Kirch-Prozess: Deutsche Bank vor Niederlage

Die Schlinge scheint sich um die Deutsche Bank zuzuziehen. Im seit 10 Jahren währenden Prozess zwischen dem inzwischen verstorbenenen Medienunternehmer Leo Kirch und dem Dax-Konzern steht im November das Urteil an. Bereits gestern meldete sich das Oberlandgericht München zu Wort und stellte fest, es sei "sehr wahrscheinlich", dass sich der frühere Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer mit seinem TV-Interview bestimmte Ziele verfolgt habe. Dem Dax-Konzern droht eine Milliarden-Niederlage.

Werbeanzeige

Die Schlinge scheint sich um die Deutsche Bank zuzuziehen. Im seit 10 Jahren währenden Prozess zwischen dem inzwischen verstorbenenen Medienunternehmer Leo Kirch und dem Dax-Konzern steht im November das Urteil an. Bereits gestern meldete sich das Oberlandgericht München zu Wort und stellte fest, es sei "sehr wahrscheinlich", dass sich der frühere Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer mit seinem TV-Interview bestimmte Ziele verfolgt habe. Dem Dax-Konzern droht eine Milliarden-Niederlage.

Der deutsche Jahrhundertprozess geht auf die Zielgerade: Leo Kirch gegen Rolf E. Breuer und die Deutsche Bank – dieses Verfahren beschäftigte das Oberlandgericht München seit zehn Jahren. Am 16. November wird nun ein Urteil erwartet.

Eine Tendenz, wie es ausfallen könnte, ließ das Oberlandgericht bereits gestern durchblicken. Es sei "sehr wahrscheinlich", dass der damalige Deutsche Bank-Chef Rolf E. Breuer mit seinen umstrittenen Äußerungen bestimmte Absichten verfolgt habe.

Nämlich: Eine Umstrukturierung des angeschlagenen Medienkonzerns unter Federführung des Dax-Konzerns. Die Deutsche Bank sieht das naturgemäß ganz anders: "Der Laden war schon pleite. Das hatte doch mit dem Interview nichts zu tun!" erklärte der Deutsche-Bank-Anwalt Peter Heckel.

Verhängnisvolle Aussage zur Kreditwürdigkeit Kirchs

Die Fehde zwischen dem im vergangenen Jahr verstorbenen Medienmogul und dem Ex-Deutsche-Bank-Chef ist ein Stück deutscher Mediengeschichte. Kirchs Imperium, zu dem unter anderem der Pay-TV-Sender Premiere gehörte, brach im April 2002 zusammen, als Kirch die Schuldenlast von sieben Milliarden Euro nicht mehr bedienen konnte.



Zwei Monate zuvor hatte Breuer die möglicherweise teuersten Worte  der deutschen Wirtschaftsgeschichte geäußert – 29 sind es an der Zahl, ausgesprochen auf dem Finanznachrichtensender Bloomberg am 4. Februar 2002: "Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen."



Mammutprozess: Kirch vs. Breuer

Der Rest ist traurige deutsche Medien- und Wirtschaftsgeschichte: Rund zwei Monate später gingen für den einst wertvollsten deutschen Medienkonzern die Lichter aus. Kirch machte daraufhin die Deutsche Bank und ihren damaligen Vorstandschef Rolf E. Breuer für die Insolvenz verantwortlich – und klagte auf zwei Milliarden Euro.



Vor sechs Jahren sprach der Bundesgerichtshof Kirch das Recht auf Schadenersatz zu, vor drei wurde die Milliardenklage abgewiesen, im vergangenen Jahr ließ das Oberlandesgericht München aber eine neue Klage Kirchs zu und erklärte, das vorige "Urteil greift im Wesentlichen zu kurz". Breuer hatte zuvor erklärt, seine TV-Aussage wäre "ein Unfall" gewesen.



Ein Vergleich über satte 800 Millionen Euro, der kurz vor dem Abschluss, scheiterte im  März am Veto des Aufsichtsrats der Deutschen Bank. Am Freitag will das Gericht die tatsächliche Schadenshöhe festsetzen.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige