Zeit Online-Chef Blau geht zum Guardian

Publishing Ein herber Verlust für Zeit Online: Das Nachrichten-Portal verliert seinen Chefredakteur, der maßgeblich für das immense Wachstum der vergangenen Jahre steht. Wolfgang Blau wechselt im April 2013 zum britischen Guardian. Bei den Engländern wird der 44-Jährige Director of Digital Strategy und Mitglied des Executive Committee von Guardian News & Media. Wer Nachfolger des 44-Jährigen wird, der bereits neun Jahre lang in den USA arbeitete, ist noch nicht bekannt.

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Auch Rainer Esser, Geschäftsführer der Zeit-Gruppe, bedauert den Wechsel "außerordentlich". Blau habe das Nachrichten-Portal "in den letzten viereinhalb Jahren zu einer der besten und erfolgreichsten Online-Redaktionen Deutschlands entwickelt, die heute auch international hohes Renommee besitzt". Zudem habe er ein herausragendes Team geformt, das mit großer Leidenschaft die Entwicklung der Webseite vorantreibe.

Tatsächlich ist Blau für eine erstaunliche Erfolgsgeschichte mitverantwortlich. Der 44-Jährige, der bereits von 1999 bis 2008 als freier Journalist in San Francisco und Washington D.C. arbeitete, übernahm im März 2008 die Verantwortung beim Online-Ableger der Wochenzeitung. Seitdem hat sich die Zahl der Besuche pro Monat fast vervierfacht. So erreichte Zeit Online im September über 25 Millionen Visits. 2008 lag dieser Wert im selben Monat noch bei 7,75 Millionen.

Unter seiner Regie, die sich auch durch den Verzicht auf Boulevard-Themen auszeichnet, gewann das Nachrichtenportal den Grimme Online Award, zwei Lead Awards in Gold und den begehrten amerikanischen Online Journalism Award. Letzterer wurde damals erstmals von einer deutschen Redaktion gewonnen.

"Der Gedanke, Zeit Online im Frühjahr zu verlassen, ist für mich natürlich von Wehmut begleitet, vor allem aber von großer Dankbarkeit gegenüber allen meinen Kolleginnen und Kollegen in Redaktion, Technik und Verlag sowie bei iq-digital, die gemeinsam Zeit Online zu einer der fortschrittlichsten deutschen Online-Publikationen gemacht haben", sagt Blau. Zudem dankt er auch den Print-Redakteuren, die die Onliner "im Lauf der Jahre mit ihren Beiträgen unterstützt haben und sich von unserer Begeisterung für die Möglichkeiten des Online-Journalismus inspirieren ließen".

Die Gründe für seinen Wechsel erklärt Blau im Interview mit MEEDIA: "Im Lauf der Jahre ist mir deutlich geworden, dass ich mich jeden Tag fast ausschließlich im englischen Sprachraum bewege, wenn es um Diskussionen über neue Methoden, Werkzeuge und Geschäftsmodelle im Online-Journalismus geht." Auch die redaktionellen Themen, die ihn persönlich am meisten umtreiben, wie der Schutz des offenen Internets, der Klimawandel und die Zukunft der europäisch-amerikanischen Beziehungen – "sind transnationale Themen. In der primär englischsprachigen, internationalen Diskussion über diese Themen spielt der Guardian mit seinen weltweit über 30 Millionen Lesern eine sehr wichtige Rolle."

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