderung bleiben die grundsätzlichen Themen erhalten, das spiegelt auch das Motto der Medientage wider. Der Prozess geht Stück für Stück weiter. Jetzt sehen wir zum Beispiel, dass die Verschmelzung von Fernsehen und Internet ein gutes Stück vorangekommen ist. Stichwort Second Screen beim Fernsehen über Soziale Netzwerke. Einerseits reden wir über die Verschmelzung schon lange, auf der anderen Seite entsteht ein neues Phänomen wie Social-TV innerhalb kürzester Zeit.

Sie sagten im Vorfeld, die Medientage sollen dieses Jahr überraschender werden. Was wird denn 2012 anders?
Wir haben den Mediengipfel als die wichtige Eröffnungsveranstaltung der Medientage München in diesem Jahr reformiert und mit Miriam Meckel eine neue, frische Moderatorin.

Sie haben auch die Zahl der Teilnehmer beim Mediengipfel von zwölf auf acht Teilnehmer reduziert …

Ja, gleichzeitig haben wir auch einen Generationswechsel vollzogen.

Jürgen Doetz, als Sprecher des Privatrundfunkverbands VPRT altgedienter Mediengipfel-Podiumsteilnehmer, darf nicht mehr dabei sein. War er traurig?

Das will ich nicht hoffen, er hatte immerhin lange Jahre die Elefantenrunde inhaltlich mitgeprägt.

Mir fiel auch auf, dass der Anteil der bayerischen Medienpolitik auf dem Podium ein bisschen reduziert wurde. Absicht?

Die Tatsache, dass BLM-Präsident Siegfried Schneider auf dem Podium nicht dabei ist, bedeutet ja nicht, dass er sich nicht medienpolitisch äußern wird. Er hat ja auch eine Eröffnungsrede als Grußwort, in der er medienpolitisch Position beziehen wird.

Bei der Elefantenrunde ist dieses Jahr auch Telekom-Chef René Obermann dabei. Ist er in Ihrer Lesart ein Medienmanager?

Bei der Deutschen Telekom erodiert ja das originäre Geschäftsmodell ein Stück weit. Die Telekom versucht deshalb, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Ein Bereich davon sind die Medien. Und wenn Sie an Online denken: T-Online ist eines der reichweitenstärksten Internet-Angebote.

Abseits von der so genannten Elefantenrunde beim Mediengipfel – was tut sich sonst noch Neues bei den Medientagen in diesem Jahr?

Wir haben programmlich ein paar neue Elemente gesetzt – wie etwa die Connected TV-Schiene. Zudem gibt beispielsweise die Clap Couch, bei der die Chefredakteure des Medienmagazins Clap Medienmacher zu unterhaltsamen Kurz-Interviews bitten. Oder wir haben die Speakers Corner im Foyer des Erdgeschosses, bei der Anbieter der Medien- und Kommunikationsbranche in kurzen Präsentationen ihre Produkte und Konzepte vorstellen können. Solche Elemente werden den Kongress auflockern und auch überraschender machen.

Ist die TV-Branche auf den Medientagen am TV-Standort München nicht ein bisschen überrepräsentiert?

Das sehe ich nicht so. Immerhin ist München eine bedeutende Medienmetropole, insbesondere im TV-Sektor. Hier haben die Medientage München auch ihren Ursprung. Inzwischen haben wir daraus eine übergreifende All-Media-Veranstaltung entwickelt, wir vereinen alle Mediengattungen unter einem Dach und bieten so eine große Themenbreite.

Was sagen Sie einem Teilnehmer der Medientage, der ihnen in einem kurzen Moment der Wahrhaftigkeit gesteht, dass er eigentlich nur wegen der Sause auf der Nacht der Medien zu den Medientagen kommt? Wie überzeugen sie diese Person, dass sich die Medientage auch abseits der Party lohnen?

Mit Verlaub: Das Bild des Medienmanagers als Party-Hopper scheint mir ein wenig antiquiert und abgegriffen. Angesichts der zunehmenden Komplexität der Medienbranche und dem gestiegenen Erfolgsdruck, ist von einem zu exzessiven Feiern der Nacht der Medien abzuraten. Schließlich sollten noch Kräfte für den nachfolgenden Kongresstag vorgehalten werden.
Infos und Programm der Medientage München gibt es hier.

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