Springer-Offerte: Einladung zur Zerstörung

Publishing Die Axel Springer AG ist mit digitalen Geschäftsmodellen erfolgreich, ein Drittel des Umsatzes bringen diese schon ein. Aber es sind vor allem etablierte, eingeführte Digitalgeschäfte, die Springer betreibt. Mit dem Media Entrepreneurs Program wollen die Berliner nun junge Start-up-Gründer bzw. deren Ideen und Kreativität gewinnen. Springer-Chef Mathias Döpfner stellte das Programm am Dienstag bei einer Veranstaltung vor, zu der das Medienunternehmen rund 100 Gründer und Investoren eingeladen hatte.

Werbeanzeige

Die von Springer gesuchten "Media Entrepreneurs" sollen innerhalb von zwölf Monaten gemeinsam mit dem Team der strategischen Produktentwicklung jeweils eine eigene Geschäftsidee entwickeln. Währenddessen lernen sie verschiedene Abteilungen im Konzern kennen. Bewerbungen sind ab sofort hier möglich. Zum Abschluss des Programms wird der Springer-Vorstand entscheiden, ob die Idee tatsächlich umgesetzt wird. In diesem Fall ist der jeweilige Gründer als "Unternehmer im Unternehmen" dabei.

Am Morgen hatte bereits Springer-Vorstand Andreas Wiele beim Media Entrepreneurs Day zur eingeladenen Gründerszene gesprochen. Wiele ("I´m a corporate suit") betonte, wie wichtig die Suche nach digitalen Geschäftsmodellen für Springer sei. Denn: "Unser altes Businessmodell wird verschwinden, während der Journalismus bleibt." Der Verlag werde seine Marken schrittweise in Freemium-Modelle umwandeln – also Modelle, bei denen der Zugriff auf alle Inhalte und Services einer Marke kostenpflichtig ist, ein Basisangebot aber gratis verfügbar bleibt.

Konzerngeschäftsführer Christoph Keese formulierte – ausnahmsweise völlig Leistungsschutzrecht-frei – ebenfalls ein paar frische Worte an die Gründergeneration. Springer suche auch Leute, die das Geschäftsmodell der Verlage "zerstören" wollten, denn: "Wir haben diese Menschen lieber nah an uns dran". Warum Gründer dieser Einladung folgen sollten? Keese: "Wir geben ihnen Größe und Skalierung – sie geben uns Geschwindigkeit." Darüber hinaus erhoffe er sich von jungen Talenten Ideen, wie originäre Inhalte für das Internet entwickelt werden können. Das sei noch weitgehend "unerforschtes Territorium". Diese Aussage von einem Manager eines so finanzkräftigen Medienkonzerns wie Springer darf man im Jahr 21 des World Wide Web vermutlich vor allem als Selbstkritik interpretieren. 

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige