Hubert Burda: Was Medien mit Kunst eint

Publishing Eine Meldung im Magazin Bunte der vergangenen Woche fand bislang kein Echo in den Mediendiensten: Hubert Burda hat ein neues Buch geschrieben. Es erscheint allerdings erst am 12. November und heißt: "Die Bunte Story - Ein People-Magazin in Zeiten des Umbruchs". In den siebziger und achtziger Jahren war der Verleger Chefredakteur der Zeitschrift. Wer nun ein bloßes "Best of" der Anekdoten aus dem Wirken des Blattmachers Burda von anno dazumal erwartet, liegt daneben.

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Tatsächlich hat Burda die Geburtsjahre des modernen People-Journalismus in Deutschland in einen historischen Kontext gestellt und den logischen Bogen von einer bahnbrechenden Print-Innovation bis hin zur "Expose yourself"-Mentalität der Generation Facebook gespannt. Im bereits ausgedruckten Umschlagstext des von der Random House-Tochter Pantheon verlegten Buchs heißt es: "Die Bunte Story ist eine lebensnahe Erzählung und Reflexion der Medienrevolution – eine (…) Lektüre für jeden, den der rasante Wandel in unserer Gegenwart umtreibt." Auch den Prolog des Verlegers hat der Verlag vorab online gestellt.
Schon das Cover des von der Random House-Tochter Pantheon verlegten Buchs, das MEEDIA im Vorausdruck vorliegt, ist ungewöhnlich: Es zeigt Chefredakteur Hubert Burda (damals 43 und die Hände lässig in den Hosentaschen vergraben) an der Seite von Andy Warhol, im Hintergrund die vom Künstler gestaltete Bild-Collage von Bunte-Covern in der Eingangshalle des Verlagshauses. Der Pop-Künstler war es auch, der den Deutschen maßgeblich beeinflusste. Auszug aus dem Klappentext: "Warhol lebte dem jungen Verleger vor, wie man Erhabenes und Triviales miteinander versöhnen kann. Genau so wichtig werden für Hubert Burda Reisen nach Kalifornien, wo er sehr früh aufmerksam wird auf die technologische Revolution des ‚digitalen Zeitalters‘ und seiner Revolutionäre, die Gründer von Microsoft, Amazon, Google und Apple."
Zu dieser Zeit, Mitte der achtziger Jahre, hatte Burda bei der Bunten bereits einen grundlegenden Wechsel in der Positionierung vollzogen. Die Yellow-Zeitschrift aus der Provinz, vormals versessen auf Hofberichterstattung von den Königshäusern, wandelt sich in den siebziger Jahren zum "Großstadt-Magazin, welches das moderne Bedürfnis nach individuellem Lebensstil und gelingender Selbstinszenierung sprachlich und bildlich zum Thema macht" (Klappentext). Und Burda selbst erhält eine maßgebliche Rolle: Nach dem Studium der Kunstgeschichte, einem Jetset-Leben und acht nicht eben leichten Lehrjahren im Verlag seines Vaters Franz Burda steigt der Verlegersohn 1974 in die Bunte-Redaktion ein- und zwei Jahre später zum Chefredakteur auf. Bis zum Tod des Vaters 1986 hatte er das Amt ein Jahrzehnt inne. Die Bilanz dieser Ära, so textet der Verlag auf dem Buchumschlag: "Sein Glück: Der Vater (…) lässt ihn das Abenteuer eingehen, ein innovatives Magazin nach amerikanischem Muster zu etablieren. Und er hat Erfolg mit seinem Experiment."
Die Bunte wird zum ersten lifestyligen People-Blatt der Republik. Wer Hubert Burda kennt, weiß, dass für ihn so etwas weder Zufall noch simples Handwerk ist: Die Veränderung an der Oberfläche wird zum Gegenstand kulturwissenschaftlicher Betrachtung und Exegese. Sich selbst sieht Burda "bildungsbürgerlich geprägt zwischen Beethovens Musik und moderner Malerei" und erfasst "vom neuen amerikanischen Lebensgefühl der sechziger Jahre" – ein Schmelztiegel, der den promovierten Kunsthistoriker später zum Digital-Visionär und zum weltweit anerkannten Netzwerker der High Potentials aus Kultur, Publizistik, Politik und klassischer wie moderner Medienwelt machte. Davon zeugt auch der Buchrücken, der den Verleger bei der Eröffnung der von ihm ins Leben gerufenen und weithin beachteten Digital-Konferenz DLD zeigt: Das Motto Warhols "Expose yourself!" drückt sich für den Kulturbetrachter Burda in vielen Bereichen aus, Kunst gehört dazu, die Medien ebenso. Und so scheint es kein Zufall, dass eines der Kapitel im Buch die Überschrift hat: "Media is Art."
In den vergangenen Jahren hat der 72-Jährige mehrfach rund um dieses Thema publiziert, etwa "The Iconic Turn" oder "The Digital Wunderkammer". Aber in keinem dieser Bücher spielt offenbar so viel Persönliches eine Rolle wie jetzt in "Die Bunte Story". Oder wie es ein mit dem Manuskript Vertrauter ausdrückt: "Das Buch schildert den Plot seines Lebens." Und welchen Einflüssen er ausgesetzt war, lässt schon die Widmung im Buch erahnen. Burda schreibt dort: "Für Friedrich Kittler, der mich gelehrt hat, Homer, Pink Floyd, Nietzsche, Jimi Hendrix, Alan Turing, Martin Heidegger und Paris Match im richtigen Kontext zu verstehen."
Seine Zeit als Chefredakteur der Bunten ist dabei für Burda offensichtlich ein entscheidender Meilenstein im Reifeprozess als Medien-Unternehmer. "Ein Verleger (sollte) sich nicht nur als Eigentümer publizistischer Produktionsmittel verstehen, sondern selbst von der Praxis des Journalisten geprägt sein", so seine Einsicht und Überzeugung. Im Prolog beschreibt der Verleger diese Jahre als "eine Zeit, in der das Zeitschriftenmachen noch voller Abenteuer und Erfindungen war und in der es einen großen Spaß machte, mit einem von der ganzen Redaktion gemeinsam geteilten Lebensgefühl zu arbeiten."
Dass Burda zudem eine Einordnung der neuen Lesebedürfnisse und Anforderungen an die Blattmacher vor dem Hintergrund der digitalen Umwälzungen liefert – als einer, der beide Welten kennt wie kaum ein Zweiter in Deutschland –, lässt die Branche auf Burdas neues Buch gespannt sein. Und wie man ihn kennt, dürfte seine "Bunte Story" beiden Seiten reichlich Stoff liefern: den Bildungshungrigen wie dem Boulevard.

Hubert Burdas "Die Bunte Story. Ein Magazin in Zeiten des Umbruchs", 128 Seiten, erscheint am 12. November bei Pantheon und kostet 14,99 Euro.

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