US-Blogs: Gefechte um die Apple-Aktie

Tech Es sind fürchterliche Tage für Apple-Aktionäre: Wie ein Boxer vorm Knockout kassiert die Aktie des immer noch wertvollsten Konzerns der Welt derzeit Schlag um Schlag. Gestern verlor der iPhone-Hersteller weitere 12 Milliarden Dollar an Börsenwert und rutschte auf den tiefsten Stand in zwei Monaten. Börsenblogger und Wirtschaftsjournalisten sind um Deutungshoheit bemüht: Renommierte Hedgefondsmanager rufen Kaufkurse aus, andere Vermögensverwalter sehen den Anfang vom Ende – um die Apple-Aktie ist wahre Meinungsschlacht entbrannt.

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Es sind fürchterliche Tage für Apple-Aktionäre: Wie ein Boxer vorm Knockout kassiert die Aktie des immer noch wertvollsten Konzerns der Welt derzeit Schlag um Schlag. Gestern verlor der iPhone-Hersteller weitere 12 Milliarden Dollar an Börsenwert und rutschte auf den tiefsten Stand in zwei Monaten. Börsenblogger und Wirtschaftsjournalisten sind um Deutungshoheit bemüht: Renommierte Hedgefondsmanager rufen Kaufkurse aus, andere Vermögensverwalter sehen den Anfang vom Ende – um die Apple-Aktie ist wahre Meinungsschlacht entbrannt.

Es sieht nicht gut aus für Apple: Drei Wochen ist der mit Spannung erwartete Launch des iPhone 5 auf den Tag her – drei Wochen lang geht es mit der Aktie bergab. Vom bisherigen Allzeithoch bei 705 Dollar, exakt vor drei Wochen aufgestellt, ging es vorgestern im Intraday-Handel bis auf 623 Dollar nach unten. Gestern schloss die Aktie nach einem weiteren Kursrutsch bei 628 Dollar auf dem tiefsten Niveau seit Anfang August.

Die Gründe für das Debakel sind schnell gefunden: Die Verkaufszahlen des ersten Wochenendes enttäuschten vermeintlich. Das neue Betriebssystem iOS mit seinem katastrophalen Kartenangebot floppte hart. Und selbst das iPhone 5 wurde nicht ohne Makel ausgeliefert – Beschwerden über Kratzer, wegen denen Apple die Produktion verlangsamte, fügten auch der Apple-Aktie neue Kratzer zu.

Trader Andy Zaky sieht bei CNN Money "außergewöhnliche Kaufchance"

Kursverluste von 12 Prozent oder in der Spitze 82 Dollar bedeuten de facto eine Wertvernichtung von mehr als 76 Milliarden Dollar. Sind das nun Kaufkurse? Für den Hedgefonds-Manager Andy Zaky eindeutig ja: Zaky gab über seinen Börsenbrief "Bullish Cross" am Dienstag die sechste Kaufempfehlung für Apple heraus. Zwischen 630 und 650 Dollar sei das Einstiegsniveau "großartig", unter 630 Dollar "außergewöhnlich".

Maßgebliche Verbreitung findet Zaky, der sich mit seinen Kaufempfehlungen als absoluter Apple-Experte profiliert hat und in den vergangenen Jahren regelmäßig den Tiefpunkt traf, bei CNN Money, wo Philip Elmer-Dewitt den vielbeachteten Blog Apple 2.0 betreibt. Was den seniorigen Elmer-Dewitt, der seit 1982 für das Time Magazine und Fortune Magazine über Apple schreibt und den mitunter ziemlich selbstbewussten Trader Andy Zaky verbindet – man weiß es nicht. Zaky zumindest ist einer der lautesten Befürworter der Apple-Aktie und findet in CNN Money regelmäßig seine Plattform.

Cody Willard: Apple-Kauf bei 7 Dollar machte ihn berühmt

Ein anderer Apple-Trader, der die Aktie des wertvollsten Unternehmens der Welt nachgewiesenermaßen so erfolgreich wie kaum anderer Vermögensverwalter handelt, ist Cody Willard. Doch Willard, der mit TradingwithCody.com und WallStreetAllStars.com auch längst Trading-Plattformen betreibt, ist nicht nur ein exzellenter Anleger, sondern auch gleichmaßen Börsenblogger und Autor, der über Jahre eine Kolumne in der Financial Times schrieb.

Seine ersten Sporen verdiente sich der heute 40-Jährige im vergangenen Jahrzehnt beim großen Finanzportal TheStreet.com von James Cramer. Nach dem Vorbild der Wall Street-Legende Cramer legte Willards seinen eigenen Tech-Hedgefund auf – und schrieb über seine Anlagen.

Willard ist optimistisch: "Zeit, Apple zu kaufen"

Der Trade, der ihn berühmt machte, war Apple: Im Frühjahr 2003 legte sich Willard die Aktie des damals gerade zum iPod-Anbieter mutierten Tech-Pioniers zu Kursen von heute sagenhaften sieben Dollar ins Depot und hat sie seitdem – mit Ausnahme zur Zeit seiner Fernseh-Karriere bei Fox News – immer gehalten und empfohlen.

Heute dokumentiert Willard seine Trading-Aktivitäten für die größte Finanzwebsite der USA, Marketwatch.com, in einem Blog. Jüngster Eintrag bei der Murdoch-Tochter: "Es ist Zeit, Apple zu kaufen."

Trader schießen sich auf Marketwatch auf Apple ein: "Gehen Sie raus, jetzt"

Die Börsenexperten sind sich also einig? Von wegen! Doug Kass, einer renommiertesten Börsenexperten der USA, der Weltruhm durch die Vorhersage der Finanzkrise und ebenfalls ihres Endes erlangte, ist für Apple immer skeptischer gestimmt. Zwar beschied Kass Apple im vergangenen Jahr nach dem Tod Steve Jobs’ weiter eine glorreiche Zukunft und pries die Aktie als Kursrakete in seinen Überraschungen des Jahres an – doch zuletzt sieht er den "Bear-Case", ein Abwärtsszenrio.

Als Gründe führt Kass, der bei der Premiumtochter von TheStreet.com ein kostenpflichtiges Börsentagebuch schreibt, die Marktreife, die aufkommende Konkurrenz und den verpatzten iPhone 5-Launch an. Apple habe seinen Antrieb verloren, spekuliert Kass.

Schützhilfe bekommt Kass ausgerechnet von Trading-Bloggern der Konkurrenz: Auf Marketwatch.com spekuliert Mike Paulenoff schon über einen Kursrutsch bis auf 530 Dollar, der "in emotionaler Übertreibung" auch bis 470 oder 450 Dollar reichen könnte. Trader-Kollege Kevin Marder unterschreibt das Abwärtszenario: "Gehen Sie raus. Jetzt!" 

Apple-Obession des Business Insiders: Die Bild-Zeitung der Tech-Branche

Und dann ist da der vermeintlich akribischste Apple-Beobachter von allen: Henry Blodget, Gründer und Chefredakteur des Business Insider, der 2007 allein mit seinem Tech-Segment als Alley Insider debütierte. Blodget ist das größte Schwergewicht aller Apple-Apolegeten: Früher war der Staranalyst von Merrill Lynch der Postboy des Börsenbooms der späten 90er-Jahre, bis ihn eine interne E-Mails über irreführende Kaufempfehlungen vom Internet-Unternehmen Infospace den Kopf kosteten und ein lebenslanges Berufsverbot als Analyst einbrachten.

Seitdem schreibt Blodget, so scheint es, um sein Leben und um seine Reputation – und sich leider dabei desöfteren um Kopf und Kragen. So enorm aktuell und umfassend der Business Insider berichtet, so kommt er doch irgendwo als die Bild-Zeitung der Techbranche daher. Die Schlagzeilen gieren nach Sensationen – und die lassen sich eben am besten mit schlechten Nachrichten verkaufen.

Henry Blodgets Apple-Bashing: "Desaströses Quartal", "Worsecase-iPhone-Verkäufe"

Als "desaströs" bezeichnete Blodget das vergangene Apple-Quartal, in dem der iPhone-Hersteller 9 Milliarden Dollar in 91 Tagen einnahm. Die Verkaufszahlen am Start-Wochenende, an dem Apple fünf Millionen iPhones absetzte, waren für den Wall Street-Experten "schlechter als der Worstcase".

Und natürlich "weiß" Blodget nun auch, "warum" die Apple-Aktie fällt. Das iPhone hat enttäuscht, die Auslieferung verzögert sich und lässt die prognostozierten 50 Millionen iPhones im Dezember-Quartal unwahrscheinlicher erscheinen,  ein größerer Katalysator für die nächsten Aufwärtsbewegung fehlt, und die Konkurrenz werde eh stärker. Armes Apple. Der Kampf um die Deutungshoheit über der Apple-Aktie – er ist längst so etwas wie der Volkssport der testosterongeladenen Börsenblogger geworden.

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