‚Gibt sie erst vor dem jüngsten Gericht Ruhe?‘

Publishing Die Sache entwickelt sich zu einem unendlichen Schlagabtausch. Nachdem Jörg Kachelmann am Wochenende via Spiegel, passend zum Start seines Buches, mal wieder in Richtung Alice Schwarzer austeilte, ist nun die Journalistin und Autorin dran. Für sie erklärt ihr EMMA-Verlag, dass man gegen eine Einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln ins Hauptsacheverfahren geht – „wenn nötig bis zum Bundesgerichtshof oder weiter“. Die Reaktion des Kachelmann-Anwalts: "Gibt sie denn erst vor dem jüngsten Gericht Ruhe?"

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Der Streit dreht sich – laut Verlag – um eine Sprachglosse aus der EMMA-Ausgabe 1/2012, in der die Begriffe „Unschuldsvermutung“ und „einvernehmlicher Sex“ als „Unworte des Jahres“ vorgeschlagen wurden. Dies soll in einem ironischen Ton mit der folgenden Begründung geschehen sein: „Da fragt man am besten Nafissatou Diallo oder Claudia D. oder irgendeine von den 86.800 geschätzten vergewaltigten Frauen im Jahr, deren Vergewaltiger nie angezeigt, nie angeklagt oder nie verurteilt wurden.“

Das Verbot des Landgerichts soll nun mit der Begründung erfolgt sein, dass die EMMA den Eindruck erweckt habe Jörg Kachelmann hätte die ihm angelastete Vergewaltigung tatsächlich begangen. „Doch um Kachelmann und seinen Prozess ging es bei dieser Glosse nicht. Es ging darum, dass mit den Schlagworten „einvernehmlicher Sex“ und „Unschuldsvermutung“ versucht worden ist, die Frage im Keim zu ersticken, ob ein Verbrechen vorliegt oder nicht. Und es ging auch darum, wie die Öffentlichkeit mit der betroffenen Frau umgeht“, erklärt nun der Verlag.

Weiter erklärt die EMMA, dass weder die Redaktion noch Alice Schwarzer behauptet hätte, dass Jörg Kachelmann schuldig sei. „Das herauszufinden war Sache des Gerichts. Es ging und geht uns lediglich darum, darauf aufmerksam zu machen, dass Zweifel auch nach acht Monaten Verhandlung blieben“.

Die Erklärung des Verlages liest sich, als ob Schwarzer noch einmal den ganz großen juristischen Aufschlag probieren will. Immerhin ginge es auch um grundlegende Fragen der Meinungs- und Pressefreiheit. „Die ist durch eine Lawine von gerichtlichen Verboten gerade im Fall Kachelmann ernsthaft bedroht. Und dies nicht selten mit formaljuristischen Haarspaltereien“.

Gegenüber MEEDIA kommentiert der Kachelmann-Anwalt Ralf Höcker fast schon gelangweilt: "Gibt sie denn erst vor dem jüngsten Gericht Ruhe? Frau Schwarzer und ihre EMMA haben wegen ihrer unermüdlichen Vor- und Nachverurteilungen bisher zuverlässig alle Verfahren gegen Kachelmann verloren und zwar in allen Instanzen. Das wird so weitergehen."

Für alle Beobachter bedeutet dies: Wenn die Buch-PR abgeklungen ist, wird uns dieser Prozess noch länger begleiten. Jetzt kommt das Hauptsacheverfahren und dann geht es durch die nächsten Instanzen. Ein Ende des Streits ist wahrlich nicht in Sicht.

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