Beckmann als Psycho-Fußball-Philosoph

Fernsehen Das peinliche 4:4 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Schweden war mit über 13 Millionen Zuschauern der Fernseh-Straßenfeger vom Dienstagabend. In der Analyse nach dem Spiel waren alle mehr oder weniger sprachlos ob des unerklärlichen Leistungsabfalls der deutschen Mannschaft. Nur einer nicht: Reinhold Beckmann. Der ARD-Talker psychologisierte und schwadronierte, dass seinem Co-Kommentator Mehmet Scholl nur so der Kopf schwirrte.

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“Mein Gott, da sind wir sprachlos”, sagte Beckmann gleich zu Beginn seiner Analyse des vergeigten Deutschland-Schweden-Spiels. Das mag für so ziemlich alle zugetroffen haben – für ihn nicht. Der ARD-Talker lief nach der Blamage der Nationalmannschaft zu verbaler Hochform auf. Beckmann, psychologisierte, wisperte, ahnte, schnüffelte, rief und raunte wie in seiner Talkshow. “60 Minuten Glanz und Gloria, dann Sack und Asche”, formulierte er und fragte sogleich den perplexen Mehmet Scholl: “Was ist das? Was da passiert? Stimmt diese Haltung nicht? Ist da der Gedanke: Ach ich muss am Wochenende Bundesliga spielen?” Doch der Mehmet, der Scholl, der wusste nix Rechtes zu sagen. Außer, dass die Mannschaft doch 60 Minuten gut gespielt habe und man aus dem Rest prima was lernen könnte. Stimmt schon, Mehmet Scholl, die ersten 60 Minuten waren gut. Blöderweise dauert ein Fußballspiel aber 90 Minuten und die entscheidenden Spielminuten waren diesmal eher die letzten.

Beckmann hatte das geschnallt. Laut seinen Worten konnte man “erspüren”, “erschnüffeln” und “riechen”, dass da noch was passieren würde. Nach dem zweiten Tor der Schweden witterte Beckmann ganz in der Denke des Roger Willemsen einen Knacks, einen “Psychoknacks” in dieser Mannschaft. Da begann in seiner Lesart das “körperlose Spiel” – ein Begriff, den Scholl eingeworfen hatte, von dem aber nur Beckmann zu verstehen schien, was damit gemeint sein könnte. Auch der später hinzugeeilte Bundestrainer Jogi Löw schaute Beckmann bei dessen Analyse-Höhenflügen an, als sei dieser gerade mit einer fliegenden Untertasse im Studio gelandet.

“Wenn der Gedanke da ist: Hey, es läuft doch alles. Dann wird das zum tödlichen Gift”, raunte Beckmann. Auf dem Gesicht von Mehmet Scholl waren da nur noch viele Fragezeichen zu sehen. Was redet der Mann mit der Brille da? “Wieso? War doch ein wunderbares Spiel zum Lernen”, meinte Ex-Fußballprofi Scholl. Die Schweden hätten doch “eigentlich gar nix gewollt”, simpelte Scholl. Und, Achtung: Er habe noch nie so ein gutes Länderspiel gesehen. Bis zur 65. Minute wohlgemerkt. Die Nationalmannschaft sei von einem Gegner bestraft worden, der “eigentlich gar keine Chance hatte”. Mehmet Scholl denkt wahrscheinlich, die deutsche Mannschaft hat eigentlich gewonnen.

Man hatte den Eindruck, Reinhold Beckmann und Mehmet Scholl hatten nicht das gleiche Fußballspiel gesehen. Das von Scholl dauerte nur 60 Minuten. Da hat die ARD zwei Kommentatoren zusammengespannt, die gedanklich in komplett verschiedenen Welten zu Hause sind. Bitte, bitte, liebe ARD: Kann nicht einer den Netzer zurückholen. Das wäre uns sogar eine saftige Gebührenerhöhung wert!
Hier nochmal zum Angucken in der ARD-Mediathek

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