„Apps sind das mediale Angebot der Stunde“

Publishing Mit dem "App Monitor Deutschland" hat der Focus nicht nur eine neue Rubrik geschaffen - das ab 12. November einmal monatlich erhobene Ranking der beliebtesten mobilen Anwendungen auf Smartphones und Tablet-Rechnern soll auch ein Geschäftsmodell etablieren. Neben der Möglichkeit für Kunden aus dem Segment der App-Anbieter, Werbung im Umfeld der Kolumne zu schalten, will Burda auch Mediaagenturen als Abonnenten gewinnen. Acht Fragen an News Group-Geschäftsführer Burkhard Graßmann.

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Wie entstand die Idee eines regelmäßigen App Monitors?
Heute wird die Verbreitung und Nutzung fast aller Medienangebote erschöpfend erforscht, und mit den gewonnenen Erkenntnissen werden Rankings aller Art erstellt. Die Nutzung von Print- und Online-Publikationen wird minutiös untersucht, Fernsehquoten und Radioreichweiten werden aufwendig errechnet, Bestsellerlisten im Buchmarkt und Kino-Charts erstellt. Aber für das mediale Angebot der Stunde, für Anwendungen auf mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets, die riesige Umsätze generieren und sich rasant verbreiten, gibt es keine umfassende Reichweiten-Messung; zumindest keine, die eine Nutzung sowohl redaktioneller als auch nicht redaktioneller Apps untersucht und dabei internationale Anbieter berücksichtigt. Also haben wir das selbst in Auftrag gegeben – und erkannt, dass auch andere Interesse an diesem Wissen haben.
Welche Kunden glauben Sie für dieses Angebot gewinnen zu können?
Mindestens einmal im Monat wird die Redaktion im Nachrichtenmagazin und in der Tablet-App Teile der Studienergebnisse und eine Kolumne zum Thema veröffentlichen. Dabei entstehen sowohl im Heft als auch in der Focus-App attraktive Werbeumfelder, besonders für Kunden, die selbst in dem Segment aktiv sind. Im zweiten Schritt können wir über Lizenzgeschäfte weitere Erlöse erzielen. Die Studienergebnisse bieten verschiedenen potenziellen Abnehmern erhebliche Mehrwerte: Mediaagenturen und die Werbung treibende Wirtschaft im Allgemeinen könnten mit den Daten effizienter planen. Und Anbieter von Apps könnten mehr über ihre Nutzer erfahren.
Wie könnte ein Pricing-Modell für die Nutzung der Rankings aussehen?
Wir werden ein Abonnement der monatlich aktualisierten Studienergebnisse anbieten. Es wird sicherlich günstige Einstiegs-Angebote geben, aber die genauen Preisepunkte müssen wir erst noch festlegen.
Welche Informationen könnten Sie über die im Focus publizierten Daten hinaus Kunden bieten?
Demografische Daten der Nutzer wie Geschlecht, Alter, Einkommen; zudem Informationen zu ihrer Hardware. Daraus ergibt sich zum einen die absolute Reichweite von Apps in verschiedenen Zielgruppen. Außerdem wäre es möglich, eine Typologie für App-Nutzer zu erstellen. Wir wüssten zum Beispiel, wofür Nutzer der TV Spielfilm- oder Focus-App ihre Smartphones und Tablet-Rechner verwenden: Was spielen sie? Wie kommunizieren sie? Handeln sie mobil mit Aktien? Wofür interessieren sie sich sonst noch?
Ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Medienhaus, das selbst Apps betreibt, in Konkurrenz zu "überparteilichen" Anbietern wie AGOF etc. tritt?
Wir möchten nicht in Konkurrenz zur AGOF treten, deren sehr gutes Angebot wir schätzen und selbst nutzen. Wir möchten es ergänzen, da es einige für uns wichtige Erkenntnisse, wie ich sie beschrieben habe, nicht liefert. Dass Medienhäuser Marktforschung zum Konsumverhalten im Allgemeinen und zur Nutzung eigener Angebote und der von Mitbewerbern im Besonderen betreiben, ist üblich und notwendig.
Wie stellen Sie sicher, dass eigene Angebote in der Studie nicht bervorzugt werden?
Wir arbeiten mit der Statista GmbH zusammen. Und da sind wir nicht die einzigen aus der Branche. Auch Spiegel Online, das Handelsblatt, Brand Eins oder Horizont nutzen die Dienste dieses Spezialisten. Wir erhalten die Ergebnisse des "App Monitor Deutschland" genauso von Statista wie künftige Kunden. Studien-Design, Durchführung der Befragung und Vertrieb der Ergebnisse liegen komplett bei Statista.
Die Nutzerzahlen werden – wie bei der AGOF – einmal pro Monat ausgewiesen. Planen Sie weitere Angebote in diesem Umfeld?
Nein, vorerst nicht. Die AGOF erhebt aber nur die Internet-Nutzung monatlich. Die App-Nutzung wird von AGOF bisher lediglich halbjährlich untersucht.
Für wie hoch halten Sie die Wahrscheinlichkeit, dass auch andere Verlage solche oder ähnliche Services starten?
Das kann ich nicht einschätzen. Aber wir sind natürlich immer gesprächsbereit, wenn ein anderes Medienhaus von unseren Erkenntnissen profitieren möchte.

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