Eigener Anwalt stellt Kachelmanns “Ex” bloß

Fernsehen Der nicht abebbende Anwaltskrieg im Fall Kachelmann hat bereits in der vergangenen Woche für Schlagzeilen gesorgt. Während die Konfliktparteien sich gegenseitig mit Klagen überziehen und bei Gerichten reihenweise Anträge auf Einstweilige Verfügungen eingehen, agiert offenbar nicht jeder Jurist auf der Höhe des Geschehens. So wurde jetzt bekannt, dass mindestens ein Journalist eine merkwürdige E-Mail des Anwalts der Ex-Geliebten Claudia D. erhielt, deren angehängte Dateien die Mandantin bloßstellen.

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So finden sich in der E-Mail, die MEEDIA vorliegt, nicht nur polizeiliche Vernehmungen aus der nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Ermittlungsakte im Wortlaut, sondern auch medizinische Gutachten über die Verletzungen, die Claudia D. erlitten haben will, als sie die letzte Nacht mit dem Wettermoderator verbrachte. Und damit nicht genug: In den Unterlagen befinden sich neben dem Klarnamen und der Wohnadresse der Radiomoderatorin auch ihre Privat- sowie Handynummer. Insgesamt geht es um 20 eingescannte Seiten aus der streng vertraulichen Verfahrensakte.
Versendet wurde die Mail vom Account des Schwetzinger Anwalts Manfred Zipper, dessen Kanzlei Zipper & Collegen Claudia D. in Medienangelegenheiten vertritt. Zusammen mit seinem Vater Rüdiger Zipper geht der Jurist gegen Verletzungen der Privat- und Intimsphäre der Ex-Partnerin von Kachelmann vor und versucht, in mehreren Fällen durch Einstweilige Verfügungen den Verkauf dessen Buchs über den Prozess zu unterbinden bzw. Schwärzungen in Passagen durchzusetzen, in denen der volle Name der Ex-Geliebten genannt wird.

Eins von vier Dokumenten im Mail-Anhang: das rechtsmedizinische Gutachten der Uniklinik Köln (Schwärzungen: Meedia.de)

Ebenfalls im Wortlaut versandt: die Kopie des "molekulargenetischen Gutachtens" vom Münsteraner Institut für Forensik

Beim dritten Dokument handelt es sich um den Untersuchungsbericht des Landeskriminalamts Baden-Württemberg

Auch das komplette Vernehmungsprotokoll der polizeilichen Vernehmung von Claudia D. vom 9. Februar 2010 findet sich im Mail-Anhang


Warum Zipper durch die nicht einmal als vertraulich gekennzeichneten Mail-Anhänge sein eigenes Verfahrensziel konterkariert und seiner Mandantin das Risiko einer möglichen Veröffentlichung intimer Daten und Prozessdetails beschert, ist unklar, ebenso, ob die brisante Mail an weitere Medienvertreter verschickt wurde.
Möglicherweise handelt es sich um eine peinliche Panne. Manfred Zipper äußerte sich auf Anfrage von MEEDIA nicht zu dem Vorgang. Stattdessen meldete er sich bei dem Journalisten, der die Mail erhalten hatte und bestätigte nach dessen Angaben, dass die Mail von ihm stammt. Er habe, so seine Beteuerung, diese auch nur einmal versandt. Interessant ist dabei auch, dass der Anwalt kein besonderes Vertrauensverhältnis zu dem Journalisten hatte und in seiner Mail in keiner Weise darauf hinweist, wie mit den übersandten Dateien umzugehen sei.
In der Mail gibt der Jurist (Fachgebiete: Strafrecht, Wettbewerbsrecht, Markenrecht) dem Journalisten zudem zehn dezidierte Fragen mit auf den Weg, die dieser auf der Pressekonferenz von Jörg Kachelmann auf der Frankfurter Buchmesse am vergangenen Freitag stellen sollte. O-Ton Anwalt Zipper: "Sie können dann mal den Kachelmann fragen…" Und offenbar war dort auch eine medienwirksame Aktion geplant – der Anwalt informiert den Journalisten, er werde bei der Pressekonferenz "Zeuge von mehreren Zustellungen von Einstweiligen Verfügungen und Abmahnungen an die Eheleute Kachelmann werden".
Doch zu dem öffentlichen "Showdown" kam es nicht. Nach MEEDIA-Informationen war die Gegenseite vorbereitet und hatte ihrerseits zwei Anwälte abgestellt, die als Bevollmächtigte des Moderators und seiner Ehefrau die Verfügungen in einem Vorraum entgegennahmen, die eine Gerichtsvollzieherin in Anwesenheit von Anwalt Rüdiger Zippert persönlich während der PK zustellen wollte. Fazit: eine Anwaltsposse, die zumindest Juristenkreisen für reichlich Gesprächsstoff sorgen dürfte…

Nachtrag, 17.10.: In einer Mail an MEEDIA teilt der Jurist Manfred Zipper mit, seine Mail sei nur an einen Journalisten gerichtet gewesen und der Inhalt "persönlich und vertraulich".
Nachtrag, 17.10.: Zu den Ausführungen des Anwalts Manfred Zipper erklärt der betroffene Journalist gegenüber MEEDIA: "Ich hatte um diese Mail von Herrn Zipper nie gebeten, da mich nur die Einstweiligen Verfügungen interessierten. Es war auch nirgends von ‘persönlich’ oder ‘vertraulich’ die Rede – was auch nur unrichtig sein kann, da es aus meiner Sicht eine Art Vorlage war, um den Inhalt bei der Kachelmann-Pressekonferenz zu verwenden – einer Veranstaltung mit größtmöglicher Öffentlichkeitswirkung, zu der Herr Zipper keinen Zutritt erhalten hatte.


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