Alle Fakten zum Baumgartner-Sprung

Fernsehen Am Tag nach dem Sprung ist der Österreicher Felix Baumgartner das Gesprächsthema in Büros, Bahnen und Kantinen. Mehrere Weltrekorde hat der 43-Jährige aufgestellt, als er sich aus dem Himmel New Mexicos fallen ließ. Für alle, die zwar vom tollkühnen Sprung aus der Stratosphäre gehört, ihn aber nicht live verfolgt haben fasst MEEDIA noch einmal die wichtigsten Fakten rund um das Projekt "Red Bull Stratos" zusammen - vom nützlichen bis zum absolut unnötigen Wissen.

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Die Basics
Wann? Wer? Wo? Was?
Am Sonntagabend um Punkt 20.07 Uhr deutscher Zeit sprang der Österreicher Felix Baumgartner, 43, in Roswell im US-Bundesstaat New Mexico aus mehr als 39 Kilometern Höhe aus der Druckkapsel seines Heliumballons. Um 17:29 Uhr begann der Aufstieg des Ballons, der wegen der niedrigen Temperaturen schneller als erwartet in die Höhe vordrang.
Welche Weltrekorde hat Baumgartner aufgestellt?
Vier Rekorde kann der 43-Jährige nun für sich beanspruchen. Der spektakulärste ist sicherlich die höchste Geschwindigkeit, die je ein Mensch ohne direkte Hilfsmittel erreicht hat. Bis auf 1,24 fache Schallgeschwindigkeit (1.349 km/h) wurde Baumgartner von der Erdanziehung beschleunigt. Der zweite Rekord: Es war der Fallschirmsprung mit dem bislang höchsten Absprungpunkt: 39.045 Meter. Gleichzeitig stellt die Marke den Rekord für den höchsten bemannten Ballonflug dar.
Außerdem hat der Österreicher die Marke für den längsten freien Fall aufgestellt (36.500 Meter). Hier muss man jedoch genau sein: Gemeint ist der längste freie Fall in Metern. In Sekunden gemessen hat Baumgartner nur den zweitlängten freien Fall absolviert. Er fiel 4:19 Minuten lang, der Rekord von Joe Kittinger liegt bei 4:36 Minuten. Die nötigen 17 Sekunden hätte Baumgartner womöglich noch im freien Fall fliegen können.
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Das fortgeschrittene Wissen
Welche Probleme traten auf?
Auf dem Weg nach oben machte zunächst der Helm Sorgen: Das Visier beschlug. In Absprache mit der Bodenstation entschied sich der Höhenjäger jedoch, das Unternehmen fortzusetzen. Sein Absprung klappte zunächst perfekt. Nach einigen Sekunden jedoch geriet Baumgartner in Rotation. Vermutlich war es sogar ein sogenannter "Flat Spin", bei dem sein Gesicht in einem Winkel oberhalb der Horizonts lag. Aus einem "Flat Spin" gibt es normalerweise kaum ein Entkommen. Baumgartner gelang es aber entgegen aller Vorzeichen, sich zu stabilisieren.
In der Pressekonferenz nach dem Sprung erzählte Baumgartner, dass er sich zur Not mit einem Stabilisierungsfallschirm wieder in Position hätte bringen können. Das hätte ihn jedoch die meisten Rekorde gekostet (Geschwindigkeit, Länge des freien Falls). Baumgartner: "Es ist die Entscheidung: Ziehst du die Leine und bleibst bei Bewusstsein oder machst du weiter und erreichst Überschall." Er entschied sich für letzteres und behielt Recht, ohne dabei in Ohnmacht zu fallen. Der Rekordmann berichtete zudem, warum es so schwierig sei, die Kontrolle zu gewinnen: Während man bei einem normalen Fallschirmsprung die Luft fühle und so "direktes Feedback" bekomme, konnte Baumgartner in seinem Druckanzug davon nichts spüren.
Warum öffnete Baumgartner seinen Fallschirm früher als geplant?
Die Experten bei ServusTV gingen in der Übertragung in einer ersten Einschätzung davon aus, dass Baumgartner noch genug Zeit gehabt hätte, um auch den Rekord für den zeitlich längsten freien Fall aufzustellen. Das wäre jedoch äußerst eng geworden, wie wohl auch der Springer selbst bemerkte und sich entschied bereits eher seinen Fallschirm zu öffnen. Dass der freie Fall schneller vorbei war, als ursprünglich geplant – und das trotz größerer Höhe – liegt vor allem daran, dass Baumgartner wegen der niedrigen Temperaturen deutlich schneller war als sein Vorgänger Joe Kittinger. Auf das Vorzeitige Öffnen des Fallschirms angesprochen sagte der Österreicher später, der Sprung habe ihn bis dahin bereits zu viel Kraft gekostet. Andere spekulieren, das Verpassen des fünften Rekords sei Absicht gewesen: So behält sein Mentor Joe Kittinger einen Rekord.
Was sagte Baumgartner vor dem Absprung?
Was das angeht gibt es zwei Versionen: Zweifellos gefallen ist der Satz: "Ich weiß, dass die ganze Welt gerade zuschaut." Danach hörte man Baumgartner in der Live-Übertragung sagen, dass es sehr hoch sei und die Welt sehr klein. Direkt vor dem Absprung sprach er den Satz "Ich komme jetzt nach Hause". Da die Funkverbindung und die Aussprache im Druckanzug nicht deutlich war, wurde Baumgartner auf der Pressekonferenz gefragt, was genau er gesagt habe. Hier äußerte Baumgartner nachträglich, der entscheidende Satz in der Mitte sei gewesen: "Manchmal muss man sehr hoch gehen, um zu sehen, wie klein wir sind". Im Pressesaal gab es für diesen Satz, der wohl in die Geschichte eingehen wird, spontanen Applaus. Auch wenn Baumgartner Österreicher ist, sprach er all diese Zitate übrigens in Englisch.
Wie teuer war das Unterfangen?
Gestern hieß es, das Stratos-Projekt habe 50 Millionen Euro gekostet. Red Bull könnte dank der weltweiten Aufmerksamkeit dennoch Profit aus der Aktion ziehen, insbesondere im Hinblick auf den zum Unternehmen gehörenden Fernsehsender ServusTV.
Das Insider Wissen
Wie groß war dieser Ballon?
Sehr groß. Etwa 835 Millionen Liter Helium passen hinein. Das Volumen übersteigt deutlich das der Freiheitsstatur, wie diese Infografik zeigt.
Wie erlebte Baumgartner das Durchbrechen der Schallmauer?
Offenbar reichlich unspektakulär. War dies im Vorfeld noch die große Unbekannte, gab der Österreicher im Anschluss bekannt, er habe nicht bemerkt wann und wo er die Schallgeschwindigkeit übertroffen habe. Ob er es überhaupt tat, musste erst noch im Nachhinein analysiert werden.
Warum stieg Baumgartner höher als vor ein paar Wochen noch geplant?
Da sein Sprung später im Jahr stattfand, als anfangs geplant konnte Baumgartner mit seinem Ballon in höhere Bereiche der der Atmosphäre vordringen, da die Luftdichte bei niedrigerer Temperatur zunimmt. Allerdings konnte er nicht nur höher – er musste es auch. Die Dichte sorgte auch dafür, dass er bei einem niedrigeren Absprungpunkt womöglich nicht die Schallmauer durchbrochen hätte. Und das war Baumgartners primäres Ziel.
War das Baumgartners erster Sprung?
Baumgartner ist als Basejumper bekannt. Er sprang unter anderem bereits vom Hochhaus Taipei 101 und von der Christus-Statue in Rio. Für den Stratos-Sprung hat er sich seit 2005 vorbereitet und zwei Testsprünge gemacht. Den letzten im Juli diesen Jahres aus bereits 29,5 Kilometern Höhe.
Wer hielt vor Baumgartner die Rekorde?
Vor Baumgartner war vor allem Joe Kittinger Mr. Freefall. Der ehemalige US Air Force Offizier war es auch, der während der Stratos Mission zu Kittinger den Funkkontakt hielt. Mehr zu ihn und weiteren Vorgängern lesen Sie in unserem Beitrag: Die tollkühnen Vorgänger von Baumgartner
Das unnötige Wissen
Was ist mit der Kapsel?
Auch die Stratos-Kapsel wurde sicher zurück auf die Erde gebracht und geborgen. Aller Voraussicht nach wird sie in Österreich bei Red Bull ausgestellt werden.
Was ist mit dem Druckanzug?
Der Anzug wurde von der "David Clark Company" produziert. Für das Stratos-Projekt hat die Firma erstmals einen Anzug für ein nicht-Regierungs-Projekt hergestellt.
Das absolut unnötige Wissen (das aber sehr lustig ist)
Was hat es mit dieser Katze auf sich?
Es ist keine Katze mit Baumgartner gesprungen. Außer im Internet. Dort ist sie der zweite große Springer-Star.

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