Pornokönig lässt in der FTD die Hosen runter

Publishing Die Financial Times Deutschland hat ein Interview mit dem Web-Pornokönig Fabian Thylmann geführt – das erste überhaupt, wie die Zeitung stolz schreibt. Thylmann ist Chef der Manwin Holding, zu der ein Dutzend Pornoangebote im Netz gehören, darunter seit einigen Monaten auch YouPorn. 300 Millionen Nutzer erreichten die Angebote im Monat. Der Deutsche Thylmann will offenbar raus aus der Schmuddelecke – lässt aber gleichzeitig unliebsame Berichterstattung untersagen.

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Anfang des Jahres hielt Thylmann eine Keynote auf der Adult Entertainment Expo in Las Vegas. Diese Rede hat eine Reihe von Medien aufgegriffen. Auch der FTD-Autor beschreibt eine Szene von dieser Konferenz. Zehn Monate später hat Thylmann, der den Firmensitz von Manwin nach Luxemburg verlegt hat, der Zeitung etwas über sein Porno-Imperium erzählt. Ein Dutzend Websites, darunter Pornhub.com, Youporn.com und Tube8.com, erzielten etwa 16 Milliarden Seitenaufrufe im Monat. Die Holding setze einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag um, sagte der Mittdreißiger, der ursprünglich Programmierer war und Manwin 2007 gründete. Operativ schreibe das Unternehmen, das rund 1.000 Mitarbeiter in verschiedenen Ländern beschäftigen soll, schwarze Zahlen.

Erlöse kämen aus der Onlinewerbung und kostenpflichtigen Angeboten. Thylmann sagte der FTD: "Etwa jeder tausendste Besucher greift auf Bezahlinhalte zurück. Das ist nicht viel, aber es kommt was dabei rum. Die Leute geben noch Geld aus, man muss ihnen nur zeigen, was sie wirklich haben wollen." Das Geld für die rasche Expansion solle aus einem 362-Millionen-Dollar-Kredit stammen, berichtet die FTD. Thylmann plane im Laufe des kommenden Jahres noch einige Deals, aber dann sei das Porno-Portfolio ausreichend groß: "Viel mehr ist nicht nötig."

Dass sich Thylmann nun gegenüber einer Zeitung ausführlicher als bisher üblich äußert, mag damit zusammenhängen, dass Manwin bald auch Spiele und Apps für Smartphones und Tablets entwicklen will und auf den Massenmarkt schielt. Die Übernahme der TV-Kanäle des US-Playboy im vergangenen Herbst war bereits so ein Schritt weg vom ausschließlichen Geschäft mit harten Sexvideos und hin zu mehr massentauglichen Entertainment-Angeboten. Thylmann selber scheint der Artikel in der FTD gefallen zu haben, er twitterte: "Financial Times Deutschland kaufen! Der Pornokönig. 1. deutscher Artikel über Manwin basierend auf echten Fakten!"

Nicht goutiert hat der Unternehmer offenbar einen Artikel der Welt am Sonntag vom September, in dem es unter anderem hieß, Manwin sei "ein Fall für die Steuerfahndung". Thylmann erwirkte eine Unterlassungsverfügung gegen die Zeitung, der Artikel ist seitdem nicht mehr verfügbar. Von 50 abgemahnten Punkten habe das Landgericht Düsseldorf 18 stattgegeben, heißt es im Welt-Investigativ-Blog. Ohne eine Anhörung der Redaktion. Gegen die Einstweilige Verfügung legte die Zeitung des Springer-Konzerns Widerspruch ein. "Wir werden um unsere zutreffende Berichterstattung mit allen Mitteln kämpfen", schrieb Investigativchef Jörg Eigendorf am 4. Oktober.

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